AssCompact - Facebook AssCompact - LinkedIN AssCompact - Twitter AssCompact - Xing AssCompact - Youtube

Steuererklärung: Umgang mit Beiträgen an private Unfallversicherungen
01. Dezember 2020

Steuererklärung: Umgang mit Beiträgen an private Unfallversicherungen

Unfallversicherungen decken meist betriebliche bzw. berufliche wie auch private Unfälle. Für die Beratung ist es für Makler interessant zu wissen, ob sich die Versicherungsbeiträge eigentlich von der Steuer absetzen lassen und wenn ja, in welchem Umfang. Licht ins Dunkel bringen die Steuerexperten Daniel Denker und Marvin Gummels.

1 / 2


Unfallversicherungen decken meist betriebliche bzw. berufliche wie auch private Unfälle. Für die Beratung ist es für Makler interessant zu wissen, ob sich die Versicherungsbeiträge eigentlich von der Steuer absetzen lassen und wenn ja, in welchem Umfang. Licht ins Dunkel bringen die Steuerexperten Daniel Denker und Marvin Gummels.

Steuererklärung: Umgang mit Beiträgen an private Unfallversicherungen

Vermitteln Sie als Versicherungsmakler eine private Unfallversicherung, stellt sich bei Ihrem Kunden spätestens bei Erstellung der Einkommensteuererklärung die Frage, ob die geleisteten Prämien steuerlich abzugsfähig sind. Zwar hängt im Steuerrecht vieles vom Einzelfall ab, jedoch hat das Bundesfinanzministerium (BMF) mit Schreiben vom 28.10.2009 (Bundessteuerblatt I 2009, S. 1275) hierzu umfangreich Stellung genommen und einige Grundregeln sowie Vereinfachungsmöglichkeiten aufgezeigt im Hinblick auf die steuerliche Einordnung von Prämien an private Unfallversicherungen.

Grundsatz Sonderausgabenabzug

Versicherungsprämien für eine private Unfallversicherung sind gemäß § 10 Abs. 1 Nr. 3a Einkommensteuergesetz (EStG) als Sonderausgabe beschränkt abzugsfähig. Die Eintragung erfolgt in der Einkommensteuererklärung auf der „Anlage Vorsorgeaufwand“ auf der zweiten Seite, Zeile 48. Jedoch führt dies regelmäßig zu keiner Minderung der Einkommensteuer. Denn die Beiträge sind zunächst mit den übrigen privaten Versicherungen (z. B. Lebensversicherungen mit Laufzeitbeginn vor dem 01.01.2005 oder Haftpflichtversicherungen) zu saldieren und bei ledigen Versicherungsnehmern nur bis zu einem Betrag von 1.900 bzw. 2.800 Euro abzugsfähig (§ 10 Abs. 4 EStG). Diese Höchstbeträge vermindern sich insoweit, wie bereits Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung als Sonderausgabe zu berücksichtigen sind. Betragen die Beiträge hierzu beispielsweise 3.000 Euro, geht die steuerliche Abzugsmöglichkeit der Prämien an die private Unfallversicherung vollständig verloren. Da dies nicht die Ausnahme, sondern der Regelfall ist, sollte geprüft werden, ob die Prämien nicht anderweitig berücksichtigt werden können.

Ausnahme 1 – Werbungskosten

Die Prämien können – ganz oder anteilig – Werbungskosten darstellen (§ 9 Abs. 1 S. 1 EStG). Der Abzug als Werbungskosten ist immer dann zu prüfen, wenn der Versicherungsnehmer beruflich als Arbeitnehmer tätig ist. Sofern sich abzugsfähige Werbungskosten ergeben, sind diese auf der zweiten Seite der „Anlage N“ innerhalb der Zeile 47 einzutragen. Die hier erfassten Beiträge wirken sich immer und vollständig zum persönlichen Spitzensteuersatz steuermindernd aus. Beträgt dieser beispielsweise 35%, spart Ihr Versicherungsnehmer bei einer Eintragung von 200 Euro 70 Euro Steuern.

Einzige Voraussetzung: Der in § 9a Nr. 1a EStG geregelte Arbeitnehmer-Pauschbetrag von derzeit 1.000 Euro muss bereits durch die übrigen Werbungskosten (insbesondere Fahrtkosten) überschritten werden.

Das BMF erläutert in seinem Schreiben vom 28.10.2009, in welchen Fällen sich Werbungskosten bzw. Sonderausgaben ergeben:

  • Deckt die Versicherung ausschließlich Unfälle ab, die mit der beruflichen Tätigkeit in Zusammenhang stehen, sind die Beiträge vollständig als Werbungskosten abzugsfähig (BMF, a. a. O., Tz. 1.1).
  • Deckt die Versicherung ausschließlich Unfälle des privaten Bereichs ab, sind die Beiträge lediglich als Sonderausgabe zu berücksichtigen (BMF, a. a. O., Tz. 1.2).
  • Deckt die Versicherung sowohl berufliche als auch private Unfälle ab, ist der Gesamtbeitrag in Werbungskosten und Sonderausgaben aufzuteilen (Bundesfinanzhof, Urteil vom 22.06.1990 – VI R 2/87). Als Grundlage für die Aufteilung könnte zum Beispiel eine Bescheinigung des Versicherungs­unternehmens über die jewei­ligen Beitragsanteile dienen. Zur Vereinfachung gestattet die Finanzverwaltung jedoch auch, pauschal 50% des Gesamtbeitrags den Werbungskosten zuzuordnen (BMF, a. a. O., Tz. 1.3).

Seite 1 Steuererklärung: Umgang mit Beiträgen an private Unfallversicherungen

Seite 2 Praxistipp zur Nettolohnoptimierung


Marvin Gummels Marvin Gummels
Daniel Denker Daniel Denker



Ähnliche News

Das Thema Betriebsschließungsversicherung beschäftigt nach wie vor die Gerichte. Nun hat sich die Allianz mit einem weiteren geschädigten Gastwirt auf einen Vergleich geeinigt. Über die vereinbarte Summe wurde Stillschweigen vereinbart. Der Gastronom hatte auf Schadenersatz in Höhe von 160.000 Euro geklagt. weiterlesen
Bei Vorstandsmitgliedern einer Aktiengesellschaft, handelt es sich nicht um Beschäftigte im Sinne des Sozialgesetzbuchs. Aus diesem Grund sind sie auch nicht gesetzlich unfallversichert. Das hat das BSG in einem aktuellen Verfahren entschieden, in dem ein Vorstandsmitglied tödlich verunglückt war. weiterlesen
Kann man sich basierend auf ärztlichem Rat von der Erbschaftssteuer befreien lassen? Der Gedanke klingt weit hergeholt, doch ein aktuelles Urteil des FG Münster beweist die Relevanz dieser Frage. Im konkreten Fall hatte eine Frau auf ärztlichen Rat ihr Eigenheim veräußert, nachdem ihr Ehemann verstorben war. weiterlesen


AssCompact Abonnement

Sie wollen das AssComapct Magazin und/oder den AssCompact Newsletter abonnieren? Klicken Sie hier

Sie sind bereits Leser des AssCompact Magazins und möchten Ihre Daten ändern? Klicken Sie hier

Empfohlener Artikel

Die Finanz- und Versicherungsbranche ist bei Nachwuchskräften alles andere als beliebt. Von 14 Branchen landet sie im aktuellen „Young Professionals Barometer“ von Trendence auf dem vorletzten Platz. Welche Versicherer in der Liste der Wunscharbeitgeber ganz vorne liegen, zeigt AssCompact in einer Bildergalerie.