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ETFs: Die passive Revolution

Einst als Nische belächelt, erobern ETFs immer mehr Bereiche der Geldanlage, und das nicht nur wegen ihrer niedrigen Kosten. Ihre Einsatzgebiete gehen längst über Standardindizes hinaus – und so haben sie auch für Berater, Versicherungen und Vermittler großes Potenzial.

<p>John Bogle ist den meisten Deutschen wohl kaum ein Begriff. Dabei hat er 1976 eine Revolution losgetreten. Eine Revolution, die die Finanzwelt heute mehr denn je aufhorchen lässt. Bogle legte 1976 den ersten Fonds auf, der einen Börsenindex nachbildet. Was mit einem Produkt auf den S&P 500 begann, hat die Fondswelt wie kaum eine andere Neuentwicklung verändert. ETFs sind die größte Wachstumsgeschichte der vergangenen Jahrzehnte. Zuletzt lagen die durchschnittlichen jährlichen Wachstumsraten bei 20%. Insgesamt haben ETFs rund ein Fünftel des gesamten Fondsmarktes erobert.</p><h5>Kosten, Kosten, Kosten</h5><p>ETFs punkten vor allem mit einem Argument: Kosten. Fallen für aktiv verwaltete Fonds in aller Regel über 1% und oft sogar über 2% pro Jahr an, fangen die Jahresgebühren für ETFs schon im Promillebereich an. Selbst exotische Investments oder smarte Portfoliolösungen kosten weniger als 1% pro Jahr. Dieses Argument überzeugt immer mehr Anleger und hat dadurch einen massiven Preiswettbewerb in der Fondsbranche ausgelöst. </p><h5>Mehr als nur Standardindizes</h5><p>Selbst komplexe Investmentansätze lassen sich über Indexinvestments abbilden. Smart Beta lautet hier oft das Zauberwort. Auch Nachhaltigkeit spielt bei ETFs natürlich eine immer wichtigere Rolle. Große Indexanbieter wie MSCI, S&P oder die Deutsche Börse arbeiten bei solchen speziellen Ansätzen oft direkter Zusammenarbeit mit den Fondsgesellschaften zusammen und entwickeln passgenaue Indizes. Dadurch lassen sich selbst recht enge thematische Investments wie etwa in Cannabis oder digitale Bildung realisieren. </p><h5>Wie gemacht für Versicherungen </h5><p>Doch nicht nur das Spektrum der abgebildeten Indizes hat sich deutlich erweitert, sondern auch die Einsatzgebiete. ETFs sind heute längst nicht mehr nur als Direktanlage oder Sparplan gefragt – wenngleich gerade letztere stark boomen. Auch in der Provisionsvermittlung haben sie noch immenses Aufholpotenzial. Zudem sind sie bereits ein fester Bestandteil vieler fondsgebundener Lebensversicherungen, denn gerade mit Versicherungslösungen sich die günstigen und breit gestreuten ETF-Investments clever kombinieren.</p><h5>Bereit für die nächste Evolutionsstufe</h5><p>Bei allen Vorzügen haben ETFs aber natürlich auch Nachteile. So nimmt der überwiegende Teil der passiven Produkte Abwärtsbewegungen eins zu eins mit. Das ist vor allem psychologisch problematisch, da viele Anleger dann in Panik im schlechtesten Moment aus ihren Investments aussteigen: wenn es an den Märkten kracht. Dieser Herdentrieb liegt in der Natur des Menschen. Er lässt sich daher nicht abschaffen. Er lässt sich aber begrenzen, wenn man den Auslöser der Panik eindämmt: die Verluste. Abhilfe können etwa Vermögensverwaltungen oder Dachfonds auf ETF-Basis leisten. Insbesondere bei den digitalen Vertretern sind die passiven Fonds beliebt. Kombiniert mit Algorithmen oder künstlicher Intelligenz wollen sie die Abwärtsrisiken der ETFs reduzieren. Gelingt das langfristig nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis, dürften ETF die nächste Evolutionsstufe zünden und der von John Bogle gestarteten Revolution zu noch deutlich höheren Marktanteilen verhelfen. (mh)</p><p><i class="font-twelve-italic" >© Tierney – stock.adobe.com</i></p><div id="bbgreadlog-getimage"><img src="/bbgreadlog/getimage/58358F8C-3FCC-4C1A-9051-3D8B1315BFCD"></div>

 

Amundi baut den Deutschland-Vertrieb um

Amundi hat den Vertrieb über Vertriebspartner an Retailkunden in Deutschland umgebaut. Mehrere Positionen wurden neu besetzt oder gar neu geschaffen. Dadurch soll ein noch besserer Service in der Betreuung über alle Vertriebsbereiche hinweg geboten werden können.

Der größte europäische Asset Manager stellt seinen Vertrieb über Vertriebspartner an Retailkunden in Deutschland um. In der neuen Aufstellung übernimmt Hermann Pfeifer die Leitung für den Vertrieb von aktiven wie passiven Produkten über Vertriebspartner an Retailkunden von Amundi Deutschland. In dieser Funktion berichten Thomas Wiedenmann, Head of ETF, Indexing and Smart Beta Sales Germany, Austria and Eastern Europe, und Alexander Koch als Head of 3rd Party Distribution in neuen Positionen an ihn.

Neuer Geschäftsbereich ESG Business

Neu geschaffen hat Amundi Deutschland den Bereich ESG Business. Er wird geleitet von Dr. Andreas Steinert, der 2018 zu Amundi Deutschland wechselte und dort bis dato den Bereich 3rd Party Distribution verantwortete. Das institutionelle Geschäft bleibt derweil unter der Leitung von Tobias Löschmann. Als Head of Institutional Clients bei Amundi Deutschland berichtet er unverändert direkt an Christian Pellis, den CEO von Amundi Deutschland.

