Das Analysehaus Scope hat die Situation bei offenen Immobilienfonds unter die Lupe genommen und die Ratings von 19 offenen Immobilienfonds aktualisiert. Fünf Fonds wurden herabgestuft, zwei nach oben gestuft und zwölf Fonds konnten die Bewertung stabil halten. Die neuen Ratings reichen von aAIF bis cccAIF, der Durchschnitt liegt bei bbbAIF.
Die Tatsache, dass der Großteil der Ratings stabil geblieben ist, führen die Analysten auf die überwiegend robusten immobilienwirtschaftlichen Parameter zurück. So seien die Vermietungsquoten stabil, die Mietvertragslaufzeiten solide, die Diversifikation breit. Zudem konnten die Fonds ihre Risiken bei der Liquiditätsanlage und den offenen Währungspositionen im Mittel verringern. Die durchschnittliche Kreditquote hat zwar leicht abgenommen, bewegt sich aber weiterhin auf einem moderaten Niveau. Das gesunkene Renditeniveau der Fonds sei überwiegend bereits in den Ratingherabstufungen der Vorjahre abgebildet worden, wie es von Scope heißt.
Hohe Kapitalabflüsse m Jahr 2025
Laut der aktuellen Marktstudie mussten die Fonds 2025 abermals hohe Kapitalabflüsse hinnehmen. Wie schon 2024 war das Nettomittelaufkommen deutlich negativ. Per Saldo verlor die Branche laut Zahlen der Bundesbank im vergangenen Jahr 7,6 Mrd. Euro. Die Analysten von Scope gehen davon aus, dass sich die Mittelabflüsse wegen der zu bedienenden Kündigungen aus 2025 in den kommenden Monaten weiter auf einem hohen Niveau bewegen werden. Bei den Kündigungen ist indes nach Angaben der Gesellschaften teilweise ein Rückgang zu beobachten.
Begrenzte Mittelzuflüsse im weiteren Jahresverlauf
Für 2026 rechnet Scope weiterhin mit nur begrenzten Mittelzuflüssen. Als Ursachen nennen die Analysten die nach wie vor hohe Attraktivität festverzinslicher Anlageformen und die bestehenden Unsicherheiten über die Berechnung des Risikoindikators infolge eines Gerichtsurteils zum UniImmo: Wohnen ZBI. Solange diese fortbestehen, werden sie den Vertrieb offener Immobilienfonds hemmen, heißt es vom Analysehaus.
Weitere Fondsschließungen seien nach den drei Rücknahmeaussetzungen im ersten Quartal nicht auszuschließen – unmittelbare Liquiditätsrisiken bei großen Fonds bestünden derzeit jedoch nicht.
Liquiditätsmanagement im Fokus
Infolge der umfangreichen Anteilscheinrückgaben der Anleger kommt dem Liquiditätsmanagement derzeit eine besondere Relevanz zu. Zum Stichtag 30.04.2026 hielten die Immobilienfonds flüssige Mittel im Umfang von 15 Mrd. Euro. Dies entspricht einer Liquiditätsquote von 14,8% und bedeutet fast keine Veränderung zum Vorjahr. Zugleich bewegt sich die Quote deutlich über der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestliquidität von 5%.
Um auf Marktstresssituationen frühzeitig und flexibel reagieren zu können, mussten die offenen Immobilienfonds zum 16.04.2026 zusätzliche Liquiditätsmanagement-Tools implementieren, wie Scope weiter mitteilt. Die meisten Anbieter hätten sich entschieden, Rücknahmegebühren zu erheben, wenn zu viele Anleger gleichzeitig kündigen.
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