Interview mit Frederik Schlösser, Gruppenleiter Gewerbe & Industrie, sowie Udo Christmann, Abteilungsleiter Sach & Personen der Enser Versicherungskontor GmbH
Herr Schlösser, Herr Christmann, das EVK feiert in diesem Jahr 30-jähriges Firmenjubiläum. Herzlichen Glückwunsch! Was hat sich in den drei Jahrzehnten beim Absicherungsbedarf mittelständischer Firmen am stärksten verändert?
Die Sensibilität für unternehmerische Risiken hat deutlich zugenommen. Themen wie Cyber, Naturgefahren, D&O, Vertrauensschäden oder Betriebsunterbrechungen werden heute wesentlich früher angesprochen als noch vor 30 Jahren. Gleichzeitig ist die Bereitschaft größer, sich mit möglichen Schadenfolgen auseinanderzusetzen. Dazu tragen eine intensivere Aufklärung, konkrete Schadenerfahrungen und in manchen Fällen auch Anforderungen finanzierender Banken bei. Gerade Unternehmen mit geringer Eigenkapitalquote müssen genauer prüfen, welche Risiken sie selbst tragen können. Der Wunsch der Inhaber nach persönlicher und betrieblicher Absicherung ist dadurch gewachsen. Auch Bürgschaften und Warenkreditversicherungen stehen inzwischen bei vielen Mittelständlern auf der Agenda.
Welche Versicherungen sind für Gewerbe- und Industriekunden heute unverzichtbar, werden aber in der Praxis unterschätzt?
Häufig wird nur an die klassische Betriebshaftpflicht gedacht. Viele Unternehmen können jedoch auch echte Vermögensschäden verursachen, die darüber nicht oder nur eingeschränkt erfasst sind. Hier ist eine genaue Analyse der Tätigkeiten erforderlich. Unterschätzt werden zudem Cyberrisiken, vor allem bei kleineren Unternehmen. Eine ausgelagerte IT bedeutet nicht, dass die wirtschaftlichen Folgen eines Angriffs ebenfalls ausgelagert sind. Ähnliches gilt für Elementargefahren, deren Bedeutung angesichts veränderter Wetterereignisse zunimmt. Auch die Betriebsunterbrechung nach einem Sachschaden oder der Ausfall des Inhabers kann für kleinere Betriebe existenzielle Folgen haben, wird aber nicht konsequent berücksichtigt.
Welche Rolle spielen denn Spezialprodukte wie Cyber- oder D&O-Versicherungen inzwischen im Firmenkundengeschäft?
Beide Bereiche haben deutlich an Bedeutung gewonnen. Cyberversicherungen werden vor allem von größeren Unternehmen stärker nachgefragt. Dazu dürften auch öffentlich bekannte Schadenfälle beigetragen haben, die zeigen, wie schnell ein IT-Ausfall den gesamten Betrieb beeinträchtigen kann. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach D&O-Versicherungen. Wir beobachten zunehmend, dass selbst in kleineren Unternehmen ein entsprechender Versicherungsschutz in Geschäftsführerverträgen vorgesehen wird.
Ihr Unternehmen hat sich vom regionalen Versicherungsmakler zu einem europaweit anerkannten Spezialisten entwickelt. Wie hat sich Ihr Kundenstamm denn seitdem verändert?
Unser Kundenstamm hat sich im Laufe der Jahre deutlich erweitert. Im Bereich erneuerbare Energien betreuen wir heute Betreibergesellschaften mit Ursprung in Deutschland, deren Projekte sowohl im In- als auch im europäischen Ausland liegen. Hinzu kommen ausländische Gesellschaften unterschiedlicher Größe. Die Bandbreite reicht von Pionieren der Windbranche bis zu Unternehmen mit mehreren Hundert Millionen Euro Jahresumsatz. Im klassischen Sach- und Personenversicherungsgeschäft bleibt der regionale Schwerpunkt bestehen, zugleich erreichen uns zunehmend Anfragen international tätiger Unternehmen.
Seite 1 „Wunsch der Inhaber nach Absicherung ist gewachsen“
Seite 2 Lassen Sie uns näher auf Ihre Kunden aus dem Bereich erneuerbare Energien eingehen. Welchen besonderen Absicherungsbedarf haben diese Unternehmen?
Seite 3 Immer wieder stehen Versicherer in Sachen Schadenmanagement in der Kritik. Wie sind Ihre Erfahrungen aus der täglichen Praxis im Hinblick auf Ihre Firmenkunden?
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