Noch besserer Service und weiteres Wachstum als Ziel

„Nach dem sehr erfolgreichen letzten Jahr mit 14,1 Mrd. Euro Nettomittelzuflüssen sowie der erfreulichen Entwicklung des Geschäfts seit Jahresbeginn, haben wir mit der jetzt vorgenommenen Veränderung eine Aufstellung, um unseren Kunden in Deutschland einen noch besseren Service in der Betreuung über alle Vertriebsbereiche hinweg bieten und weiter wachsen zu können“, sagt Christian Pellis, CEO Amundi Deutschland. (mh)

Bild: © wor_woot – stock.adobe.com

 

Robo Advisor gewinnen langsam an Bekanntheit

Digitale Vermögensverwaltungen beginnen sich in Deutschland zu etablieren. Jeder dritte Deutsche kann inzwischen mit dem Begriff Robo Advisor etwas anfangen. Das zeigt eine aktuelle Studie der B2B-Direktbank ebase.

Die Bedeutung des digitalen Vermögensmanagements hat in Deutschland in den letzten zwölf Monaten weiter zugenommen. Der aktuellen Studie „Robo Advice in Deutschland – Status quo und Entwicklungsperspektiven 2021“ zufolge, die das Marktforschungsinstitut Toluna zum dritten Mal im Auftrag der European Bank for Financial Services (kurz: ebase®) aus Aschheim bei München erstellt hat, sind inzwischen rund 31% der Deutschen mit dem Begriff Robo Advisor vertraut. „Die Umfrage zeigt, dass Robo Advice als moderne Anlageform zusehends an Bekanntheit gewinnt“, resümiert ebase-CEO Kai Friedrich.

Höhere Bekanntheit bei höher Gebildeten und höheren Einkommen

„Eine überdurchschnittlich große Bekanntheit besitzen Robo-Advisor-Angebote bei Personen mit höherer Schulbildung oder höherem Einkommen sowie auch Anlegern mit hoher Risikobereitschaft“, so Friedrich weiter. Diese Kundengruppen können sich auch in größerem Maß vorstellen, einen Robo Advisor für ihre eigene Geldanlage zu nutzen. „Dies trifft auf immerhin 75% derjenigen zu, die mit dem Begriff Robo Advisor vertraut sind“, präzisiert der ebase-CEO. Auch dies zeige, welches Wachstumspotenzial Robo Advice in Deutschland noch habe.

Corona-Lockdown als Beschleuniger

Die wachsende Bekanntheit und das gestiegene Interesse an Robo-Advisor-Angeboten sind nach Ansicht von Friedrich auch im Zusammenhang mit dem Corona-Lockdown zu sehen. Dieser habe dazu geführt, dass sich mehr Menschen – auch bei der Geldanlage – mit Online-Angeboten befasst hätten. „Die gewünschten Informationen zu Robo-Advisor-Angeboten sind online einfach zu finden und zumeist gut verständlich – zudem sind die Angebote bestenfalls relativ selbsterklärend abzuschließen“, erklärt Friedrich.

Darauf legen die Kunden wert

Bei der Wahl eines Robo Advisors legen die Kunden den Fokus vor allem auf geringe Gebühren (für 68% der Befragten wichtig bis sehr wichtig), Transparenz (66%), eine nachvollziehbare Anlagestrategie (64%) sowie gute Bewertungen durch neutrale Instanzen, beispielsweise die Stiftung Warentest oder Analysehäuser (63%). Daneben stehen eine mehrjährige Erfahrung des Anbieters am Markt (62%) sowie der bisherige Anlageerfolg (59%) im Fokus. Rein digitale Anlageangebote kommen, ungeachtet der guten Wachstumsperspektiven, aktuell nur für eine vergleichbar kleine Kundengruppe praktisch infrage. Die Mehrheit wünscht eine Kombination aus digitaler und persönlicher Betreuung, bei der es zu einer Konvergenz von digitalen Leistungen mit einer persönlichen Beratung kommt. (mh)

Bild: © wsf-f – stock.adobe.com

 

Das sagt Starinvestor Frank Thelen zu Bitcoin, Tech-Aktien und Neobrokern

Frank Thelen ist einer der bekanntesten Tech-Investoren in Deutschland. Im Gespräch mit AssCompact erläutert er, was er den Aktien von Tech-Riesen noch zutraut, warum Anleger sich mit disruptiven Technologien beschäftigen sollten, was er von Neobrokern wie Robinhood hält und warum er seine Meinung zu Bitcoin geändert hat.

Herr Thelen, Sie sind einer der bekanntesten Tech-Investoren in Deutschland. Was hält der Tech-Investor von Kryptowährungen?

Um den Wert von Kryptowährungen einschätzen zu können, muss man zunächst die Technologie verstehen, auf der sie beruhen. Die Blockchain oder genauer Distributed Ledger Technology ermöglicht es uns, sicher und ohne zentrale Instanz oder Mittelsmänner Assets zu verwalten und Transaktionen durchzuführen. In meinen Augen bietet das eine große Chance im Bereich Wertanlage. Daher habe ich sehr früh in Ether investiert. Hier entsteht eine aktive Plattform mit sogenannten Smart Contracts, auf der andere ihre Software aufbauen.

