Welche Bedeutung haben digitale Prozesse und KI-Anwendungen inzwischen für Beratung, Antragsstrecken und Kundenservice bei der HanseMerkur? Und wo liegen die Grenzen?
ES KI ist bei der HanseMerkur bereits in mehreren Bereichen im Einsatz, etwa in der Leistungsabrechnung, im Kundenservice und bei der Informationsbereitstellung. Das Ziel ist immer ein besseres Kundenerlebnis: schnellere Prozesse, höhere Qualität. 2026 bilden KI-Projekte erstmals einen Schwerpunkt unserer Projektarbeit. Das ist eine bewusste strategische Entscheidung.
EB Digitale Prozesse entlasten den Vertrieb und schaffen mehr Freiraum für die strategische Beratung. Die Technologie unterstützt, ersetzt aber nicht die persönliche Beziehung. Gerade in der PKV und im Beamtenmarkt bleibt qualifizierte Beratung unverzichtbar.
Das Thema Longevity gewinnt an Relevanz. Welche Auswirkungen hat eine steigende Lebenserwartung auf die Krankenversicherung und deren Leistungen?
ES Longevity ist längst kein Nischenthema mehr, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Eine steigende Lebenserwartung bedeutet zunächst einmal etwas Positives – mehr gesunde, aktive Lebensjahre für viele Menschen. Gleichzeitig stellt sie das Gesundheitssystem vor große Herausforderungen: steigende Kosten durch teure medikamentöse Therapien, neue Gentherapien und Operationsmethoden sowie Fachkräftemangel in Pflege und hausärztlicher Versorgung. Hinzu kommen die Finanzierungslücken, die durch den demografischen Wandel entstehen. Unser Blick als Krankenversicherer darauf ist: Das Gesundheitssystem muss weg vom reinen Reparaturbetrieb und den Fokus stärker auf Prävention, Gesundheitskompetenz und Früherkennung legen. Das ist keine Kür – das ist die Kernaufgabe der Zukunft.
Wie entwickelt die HanseMerkur ihre Gesundheitsservices weiter, um zum Beispiel Prävention stärker zu fördern?
ES Unser Ansatz lässt sich mit drei Worten beschreiben: „Fördern. Fordern. Belohnen.“ Gesundheit fördern wir etwa mit digitalen Präventionsangeboten wie dem Vorhofflimmern-Screening per Mini-EKG. Die hausärztliche Versorgung unterstützen wir unter anderem durch Kooperationen mit dem Telemedizin-Anbieter avi. Gleichzeitig setzen wir auf digitale Therapieangebote für die psychische Gesundheit, etwa von Selfapy, und bieten für Frauen spezielle Programme an, beispielsweise zur Unterstützung bei Endometriose über FEMNA. Fordern bedeutet für uns, Versicherte aktiv in ihre Gesundheitsversorgung einzubinden und eigenverantwortliche Mitwirkung zu stärken – etwa durch die Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen, die Nutzung digitaler Therapieangebote oder die Orientierung an strukturierten Versorgungswegen. Gesundheitsbewusstes Verhalten belohnen wir seit mehr als 20 Jahren mit Gesundheitsrabatten. Für uns ist klar: Prävention muss im Gesundheitswesen noch stärker als zentraler Hebel verstanden werden.
Und abseits vom PKV-Markt: Welche Rolle soll die HanseMerkur künftig im bKV-Markt und bei Tierversicherungen einnehmen?
EB Die bKV ist unsere dritte strategische Säule und verbindet unsere KV-Kompetenz mit den Anforderungen von Arbeitgebern etwa bei Recruiting und Mitarbeiterbindung. 2025 ist die bKV um 79,9% gewachsen und bietet weiterhin großes Potenzial. Auch in der Tierversicherung haben wir in kurzer Zeit viel erreicht: Seit dem Markteintritt 2022 sind wir heute die Nummer zwei in Deutschland nach Beitragseinnahme und wollen DER Tierversicherer werden. Beide Bereiche zeigen, dass zielgruppenorientiertes Wachstum mit Konsequenz und Geduld erfolgreich sein kann.
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