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Konsolidierung im Maklermarkt nicht mehr aufzuhalten
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Konsolidierung im Maklermarkt nicht mehr aufzuhalten

Deutsche Gewerbe- und Industriemakler werden für Private-Equity-Firmen interessant. Geld und Investitionswille sind am Markt vorhanden. Wurden zunächst Pools und Vertriebe zu Beteiligungsobjekten, sind es jetzt mittelständische Maklerbetriebe. Auch Fusionen zwischen Maklerbetrieben mehren sich.

Seit Anfang 2021 gehen die Warweg Mittelstandsmaklergruppe und die GGW Gruppe gemeinsame Wege. Die neue GGW Gruppe will zum bevorzugten Partner für den deutschen Mittelstand werden (AssCompact berichtete). CEO Dr. Tobias Warweg hatte zuvor mithilfe des Investors HG Capital eine Gruppe mehrere Makler zusammengebracht. Nun ist HG Capital an der GGW Gruppe beteiligt. Die Investmentfirma war etwa auch an EUCON, einem Digitalunternehmen des Daten- und Prozessmanagements, beteiligt. Im November 2020 gingen die Anteile des Investors an die VHV-Versicherungen (AssCompact berichtete).

Wachstumskapital für MRH Trowe

Wachstumskapital von einem Private-Equity-Investor gibt es auch für den Industriemakler MRH Trowe. Dank Investorengeldern von AnaCap Financial Partners integriert der Industriemakler ein Maklerunternehmen nach dem anderen und baut damit auch sein Gewerbegeschäft aus. Zuletzt wurde die Kulmbacher Versicherungsmakler GmbH übernommen, davor die IASS Chemnitz GmbH und die fivers-Gruppe (AssCompact berichtete). AnaCap setzt bewusst auf inhabergeführte, mittelständische Unternehmen; die Investmentfirma sieht dort erhebliches Potenzial. Das bisherige Management von MRH Trowe soll aber auch in Zukunft die Mehrheit behalten. Selbiges kündigt bereits weitere Wachstumsschritte an.

Bodenständig war gestern

Die Attribute der mittelständischen Gewerbe-Makler lauten in der Regel traditionsreich, bodenständig, inhabergeführt, häufig auch regional verbunden. Das Einsammeln von Wagniskapital war bisher keine primäre Eigenschaft. Nun rücken aber scheinbar nach Vertrieben und Pools auch Maklerbetriebe in den Fokus von Investoren.

Doch nicht nur dort, sondern auch an anderer Stelle gibt es „Appetit“ auf Gewerbe- und Industriegeschäft. So hat die Finanzberatung MLP vor Kurzem den etablierten Industriemakler RVM übernommen (AssCompact berichtete). MLP sucht damit den Einstieg in das Geschäftsfeld und kündigt ebenfalls weitere Zukäufe an.

Eine Frage des Preises

Übernahmen und Zusammenschlüsse im Maklermarkt sind nicht neu, allerdings gewinnt das Thema an Dynamik. Einige Maklerhäuser wollen und können die digitale Transformation allein nicht stemmen, insbesondere, wenn kein Nachfolger gefunden wird. Die Corona-Pandemie mag ein zusätzlicher Beschleuniger sein. Entsprechende Preise dürften angeboten werden und damit die Kaufbereitschaft steigen. Das Interesse der angelsächsischen Beteiligungsfirmen könnte dabei ein Preistreiber sein.

Beginn der Konsolidierungstendenzen vor zehn Jahren

Auch früher haben schon M&A-Transaktionen im Bereich der Gewerbe- und Industriemakler von sich Reden gemacht. In einem kürzlich veröffentlichten Marktkommentar von EY Innovalue heißt es, dass die ersten Konsolidierungstendenzen im Maklerumfeld bereits vor knapp zehn Jahren erkennbar waren. Die Kommentatoren Christian Mylius, Sabrina Bayer und Pascal Wannicke zählen die Übernahmen von IC Unicon durch die Artus Gruppe (Juli 2012) oder den Erwerb von Glauerdt durch die Gossler, Gobert und Wolters Gruppe (Januar 2013) auf. Auch die Martens & Prahl Gruppe war bereits damals mit Beteiligungen an Maklern aktiv.

Erst im vergangenen Jahr hat Ecclesia große Teile ihres Konkurrenten Schunck gekauft – und Ecclesia ist weiter auf Einkaufstour. Neueren Datums ist auch der noch in kartellrechtlicher Prüfung befindliche Kauf von Willis Towers Watson durch Aon. Mit dem Deal würde der weltgrößte Versicherungsmakler entstehen. Das Ende der Fahnenstange ist damit aber noch nicht erreicht, nach Ansicht von EY Innovalue wird der Transaktionsmarkt weiter zunehmen.

Wachstum verpflichtet

Ob nun Beteiligung, Kauf oder Fusion – Aufgabe der neu entstehenden Gruppen wird es sein, so schnell wie möglich Synergie-Effekte zu heben. Das wird nur mit einem hohen Digitalisierungsgrad möglich sein. Allen gemein ist, dass sie das bestehende Geschäft weiter ausbauen wollen. Wie Kunden und Versicherer mit den neuen Modellen und Konglomeraten zurechtkommen, wird die Zukunft zeigen. Im Fall der Private-Equity-Firmen ist es ungewiss, wie lange sie ihre Anteile halten werden und vor allem auch, wohin die Anteile dann verkauft werden. (bh)

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