Lange Zeit war ich jedoch Bitcoin gegenüber skeptisch, da sie, anders als eine aktive Plattform, keinen echten Wert verkörpern, solange sie nicht als Wertespeicher akzeptiert werden. Dies scheint nun der Fall zu sein, die ersten Unternehmen haben bereits einen Teil ihres frei verfügbaren Kapitals ihres Balance Sheets in Bitcoin übertragen. In meinen Augen ein kluger Schritt – Bitcoin ist, ähnlich wie Gold, begrenzt und eignet sich somit sehr gut als Wertespeicher. Auch ich habe meine Position in Kryptowährungen inzwischen ausgebaut. Wer in Bitcoin und Co. investieren will, sollte sich dennoch über die Risiken und zu erwartenden Kursschwankungen im Klaren sein.

Wie blicken Sie auf die Rallye bei den Aktien der Tech-Riesen wie Amazon, Facebook, Tesla & Co?

Aktuell befinden wir uns ja wieder in einer Korrektur, dennoch glaube ich langfristig an den Erfolg und die Zukunftsfähigkeit dieser Unternehmen und habe deshalb meine Positionen in den letzten Tagen auch nochmal ausgebaut. Tesla wird volatil bleiben und ist deshalb nicht geeignet für Anleger mit kurzem Investmenthorizont, wird meiner Einschätzung nach aber langfristig weiter steigen. Amazon und Facebook passen nicht in meine persönliche Anlagestrategie, da ich nur noch Aktien halte, bei denen ich erwarte, meinen Einsatz in den kommenden zehn Jahren mindestens verdoppeln zu können. Das geht natürlich auch mit einem höheren Risiko einher, und jeder sollte für sich selbst entscheiden, welche Anlage­strategie er verfolgen kann und will. Ich investiere in Tech-Aktien, nicht weil ich die nächste Rallye mitnehmen will, sondern weil ich wirklich langfristig an den Erfolg und die Innovationskraft dieser Unternehmen glaube.

Werden solche Riesen aber nicht automatisch irgendwann zu träge?

Oft ist das leider so, aber ich denke, dass die aktuelle Gründergeneration in den USA das sogenannte Inno­vators-Dilemma und das damit verbundene Risiko, jederzeit von einem innovativen Start-up disruptiert werden zu können, sehr gut verinnerlicht hat. Amazon, Alphabet, Tesla und Co. setzen alles auf neue Techno­logien, investieren ihre Gewinne in Forschung und Entwicklung, anstatt eine Dividende an ihre Aktionäre auszuzahlen, und denken und handeln langfristig und nicht wie viele deutsche Unternehmen anhand von Quartalszahlen. Dieses Mindset sollten dringend auch unsere deutschen Vorstände entwickeln, wenn sie unsere Unternehmen zukunftsfähig machen wollen.

Wie wichtig sind Unternehmer- und Führungspersönlichkeiten wie etwa Jeff Bezos, Steve Jobs oder auch Elon Musk für den Erfolg solcher Unternehmen?

In meinen Augen sind solche Unternehmerper­sönlichkeiten essenziell für wirkliche Innovationen. Innovationen entstehen nicht in der Komfortzone oder auf vorgeschriebenen Wegen und es braucht mutige und entschlossene Gründerpersönlichkeiten, die ihre Visionen auch dann umsetzen, wenn sonst niemand daran glaubt. Steve Jobs, Jeff Bezos und Elon Musk waren und sind solche Persönlichkeiten. Ich hoffe, dass wir in Deutschland bald auch mehr von dieser 10xDNA und diesem Gründergeist sehen.

Welches Potenzial bieten disruptive Technologien generell für Investoren?

Wir stehen kurz vor der zweiten Welle an disruptiven Technologien. Die erste Welle hat mit der Entwicklung von Mikrochips, dem Internet, Smartphones und der Cloud die aktu­ell wertvollsten Unternehmen der Welt entstehen lassen: Google, Apple, Facebook, Amazon, Microsoft und Co. Die Technologien, die als Nächstes Marktreife erreichen – künstliche Intelligenz, 3D-Druck, Blockchain, 5G, Roboter, Edge-Computing, synthetische Biologie und Grüne-Energie-Technologien bringen eine noch größere Disruptionskraft mit sich und werden nicht nur bestehende Märkte umwälzen, sondern auch komplett neue Märkte entstehen lassen. Ein gutes Beispiel ist der gerade entstehende Markt für Urban Air Mobility, der Schätzungen zufolge bis 2030 auf 7,9 Mrd. Dollar wachsen könnte.

Sehen Sie auch in der Finanz- und Versicherungswelt spannende disruptive Geschäftsmodelle?

Auch die Finanz- und Versicherungswelt steht vorm Wandel, denn durch Schlüsseltechnologien wie künstliche Intelligenz und Blockchain werden sich auch hier neue Möglichkeiten auftun. Kryptowährungen als Wertspeicher, Smart Contracts auf der Blockchain als Form von Asset-Management und KI-Algorithmen, die speziell für die Auswertung in der Versicherungsbranche trainiert sind, zählen hier für mich aktuell zu den spannendsten Möglichkeiten.

Was halten Sie von Neobrokern wie Trade Republic oder Robinhood?

Ich finde es gut, dass es nun auch Anbieter gibt, die sich an kleinere Anleger richten. In meinen Augen sollte jeder von uns ein Depot haben, der am Ende des Monats mindestens 50 Euro übrig hat. Fakt ist, dass unser Geld auf der Bank allein durch die Inflation bedingt an Wert verliert. Um nicht immer weiter in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft zu laufen, müssen wir die Vorteile und Chancen der Geldanlage also allen ermöglichen. Hierbei muss man sich den Broker aber genau anschauen, Robinhood würde ich zum Beispiel aufgrund der Intransparenz nicht empfehlen.

