INFITECH 2024 klare Nummer 1
In der Einzelbetrachtung war die INFITECH Gruppe 2024 klar die Nummer 1, sie lag bei wesentlichen Kennzahlen weit vor allen anderen Wettbewerbern. INFITECH besteht im Kern aus Deutschlands größtem Maklerpool Fonds Finanz und der DEMV. Außerdem gehören zahlreiche Software-Spezialisten zur Gruppe. Die beiden Pools unter dem Dach der INFITECH agieren inzwischen eng abgestimmt im Markt und positionieren sich als „das Beste aus zwei Welten“.
Bemerkenswert ist der Profitabilitätsfortschritt bei INFITECH: Das EBITDA stieg trotz nennenswerter Einmalaufwendungen mit 37,6% mehr als doppelt so schnell wie die Umsatzerlöse (+17,2%) auf nun über 21,3 Mio. Euro. Die Autoren erwarten für 2025 und 2026 nochmals signifikante Steigerungen.
Starke Zahlen bei blau direkt und JDC
Starke Zahlen legten auch blau direkt und JDC vor, die bei den Umsätzen um 28,8% (+MEUR 53,4) bzw. 30,6% (+MEUR 46,1) gegenüber dem Geschäftsjahr 2023 zulegten. Bei beiden Anbietern wurde in der neuen Studie auf eine erweiterte Bezugsbasis abgestellt: bei blau direkt auf einen Teilkonzern, der neben der blau direkt GmbH als Kerngesellschaft auch eine Reihe von dem Poolgeschäft zurechenbaren Töchtern sowie Normalisierungen enthält; bei JDC auf das Segment AdvisorTech der JDC Group (früher Summe aus Jung DMS Pool und Jung DMS Pro). Speziell JDC profitierte 2024 von der erstmaligen Vollkonsolidierung der Top-10-Gruppe und der DFP Deutsche Finanz Portfolioverwaltung.
VEMA als „sicherer Hafen“
Etwas moderater fiel das Wachstum 2024 bei der VEMA aus (+8,5%), wobei der absolute Anstieg des betreuten Courtagevolumens immerhin noch beachtliche ~36 Mio. Euro betrug. Die Zahl der VEMA-Partner stieg um 240 auf knapp 4.800 zum Jahresende – die „Lust auf Genossenschaft“ scheint demnach ungebrochen. Die VEMA profitiert als „sicherer Hafen“ von der fortdauernden Konsolidierung bei Gewerbe- und Industriemaklern und punktet besonders bei Maklern, die unabhängig bleiben wollen.
Mittelfristig darf man gespannt sein, ob und in welchem Umfang die großen Maklerkonsolidierer die Bestände der übernommenen VEMA-Partner unter die eigenen Fittiche nehmen, um so die aktuell an die VEMA gezahlten Overheads in die hauseigenen Bilanzen zu überführen. Angesichts des über viele Jahre aufgebauten Know-hows in Verbindung mit der erheblichen Verhandlungsstärke der VEMA gegenüber Versicherern könnte die Hürde für die Umsetzung von vergleichbar attraktiven eigenen Deckungskonzepten, Klauselbögen und Rahmenverträgen für die Aufkäufergruppen allerdings höher liegen als gedacht.
Die mögliche Geschäftsverlagerung bei den Töchtern der Maklerkonsolidierer dürfte die Triebfeder hinter der jüngsten Ankündigung der VEMA gewesen sein, den eigenen Zielmarkt zu erweitern und von den bisherigen selbst aufgelegten Aufnahmekriterien (u. a. Betriebsgröße und Eigentümerstruktur) abzurücken. So will sich die VEMA verstärkt als Partner etwa von Jungmaklern und Wechslern aus Ausschließlichkeitsorganisationen, von firmenverbundenen Vermittlern sowie von Maklervertrieben von Banken und Versicherern positionieren. Gleichzeitig forciert die VEMA die Weiterentwicklung von VEMAoffice zu einem vollwertigen Maklerverwaltungsprogramm. Der Wettbewerb unter den Pools und Verbünden um attraktive Geschäftspartner könnte durch diese Schritte des „freundlichen Riesen aus Heinersreuth“ nochmals an Intensität gewinnen.
Weitere Bewegung im Anbieterwettbewerb
Für Bewegung im Anbieterwettbewerb werden auch die geplante strategische Allianz von blau direkt und Netfonds sowie die Übernahme des Krankenversicherungsspezialisten verticus durch die INFITECH-Gruppe sorgen. In der Rückprojektion auf 2024 hätten blau direkt und Netfonds zusammen einen Kernmarktumsatz von über 350 Mio. Euro erreicht, INFITECH einschließlich verticus hätte bei knapp 420 Mio. Euro gelegen (dabei Netfonds ohne das volumenstarke Haftungsdach- und Vermögensverwaltungsgeschäft und DEMV mit den niedrigen Verbund-Overheads). Beim Rohergebnis hätte das Duo aus blau direkt und Netfonds sowohl JDC als auch die VEMA überholt und wäre im Kernmarkt auf Platz 2 vorgestoßen – mit einem Abstand von rund 50 Mio. Euro zur INFITECH-Gruppe einschließlich verticus. Bei Einbeziehung des gesamten Netfonds Konzerns hätte die Anbieterallianz in 2024 sogar einen kombinierten Umsatz von 480 Mio. Euro und ein Rohergebnis von rund 87 Mio. Euro erzielt.
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