Interview mit Eberhard Sautter, Vorstandsvorsitzender, und Eric Bussert, Vorstand für Vertrieb und Marketing der HanseMerkur
Herr Sautter, die HanseMerkur blickt auf das Jubiläumsjahr 2025 zurück. Welche Meilensteine hat der Versicherer im Laufe der Jahre gemeistert?
Eberhard Sautter 150 Jahre HanseMerkur stehen für eine starke Entwicklung: Aus einer lokalen Krankenunterstützungskasse ist eine selbstständige, konzernunabhängige Versicherungsgruppe geworden. Krisen, Strukturwandel und Regulierung haben wir gemeistert – getragen von einem klaren Wertekompass und Verantwortungsbewusstsein. Heute sind wir mit 3,55 Mrd. Euro Beitragseinnahmen, rund 12,4 Mio. Versicherten und einer starken Marktposition sehr gut aufgestellt.
Welche Bedeutung hat dieses Jubiläum für die strategische Weiterentwicklung des Unternehmens?
ES Für uns war das Jubiläum nie nur ein Rückblick, sondern bewusst ein Startpunkt für die nächste Phase. Geschichte verpflichtet – sie zeigt uns, dass nachhaltiger Erfolg nie aus kurzfristigem Denken entsteht. Jede Unternehmensphase war geprägt von Menschen, die bereit waren, Entscheidungen mit Weitblick zu treffen. Diese Haltung prägt unsere heutige Strategie: Unser mittelfristiges Zielbild ist klar: In wenigen Jahren wollen wir als Top-KV-Vollversicherer, etablierter Beamtenversicherer, starker bKV-Partner und führender Tierversicherer wahrgenommen werden.
Herr Bussert, die HanseMerkur konnte zuletzt ein starkes Neugeschäft verzeichnen. Welche Faktoren waren aus Ihrer Sicht entscheidend für dieses Wachstum?
Eric Bussert Das Jahr 2025 hat eindrucksvoll gezeigt, wie tragfähig unsere Strategie ist. Wir haben das beste Neugeschäftsjahr unserer Geschichte erzielt – eine Steigerung von 24,8% gegenüber dem bereits sehr starken Vorjahr. Damit haben wir das strategische Vertriebsziel, das wir für 2030 angepeilt hatten, bereits jetzt übertroffen. Dieser Erfolg basiert auf mehreren Faktoren: einer klaren strategischen Vertriebsausrichtung, leistungsstarken Produkten und einem hohen Serviceniveau. Auch bei Beitragsanpassungen bleiben wir diszipliniert. Im Marktvergleich der vergangenen Jahre zeichnet uns eine hohe Beitragsstabilität aus – das ist Ausdruck nachhaltiger Kalkulation und bewusster Wachstumssteuerung.
Sie positionieren sich nun forciert im Beamtenmarkt. Warum ist dieses Segment strategisch besonders relevant für Sie?
EB Der Beamtenmarkt ist innerhalb der PKV das letzte große Segment, in dem wir bislang noch nicht strategisch vertreten waren. Wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt, dass wir neue Zielgruppen konsequent und nachhaltig erschließen können – zunächst Selbstständige, dann Angestellte. Auch in der bKV und der Tierversicherung haben wir bewiesen, dass wir uns auf neuem Terrain etablieren können. Unsere „Mission Beamte“ ist nun der logische nächste Schritt. Gleichzeitig ist dieses Segment fachlich anspruchsvoll und heterogen – genau deshalb haben wir uns die nötige Zeit für Analysen, Gespräche mit Vertriebspartnern und eine saubere Produktarchitektur genommen.
ES Hinzu kommt: Beamte treffen bei der Wahl ihres Gesundheitspartners häufig lebenslange Entscheidungen. Für uns war deshalb klar: Wenn wir diesen Markt erschließen, dann mit Fokus auf Stabilität, Verlässlichkeit und langfristige Perspektiven. Nachhaltiges Wachstum ist nur dann tragfähig, wenn es für Kunden, Vertriebspartner und das Unternehmen gleichermaßen funktioniert.
Wie verteilt sich Ihr Neugeschäft in der PKV-Vollversicherung über einzelne PKV-Kundengruppen?
ES Wir sind in der Vollversicherung bei Selbstständigen, Freiberuflern und zunehmend auch bei Angestellten gut aufgestellt. Mit 20.671 Netto-Neukunden im Jahr 2025 und 334.332 vollversicherten Personen wachsen wir im 24. Jahr in Folge marktüberdurchschnittlich. Unser Schwerpunkt lag bislang auf Selbstständigen und Freiberuflern, das Angestelltensegment haben wir in den vergangenen Jahren systematisch ausgebaut. Der Beamtenmarkt wird nun unser nächster strategischer Schwerpunkt.
Seite 1 HanseMerkur: Wie der Versicherer den Beamtenmarkt erobert
Seite 2 Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Engagement im Beamtenmarkt der PKV?
Seite 3 Welche Bedeutung haben digitale Prozesse und KI-Anwendungen inzwischen für Beratung, Antragsstrecken und Kundenservice bei der HanseMerkur? Und wo liegen die Grenzen?
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