Die Neobroker spielten auch beim spektakulären GameStop-Zock eine wichtige Rolle. Wie haben Sie diesen verfolgt?

Mit der zunehmenden Anzahl an Retail-Investoren und durch die zentrale Rolle von Social Media werden natürlich auch immer mal wieder unvorhergesehene Ereignisse am Markt passieren, was im Fall von GameStop für einige Hedgefonds fatale Folgen hatte. Ich finde das Konzept von Shortsellern nicht gut und habe das Geschehen daher interessiert verfolgt – allerdings von der Seitenlinie, denn diese kurzfristigen Hypes passen nicht zu meiner Anlagestrategie.

Was halten Sie generell davon, dass sich junge Leute plötzlich online zusammenschließen, um mit Aktien zu handeln?

Ich finde es grundsätzlich erst mal gut, dass junge Leute sich mit dem Thema Geldanlage beschäftigen und so hoffentlich etwas für ihre Altersvorsorge tun. Aber die Idee sollte natürlich nicht sein, den Kurs durch Internet-Hypes oder Aufrufe beeinflussen zu wollen. Stattdessen sollten wir eine bessere Aufklärung schaffen, damit jeder mit Substanz und Geduld in die Unternehmen investiert, an die er oder sie langfristig glaubt.

Braucht es für diesen Bereich eine stärkere Finanzaufsicht?

Es braucht keine stärkere, sondern eine klügere Finanz­aufsicht. Es sollte nur das reguliert werden, was wirklich nötig ist. Obwohl ich kein Freund von Shortselling bin, finde ich, dass es weiterhin erlaubt sein sollte. Der Markt regelt das in fast allen Fällen fair. Was wir brauchen, ist mehr Bildung und volle Transparenz. Wie verdient zum Beispiel ein Robinhood? Das sollte reguliert werden.

Bei der Höhle der Löwen haben Sie eine überraschende Liebe zu Food-Unternehmen entwickelt. Ist die auch auf den Aktienanleger Frank Thelen übergeschwappt?

Nein, bei meinem Aktiendepot konzentriere ich mich auf Technologie-Aktien, die das Potenzial haben, ihren Wert innerhalb von fünf bis sieben Jahren zu verzehn­fachen. Diese exponenzielle Entwicklung durch technologische Vorteile gibt es sehr selten im Food-Bereich. (mh)

Dieses Interview lesen Sie auch in AssCompact 04/2021, Seite 56 f., und in unserem ePaper.

Bild: © Goodvibes Photo – stock.adobe.com

 
Ein Interview mit
Frank Thelen

Amundi verhandelt über Lyxor-Übernahme

Die Fusions- und Übernahmewelle in der europäischen Fondslandschaft geht weiter. So hat Amundi bekanntgegeben, dass die Gesellschaft exklusive Verhandlungen mit Société Générale über die Tochter Lyxor begonnen hat.

Société Générale und Amundi haben mitgeteilt, dass die beiden Gesellschaften exklusive Gespräche über den Verkauf von Asset-Management-Aktivitäten der französischen Bank führen. Demnach konzentrieren sich die Gespräche auf die Geschäftsbereiche ihrer Tochtergesellschaft Lyxor. Der Deal mit Amundi soll die 2018 begonnene Konzentration auf die Kerngeschäfte von Société Générale zum Abschluss bringen.

Europäischer ETF-Pionier

Die Übernahme soll bis Februar 2022 abgeschlossen sein und rund 124 Mrd. Euro der von Lyxor insgesamt verwalteten 140 Mrd. Euro umfassen. Lyxor wurde 1998 gegründet und ist einer der Pioniere auf dem europäischen ETF-Markt. Noch heute ist die Gesellschaft der drittgrößte ETF-Anbieter in Europa. ETFs stehen für rund zwei Drittel des insgesamt von Lyxor verwalteten Vermögens.

Starke Hebelwirkung in schnell wachsendem Markt

Amundi gibt die Kosten für die Übernahme mit 825 Mio. Euro an. Mit dem Lyxor-Zukauf steigt die Gesellschaft nach eigener Aussage zum führenden ETF-Anbieter in Europa auf. Zusammen mit dem eigenen ETF-Volumen würde Europas größte Fondsgesellschaft dann 142 Mrd. Euro in ETFs verwalten. Das entspreche einem Marktanteil von 14%. Amundi erhofft sich von der Übernahme zudem eine starke Hebelwirkung des eigenen Wachstums im schnell wachsenden ETF-Markt. (mh)

Bild: © Worawut – stock.adobe.com

 

Deutschlands Fondsbranche blickt optimistisch auf 2021

Der deutschen Fondsbranche ist der Sprung ins neue Jahr offenbar gelungen. Der Großteil der Anbieter rechnet 2021 erneut mit einem Wachstumsjahr. Vor allem nachhaltige Fonds dürften sich als Wachstumstreiber etablieren. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Fondsverbands BVI.

Die Fondsbranche in Deutschland ist mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr 2020 zufrieden gewesen. Für 75% war die Geschäftslage besser als noch zu Beginn der Pandemie im März 2020 erwartet. Für lediglich 8% der Befragten schnitt das Geschäftsjahr schlechter ab. Das ergab eine BVI-Umfrage im Dezember unter Führungskräften aller BVI-Mitglieder. Insgesamt nahmen 179 Entscheider an der Umfrage teil. Sie repräsentieren rund 3 Bio. Euro Fondsvermögen.

