Interview mit Florian Tenbusch, Geschäftsführer der Prohyp GmbH
Herr Tenbusch, am Baufinanzierungsmarkt beschleunigt sich der technologische Wandel massiv. Kreditentscheidungen sind mittlerweile in wenigen Minuten möglich, KI hat Einzug gehalten. Wie tiefgreifend sind die Entwicklungen auch im Vergleich zu anderen Bereichen der Finanzbranche?
Wir erleben eine Phase, in der die Baufinanzierung technologisch zu anderen Finanzprodukten aufschließt. Während einfache Konsumentenkredite bereits seit Jahren digital vergeben werden, war die Baufinanzierung aufgrund ihrer Komplexität immer deutlich sperriger und zeitintensiver. Gerade mithilfe von KI lassen sich diese zeitintensiven und manuellen Prozesse, zum Beispiel in der Objektbewertung oder der Bonitätsprüfung, mittlerweile massiv beschleunigen oder vollständig automatisieren. Insgesamt ist die Baufi-Bearbeitung in vielen Teilschritten hochgradig repetitiv. Und hier bietet der Einsatz von KI natürlich enorme Potenziale – für uns als Plattformanbieter, aber auch für unsere mehr als 500 Kreditgeber.
Die Baufinanzierung gilt aufgrund ihrer Komplexität als Bereich, bei dem persönliche Beratung zähl. Hat das angesichts der technologischen Entwicklung noch Gültigkeit?
Absolut, die Baufinanzierung wird auch in Zukunft „People Business“ bleiben. Die durchschnittliche Darlehenssumme liegt derzeit bei 343.000 Euro. Für solche Summen verschulden sich Menschen nicht mal einfach so. Sie brauchen und wollen einen emotionalen Anker, der sie bei dieser Entscheidung begleitet. Und dieser Anker soll ein Mensch sein, der ihren Fall am besten bereits hundertfach gesehen hat.
Braucht es in Zukunft denn überhaupt noch Berater?
Ein ganz klares Ja. Aber das Aufgabenprofil wird sich verändern. Es wird in Zukunft weniger darum gehen, den besten Zins für die Anschlussfinanzierung zu finden, als darum, den Kunden bei seinem Wunsch vom eigenen Zuhause bestmöglich zu betreuen. Die Beratung von Mensch zu Mensch wird also wichtiger, alles weitere wird zunehmend automatisiert.
Die Prohyp hat gemeinsam mit der ING eine Sofortkreditentscheidung innerhalb von 30 Minuten gelauncht. Wie funktioniert das?
Die Sofortentscheidung ist das Ergebnis einer volldigitalen Prozesskette auf unserer Plattform ehyp home. Was wir – sehr vereinfacht ausgedrückt – machen: Wir nutzen öffentliche Datenquellen, KI und einen digitalen Kontoblick über eine PSD2-Schnittstelle, um ein völlig neues Vergleichsdatenset für den Kundenantrag und das jeweilige Objekt zu erstellen. Mit diesem Set lassen sich die Antragsdaten deutlich schneller validieren und anschließend von der Bank prüfen. Was früher Tage oder sogar Wochen gedauert hat, ist heute innerhalb von 30 Minuten möglich. Der Kunde bekommt noch im Beratungsgespräch Klarheit darüber, ob die Finanzierung steht.
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Seite 3 Und wie sieht die Zukunft aus?
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