AssCompact suche
Home
Vertrieb
2. November 2026
InsurTechs: Vom Angreifer zum Partner

3 / 3

InsurTechs: Vom Angreifer zum Partner

InsurTechs: Vom Angreifer zum Partner

Wie sehen Sie die neue Rolle von InsurTechs – gerade auch mit Blick auf den Maklermarkt? Einige neue Player wollten den herkömmlichen Vermittler ersetzen.

Wer einen Makler ersetzen möchte, sollte zunächst verstanden haben, was ein guter Makler leistet. Beratung, Vertrauen und Unterstützung im Schadenfall lassen sich nicht pauschal durch eine Abschlussstrecke oder einen KI-Chatbot ersetzen. Aber alles, was hilft und unterstützt ist gut. Der Mix muss stimmen.

Ich sehe eine große Chance darin, Maklern die Arbeit weiter zu erleichtern: Daten einmal erfassen, Informationen zuverlässig zwischen allen Beteiligten Kunde-Makler-Versicherer austauschen und Vorgänge schneller abschließen. Damit bleibt mehr Zeit für Kunden und Beratung.

Selbstverständlich verändert sich auch der Vertrieb. Bei einfachen Produkten funktionieren digitale Abschlüsse gut. Da werden wir noch deutliche Veränderung erleben. Daraus allerdings abzuleiten, dass persönliche Beratung insgesamt überflüssig wird, halte ich für einen ziemlich großen Sprung.

Wie weit sind etablierte Versicherer bei der Digitalisierung tatsächlich gekommen und wo bestehen die größten Defizite?

Es gibt deutliche Fortschritte, aber auch erhebliche Unterschiede zwischen den Unternehmen. Manche Versicherer haben bereits viel automatisiert. Andere kämpfen noch mit einer gewachsenen Systemlandschaft und zahlreichen Übergaben zwischen Abteilungen und Alt-Systemen.

Ich würde Digitalisierung daran messen, wie ein Vorgang tatsächlich bearbeitet wird: Wie oft müssen Daten angefasst werden? Wie lange dauert eine Vertragsänderung? Wie schnell erhält der Kunde eine belastbare Antwort? Durch wie viele Hände geht ein Schaden?

Wenn der Kunde seinen Antrag online stellt und dahinter jemand die Angaben erneut eintippt, ist der digitale Eindruck besser als der tatsächliche Prozess. Genau dort liegen weiterhin große Aufgaben: bei Datenqualität, Schnittstellen und durchgängigen Abläufen. Das gilt ebenso für KI. Auch die braucht eine vernünftige Grundlage. KI ohne Struktur an die Rampe zu stellen ist Augenwischerei.

Wie wird sich das Verhältnis der Versicherer zu InsurTechs in den nächsten fünf Jahren verändern?

Ich erwarte mehr Arbeitsteilung und eine strengere Auswahl der Partner. Versicherer werden genauer entscheiden, welche Technologie sie selbst entwickeln und welche Leistungen sie zukaufen, um langfristig flexibler auf Marktbewegungen antworten zu können.

Für InsurTechs steigen damit die Anforderungen. Eine interessante Demonstration reicht nicht. Gefragt sind belastbare Systeme, spartenübergreifende Integrationsfähigkeit und ein Anbieter, auf den man sich langfristig verlassen kann.

Gleichzeitig werden Kooperation und Wettbewerb nebeneinander bestehen. Man kann bei einem Produkt Partner sein und sich an anderer Stelle im Markt begegnen. Damit muss man umgehen können. Ich glaube ohnehin, dass wir in fünf Jahren weniger über das Etikett „InsurTech“ sprechen werden und mehr über die Leistung des jeweiligen Unternehmens.

Welche branchenfremden Firmen könnten künftig als Partner von InsurTechs fungieren und damit zu neuen Konkurrenten klassischer Versicherer werden?

Interessant sind Unternehmen, die bereits einen regelmäßigen Kundenzugang haben und einen konkreten Versicherungsbedarf erkennen können: Mobilitätsanbieter, Fahrzeughersteller, Wohnungsunternehmen, Handelsplattformen oder Softwareanbieter für Gewerbekunden.

Ein Flottenkunde organisiert seine Fahrzeuge beispielsweise bereits über eine Plattform. Dort auch passenden Versicherungsschutz anzubieten, kann sinnvoll sein. InsurTechs können die technische Verbindung und die Abwicklung ermöglichen.

Solche Unternehmen müssen dafür nicht selbst Versicherer werden. Sie können gemeinsam mit einem Risikoträger und einem Technologiepartner ein Angebot aufbauen. Für klassische Versicherer entsteht dabei vor allem Wettbewerb um den Kundenzugang. Wer das Risiko trägt, ist eine wichtige Frage. Wer die Kundenbeziehung gestaltet, eine ebenso wichtige.

Seite 1 InsurTechs: Vom Angreifer zum Partner

Seite 2 Einige InsurTechs haben ihre Versicherungslizenz an die BaFin zurückgegeben. Bedeutet das einen Rückschritt zum reinen Technologiezulieferer oder geht es um strategische Neuausrichtung?

Seite 3 Wie sehen Sie die neue Rolle von InsurTechs – gerade auch mit Blick auf den Maklermarkt? Einige neue Player wollten den herkömmlichen Vermittler ersetzen.