Deutliche Mehrheit optimistisch für 2021

Die Fondsgesellschaften haben sich auf die veränderten Rahmenbedingungen aufgrund des Lockdowns gut eingestellt. Die Umstellung auf Heimarbeit, auch bei den Handelsaktivitäten, verlief bei fast zwei Drittel der Gesellschaften schnell und reibungslos. Befragt nach ihren Geschäftsaussichten 2021 erwarten 83% der Fondsgesellschaften, dass sich die Geschäftslage genauso gut oder sogar besser als 2020 entwickeln wird. Nur 16% gehen davon aus, dass sich ihre Ertragslage verschlechtern wird.

Nachhaltige Fonds als Treiber

Die stärksten Geschäftsimpulse erwarten 73% der Befragten von der Nachfrage nach nachhaltigen Fonds. Mehr als neun von zehn Befragten halten es zudem für wichtig, dass Fondsgesellschaften Klimaneutralität anstreben. Im vergangenen Jahr flossen nachhaltigen Publikumsfonds netto 20,6 Mrd. Euro zu. „Deutschland hat sich damit zu einem der größten Absatzmärkte für nachhaltige Fonds in Europa entwickelt“, sagt Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des deutschen Fondsverbands BVI. „Diese Dynamik sollten die Regulatoren durch eine sinnvolle und praxisnahe Nachhaltigkeitsregulierung fördern und nicht durch Überregulierung gefährden.“

Nachhaltigkeit verändert das Portfoliomanagement

Die Fondswirtschaft erwartet durch das Thema Nachhaltigkeit eine starke Veränderung für das Portfoliomanagement (72%). Von Big Data (48%) und künstlicher Intelligenz (41%) erwarten die Befragten ebenfalls einen großen Einfluss. Die Fondsgesellschaften verfolgen differenziert je nach Fonds unterschiedliche Nachhaltigkeitsstrategien (48%) im Portfoliomanagement. Dabei dominieren die Ausschlusskriterien (53%), gefolgt vom aktiven Management (43%) und dem Best-in-class-Ansatz (38%). (mh)

Bild: © Dilok – stock.adobe.com

 

„Wenn es brennt, ist es in der Regel zu spät für eine Absicherung“

2020 war für Fondsmanager eine besondere Herausforderung. Einem historischen Crash folgte eine ähnlich historische Aufholjagd. Das hat viele Experten auf dem falschen Fuß erwischt. Robert Beer hat mit dem Mischfonds LuxTopic Flex das Jahr ein Plus von 50% erzielt – und das noch dazu mit einer eher konservativen Strategie.

