AssCompact suche
Home
Management & Wissen
Versicherungsberater – Gefangen in der Begriffswelt

1 / 2

node.field_artikel_bild.entity.alt.value

Versicherungsberater – Gefangen in der Begriffswelt

Versicherungsberater stehen zwischen Baum und Borke. Sie dürfen jetzt vermitteln, aber keine Provision kassieren. Nicht, dass sie das wollen. Aber gehört das nicht zur Vermittlung? Was ist überhaupt Vermittlung? Bei der Tarifwechselberatung dürfen sie kein Erfolgshonorar verlangen, so der BGH. Das wird zum Teil kritisiert, weil dies den Wettbewerb mit Maklern erschwere. Das eigentliche Problem liegt tiefer. Das Berufsbild des Versicherungsberaters ist unscharf, sagt Hans-Ludger Sandkühler.

Früher war die Welt noch einfach und in Ordnung. Versiche­rungs­berater hatten ihr Nischen­dasein im Rechtsberatungsgesetz, Versicherungsvermittler ihr HGB. Versicherungsberater benötigten für die Ausübung ihrer Tätigkeit eine behördliche Erlaubnis und mussten dafür Eignung und Sachkunde in einem Gespräch mit einem Richter des zuständigen Landgerichts nachweisen. Eigentlich eine Farce. Doch hielten sich einige (nicht die Mehrheit) für etwas Besseres im Vergleich zu Versicherungsvermittlern, die ihr profanes Geschäft ohne Zugangsvoraussetzungen betreiben konnten, und mussten sich über Aufwand und Niveau ihrer Qualifikation in Gazetten der Versicherungspresse ausführlich auslassen. Das dabei zur Schau gestellte Berufsverständnis: Versicherungsvermittler verkaufen provisions­getrieben Versicherungsverträge, Versicherungsberater haben mehr Sachverstand und beraten ihre Mandanten objektiv und neutral. Das Berufsrecht der Versicherungsvermittler war nur rudimentär im HGB geregelt, ergänzt durch Rechtsprechung wie das Sach­walter­urteil, das den Versicherungsmaklern umfangreiche Vertragspflichten auferlegte.

Versicherungsvermittler-Richtlinie von 2003

2003 kam mit der Versicherungsvermittlerrichtlinie der Rahmen für eine europaweite Regulierung der Versicherungsvermittler. Die Richtlinie definierte die Tätigkeit der Versicherungsvermittlung als „das Anbieten, Vorschlagen oder Durchführen anderer Vorbereitungsarbeiten zum Abschließen von Versicherungsverträgen oder das Abschließen von Versicherungsverträgen oder das Mitwirken bei deren Verwaltung und Erfüllung, insbesondere im Schadensfall“.

Schon am 22.05.2007 wurde die Umsetzung der Richtlinieninhalte im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Versicherungsvermittlung wird erlaubnispflichtiges Gewerbe. Der Gesetzgeber verwendet dabei für den Begriff der Vermittlung nicht die Definition der Richtlinie, sondern definiert in § 42a VVG die Versicherungsvermittlung mit „Vermittlung oder Abschluss von Versicherungsverträgen“. Also wird Vermittlung mit sich selbst definiert, und es bleibt unklar, was darunter zu verstehen ist. Neben der Beschrei­bung der Richtlinie bleibt Raum für gewerberechtliche Deutungen. Dann Entsetzen bei den Versicherungsberatern. Sie verlieren ihre Rechtsberatungsbefugnis aus dem Rechtsberatungsgesetz und werden nunmehr gewerberechtlich vereinnahmt. Sie erhalten mit § 34e GewO einen eigenen Erlaubnistatbestand und darin die Befugnis, Dritte bei der Vereinbarung, Änderung oder Prüfung von Versicherungsverträgen oder bei der Wahrnehmung von Ansprüchen aus dem Versicherungsvertrag rechtlich zu beraten und gegenüber dem Versicherungsunternehmen außergerichtlich zu vertreten. Die Erlaubnisvoraussetzungen entsprechen den Voraussetzungen für die Erlaubnis der Versicherungsvermittler. Auch Versicherungsmakler erhalten in § 34d GewO eine – im Vergleich zum Versicherungsberater eingeschränkte – Rechts­beratungsbefugnis. Die Berufsbilder von Versicherungsmakler und Ver­sicherungsberater nähern sich an.

Seite 1 Versicherungsberater – Gefangen in der Begriffswelt

Seite 2 Versicherungsvertriebsrichtlinie IDD