<h5>Herr Beer, mit dem Mischfonds LuxTopic Flex haben Sie das Jahr 2020 mit einem Plus von 50% abgeschlossen. Wie war eine solche Performance möglich?</h5><p>Wir haben ein sehr breites internationales Portfolio mit ca. 80 Werten internationaler Großkonzerne. Small und Mid Caps sind zwar spannend, aber das ist nicht mein Metier. Wir setzen daher lieber auf ein breites Spektrum großer und namhafter Werte. Ein Algorithmus filtert aus einem Auswahlpool aus rund 200 Unternehmen die tendenziell stärkeren heraus – also die Unternehmen mit einer guten Substanz, starken Zukunftsaussichten, und die im Idealfall Marktführer in ihrem Bereich sind und ordentlich Cash generieren. Das Kapital streuen wir sehr breit über diese Werte, um Klumpenrisiken zu vermeiden. Mit dieser Basis sind wir in das Jahr gestartet. Dieses Portfolio könnte man auch zehn Jahre liegen lassen und nicht beachten, da es sich um hervorragende Werte handelt, die langfristig überdurchschnittliche Renditen liefern dürften. </p><h5>Dennoch werden auch solche Aktien in Crash-Phasen wie dem letzten Frühjahr abgestraft. Allein die Aktienauswahl kann ein Plus von 50% im vergangenen Jahr also nicht erklären …</h5><p>Das ist richtig. Im LuxTopic Flex fahren wir darüber hinaus eine permanente Absicherung.</p><h5>Wie sieht diese aus?</h5><p>Wir verwenden eine sogenannte Optionsstrategie. Auch dabei nutzen wir einen Algorithmus. Er steuert, wie intensiv wir die Ab­sicherung fahren. Sie besteht zu jeder Zeit, aber nicht immer gleich stark. Wenn etwas an den Märkten passiert und die Volatilität steigt, dann steigt auch das Sicherungs­level. Das alles läuft ganz automatisch. Dadurch, dass wir die Absicherung immer fahren, hatten wir sie bereits vor dem Crash im Frühjahr 2020 drin. Das ist ganz wichtig, denn wenn etwas an den Märkten schon brennt, ist es schließlich in der Regel schon zu spät. Eine Brandversicherung für ein Haus schließt man schließlich auch nicht erst ab, wenn es schon brennt. Die braucht man vorher. Wenn die Sicherung rechtzeitig drin ist, ist sie zudem auch günstiger. </p><!--text-long-pagebreak--><!--sub-title||Wie wichtig ist eine Systematik bei der Absicherung?--><h5>Wie wichtig ist eine Systematik bei der Absicherung?</h5><p>Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Niemand weiß, wann der richtige Zeitpunkt für eine Absicherung ist. Speziell bei Corona wusste man zu Beginn überhaupt nicht, inwieweit die Krise auf die Kurse durchschlagen wird. Das war schließlich etwas ganz Neues. Nach einer ersten Korrektur ist der Markt so richtig abgetaucht und dann hat unsere Sicherung so richtig gegriffen. Während der Markt 35% ver­loren hat, haben unsere Aktien zwar auch verloren, unsere Sicherung hat im Gegenzug aber gewonnen. So waren wir selbst in der Spitze des Crashs im Frühjahr 2020 gerade einmal um die 2% im Minus. </p><p>Für solche Phasen haben wir auch ein System, wann wir bei der Sicherung auch mal Gewinne mitnehmen und diese Gewinne direkt in Aktien reinvestieren, die zu diesem Zeitpunkt relativ günstig sind. Ganz geben wir die Sicherung aber auch in diesen Phasen nicht auf. Irgendwann dreht der Markt aber wieder und dann wollen wir dabei sein. Das war auch 2020 der Fall, als es nach dem Crash ein Dreivierteljahr nach oben ging. Weil die Aktien danach so gut nach oben gegangen sind, kamen am Schluss über 50% heraus. Die Basis dafür hat die Absicherung gelegt. Sie hat in der Crashphase das Minus drastisch reduziert und in der Erholungsphase fiel sie angesichts der massiven Kursgewinne nicht stark ins Gewicht. </p><h5>Also waren die 50% nicht das Ergebnis einer sehr spekulativen Strategie?</h5><p>Nein, dafür waren keineswegs riskante Spekulationen verantwortlich. Im Gegenteil. Der Clou war, dass wir den Rückschlag abgefangen haben. Bei der Aufwärtsbewegung haben wir nur mehr oder weniger das mitgemacht, was die Märkte gewonnen haben. Nur dass wir die Gewinne von einem deutlich höheren Ausgangsniveau mitgenommen haben. </p><p>Viele Aktien haben im vergangenen Jahr von ihren Tiefständen aus 50% oder teilweise gar 70% zugelegt. Die Absicherung hat uns etwas gekostet, aber das, was man nicht verliert, muss man danach nicht wieder aufholen. Wer 50% verliert, muss danach 100% gewinnen, um die Verluste wieder auszugleichen. Entscheidend ist langfristig also vor allem, die Verlustphasen abzufedern.</p><h5>Wie wichtig sind gerade in solchen Marktphasen neben klaren Regeln auch Freiheiten im Management?</h5><p>Man braucht ein System, an das man sich diszipliniert hält. Ohne diese Leitplanken hängt man zu sehr am Tagesgeschehen und lässt sich beeinflussen. Bei all den Systemen für die Aktienauswahl wie auch für die Sicherungssysteme entscheiden wir am Ende aber schon noch selbst. </p><p>Der Computer gibt vor und wir wägen dann noch ab und haben einen gewissen Entscheidungsspielraum. Wir sind kein starrer Robo Advisor. Und das ist auch ganz gut so. Computer sind gut, aber es hilft auch, mit dem Blick einer über 30-jährigen Börsenerfahrung und gesundem Menschenverstand über das System zu schauen. </p><!--text-long-pagebreak--><!--sub-title||Wie herausfordernd war das Umfeld im Vergleich zu anderen Krisenjahren?--><h5>Wie herausfordernd war das Umfeld im Vergleich zu anderen Krisenjahren?</h5><p>Man hat im Laufe der Jahre natürlich ein großes Vertrauen in sein System aufgebaut. Das hilft besonders in solchen Phasen. Die Corona-Krise war aber schon eine besondere Herausforderung. Sie kam so plötzlich und hat fast alle vor den Kopf gestoßen. Das war anders als bei der letzten großen Finanzkrise, die sich mit etwas Vorlauf abzeichnete. Auch die Folgen waren besser abzuschätzen. Die Folgen der Corona-Krise sind dagegen noch immer nicht konkret vorhersehbar. Zudem hat sie menschlich eine ganz andere Dimension, weil jeder in seinem alltäglichen Leben davon betroffen ist. Maßnahmen wie Quarantäne oder Ausgangsbeschränkungen haben die meisten Menschen vorher vermutlich als Sciene Fiction eingestuft. Jetzt sind sie Realität.</p><h5>Wie sind Sie persönlich mit dieser emotional aufwühlenden Phase umgegangen?</h5><p>Gerade in solchen Phasen ist es wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren und das Drumherum aus­zublenden. Und gerade in solchen Phasen hilft es auch, dass man sich in der Oberpfalz und nicht an den hektischen Finanzzentren bewegt. Ich habe zu der Zeit auch nicht in den Fernseher geschaut, um mich nicht von den emotionalen Berichten verleiten zu lassen. Stattdessen bin ich spazieren gegangen, um den Kopf frei zu bekommen. In diesen Phasen ist es das A und O, die Situation ganz nüchtern zu analysieren und alles andere auszublenden.</p><h5>Und wie blicken Sie mit diesem ruhigen Blick auf 2021?</h5><p>Es wird sicher auch in diesem Jahr wieder hin- und hergehen. Ich hoffe aber, dass sich auch diese Krise zügig, sprich in einem halben Jahr, legt. Irgendwann wird es mit dem Impfen klappen und dann wird es sich legen. Und dann wird Normalität einkehren. Ich bin daher vorsichtig optimistisch für das laufende Jahr. Allerdings dürfte es auch in diesem Jahr wieder Störfeuer geben. Wenn die Wirtschaft zum Beispiel wieder zu gut anläuft, wird die Diskussion losgehen, ob steigende Zinsen notwendig sind, denn auf Dauer kann die massive Staatsverschuldung mit geschenktem Geld in Form von Staatsanleihen nicht gesund sein. Die damit verbundene Zinsdiskus­sion wird dann wieder die Märkte ausbremsen. Und das wäre für uns nicht einmal schlecht. Denn dann können wir mit unserem System wieder Outperformance erzielen.</p><p>Dieses Interview lesen Sie auch in AssCompact 03/2021, Seite 56 f., und in unserem <a href="https://epaper.asscompact.de/asscompact-03–2021/65329687" target="_blank" >ePaper</a>. </p><p><i class="font-twelve-italic" >Bild: © Sergey Nivens – stock.adobe.com</i></p><div id="bbgreadlog-getimage"><img src="/bbgreadlog/getimage/BE5050A3-3CFC-4E99-B754-A9A731F56382"></div>

 
Ein Interview mit
Robert Beer

„Themen-ETFs demokratisieren thematische Investitionen“

ETFs und thematische Investments sind 2021 zwei klare Anlagetrends. Rize ETF verbindet diese. Warum das britsche Start-up sich gezielt auf thematische ETFs konzentriert hat und welche Themen bei Rize ETF besonders gefragt sind, erläutert Mitgründer Rahul Bhushan im Interview mit AssCompact.

Herr Bhushan, Rize ETF setzt auf nachhaltige Megatrends im ETF-Mantel. Warum?

Für uns als Unternehmen liegt der Fokus in erster Linie darauf, ETFs zu schaffen, die langfristige, strukturelle Wachstumschancen, also Anlagethemen, erfolgreich abbilden können. Im Großen und Ganzen unterscheiden wir bei diesen Themen zwei Hauptkategorien: Zukunftsthemen wie Cybersicherheit und medizinisches Cannabis und nachhaltige Themen wie nachhaltige Ernährung und Bildung/Digitales Lernen. Entlang dieser beiden Überkategorien möchten wir unsere Plattform skalieren und weitere ETFs hinzufügen, auch wenn wir in Zukunft vielleicht Unterkategorien sehen werden.

Und warum ETFs für diese Themen?

Der Grund, warum wir unsere Fonds als ETFs verpacken, ist sehr einfach: ETFs sind die weltweit am besten regulierte, leicht zugängliche, transparente, liquide und kostengünstige Hülle. Seit der globalen Finanzkrise stehen diese fünf Aspekte ganz oben auf der Agenda eines jeden Anlegers. Und wir glauben, dass der ETF-Wrapper diese Anlegerbedürfnisse erfüllt wie kein anderer. Wir hoffen außerdem, dass wir mit unseren thematischen ETFs und insbesondere mit unserem hybriden passiv-aktiven Produktkonstruktionsprozess – den es vor zehn Jahren so noch nicht gab – zeigen können, dass es keinen Grund gibt, für den Zugang zu Anlagethemen Gebühren für „aktives Management“ zu zahlen, die über 100 Basispunkte betragen, wenn ETF-Anbieter wie wir ähnliche Engagements zur Hälfte der Kosten anbieten. Das vielleicht Bedeutendste an thematischen ETFs ist, dass sie den Zugang zu Investitionen in Themen wirklich demokratisieren.

Der ETF-Markt ist hart umkämpft. Was stimmt Sie zuversichtlich, dass sich auch ein Start-up erfolgreich in diesem etablieren kann?

Richtig, der ETF-Markt ist in der Tat hart umkämpft. Genau aus diesem Grund haben wir uns spezialisiert. Wir glauben, dass wertvolle Produkte entstehen, wenn ihre Macher einen sehr klaren und begrenzten Fokus haben. Mit anderen Worten: Wir wollen lieber in einem bestimmten Thema großartig sein, als in allem durchschnittlich zu sein. Im Gegensatz zu vielen Vermögensverwaltern sind wir mit unserer Kernkompetenz, den thematischen ETFs, bestens vertraut. Wir haben 2014 Europas erste ETFs für Robotik, 2015 für Cybersecurity und 2018 für Batterie- und E-Commerce-Logistik aufgelegt und sind also seit den Anfängen des thematischen ETF-Investierens in Europa dabei. Wir haben diesen Markt wachsen und erwachsen werden sehen, und so setzen wir mit Rize ETF einfach den Weg fort, den wir 2014 eingeschlagen haben. Der einzige Unterschied ist, dass wir ihn jetzt als Teil unseres eigenen Unternehmens gehen.

Aktuell haben sie vier ETFs im Programm. Auf welche konkreten Trends setzen diese?

Unsere vier Investmentthemen sind, wie erwähnt, Cybersecurity, Medical Cannabis, Sustainable Food und Education/Digital Learning. Mit Cybersecurity und Medical Cannabis starteten wir im Februar 2020 auf dem deutschen Markt, die beiden ETFs für nachhaltige Ernährung und Bildungstechnologie lancierten wir Anfang September 2020 in Deutschland.

Welche der vier Rize-ETFs wurden bisher am besten angenommen?

Das Anlegerinteresse ist dieses Jahr an allen unseren ETFs groß. 2021 stellen wir aber definitiv ein erhöhtes Interesse an medizinischem Cannabis und nachhaltigen Lebensmitteln fest. Was medizinisches Cannabis anbelangt, glauben wir, uns in der Anfangsphase eines mehrjährigen, auf Wirksamkeit basierenden Bullenmarktes zu befinden, der Unternehmen des gesamten medizinischen Spektrums Auftrieb geben wird. Die kollektive Wahrnehmung verschiebt sich bereits weg von Cannabis als „Gelegenheitslaster“ hin zu einer Pflanze mit vielfältigen medizinischen Anwendungsmöglichkeiten. Die kürzliche Übernahme von GW Pharmaceuticals, einem in Großbritannien ansässigen pharmazeutischen Cannabisunternehmen, durch Jazz Pharmaceuticals ist ein typisches Beispiel dafür. Das CBD-abgeleitete Medikament von GW Pharmaceuticals, Epidiolex, ist seit seiner Zulassung durch die FDA (Food and Drung Administration, US-Behörde für Lebens- und Arzneimittel) im Juni 2018 sehr erfolgreich und hat dazu beigetragen, die Grenzen der Neurowissenschaften zu erweitern.

Mehrere Biotechnologie-/Pharmaunternehmen treten nun in die Fußstapfen von GW und erforschen neue medizinische Anwendungen für die über 100 verschiedenen Arten von Cannabinoiden, die es da draußen gibt. Und nicht viele Leute wissen das, aber „Big Pharma“ ist bereits in den medizinischen Cannabisbereich involviert, vor allem Unternehmen wie AbbVie, Novartis und Teva. In der Zukunft wird Cannabis unseren Erwartungen nach in mehrere Segmente eingreifen. Insbesondere in die Bereiche Biotechnologie/Pharma, Wellness und Industriegüter. Auf der Makroebene gibt es heute in über 70 Ländern weltweit irgendeine Form eines legalisierten medizinischen Cannabisprogramms. In den USA ist medizinisches Cannabis nun in über 35 Staaten legal. Und mit einem neuen US-Präsidenten und neuer Vizepräsidentin sowie der breiteren Regierung, die die Cannabisreform unterstützen, sieht der Rückenwind für diesen Sektor unglaublich positiv aus. Und nicht nur, weil das Interesse zu Jahresbeginn erneut stieg, sondern auch, weil wir in den kommenden Monaten und Jahren auf eine Landschaft mit mehr Liberalisierung, Deregulierung und Globalisierung von medizinischem Cannabis zugehen.

Und wie erklären sie sich das derzeit große Interesse am Markt für nachhaltige Lebensmittel?

Die Corona-Krise hat unser Lebensmittelsystem in ein ganz neues Licht gerückt. Die Welt hat die Schwachstellen in unseren Lebensmittelversorgungsketten erkannt. Nun wird versucht, viele dieser rückblickend betrachtet skandalösen Missstände zu beheben. Die Gesundheitskrise hat uns dazu gebracht, über die Sicherheit dessen, was wir unserem Körper zuführen, nachzudenken. Das gilt auch für die Realitäten in Bezug auf Lebensmittel, die ja nicht nur unsere Gesundheit und Ernährung betreffen, sondern auch die globalen Ökosysteme, die Artenvielfalt und die Abholzung der Wälder. Daraus resultiert ein Interesse an nachhaltigen Lebensmitteln, das sich im Jahr 2020 beschleunigt hat. Aus Investment-Sicht beginnen die Schlüsselbereiche des Ökosystems für nachhaltige Lebensmittel nun, sich zu beschleunigen und weiteres Wachstum in den kommenden Jahren in Angriff zu nehmen. Zu diesen Schlüsselbereichen gehören Unternehmen, die

  • flexitarische Lebensmitteloptionen anbieten, was ein sich schnell beschleunigender Trend ist,
  • daran arbeiten, die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren (laut jüngsten UN-Statistiken wird weltweit mehr als ein Drittel aller Lebensmittel verschwendet),
  • den Mangel an nachhaltiger Verpackung angehen,
  • Alternativen zum kommerziellen Fischfang und zur Fischzucht im Meer, einschließlich landgestützter Fischzuchtunternehmen schaffen,
  • Innovationen im Bereich der intelligenten und präzisen Landwirtschaft entwickeln, um die Effizienz bei der Nutzung von Input-Ressourcen zu verbessern, die negativen Auswirkungen der Landwirtschaft auf Land/Böden zu reduzieren und bei der landwirtschaftlichen Expansion vertikal statt horizontal zu arbeiten. (mh)

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Ein Interview mit
Rahul Bhushan

ETF-Sparpläne: Experten prognostizieren rasantes Wachstum

BlackRock hat zusammen mit extraETF eine neue Prognose für den Markt der ETF-Sparpläne in Deutschland veröffentlicht. Demnach dürfte das Wachstum bis 2025 noch stärker ausfallen als bisher angenommen und sich die Zahl der Verträge mehr als Vervierfachen.

Sparpläne auf ETFs werden bei deutschen Anlegern immer beliebter. Im Zuge dessen gewinnt das starke Wachstum von ETF-Sparplänen weiter an Dynamik, wie eine Prognose des Informationsdienstes extraETF im Auftrag des Vermögensverwalters BlackRock zeigt. Demnach dürfte die Zahl der ETF-Sparpläne in Deutschland bis zum Jahr 2025 auf rund neun Millionen Verträge steigen. Schon 2023 dürfte der neuen Prognose zufolge die Marke von fünf Millionen fallen. Zum Vergleich: Ende 2020 gelang erstmals der Sprung über zwei Millionen.

ETF-Sparpläne: Experten prognostizieren rasantes Wachstum
Jährliches Wachstum um mehr als ein Drittel

Sollten 2025 tatsächlich neun Millionen ETF-Sparpläne erreicht werden, würde das einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 35% im Vergleich zu Ende Dezember 2020 gleichkommen, als es zwei Millionen entsprechender Verträge gab. Im Mai 2020 waren die Experten anlässlich des 20-jährigen ETF-Jubiläums in Deutschland noch von 30% durchschnittlichem Wachstum und einem Anstieg auf sieben Millionen Verträge ausgegangen. Nun haben sie ihre Prognose auf Basis der kürzlich veröffentlichten Marktdaten für das Jahr 2020 angehoben.

15,7 statt 3,6 Mrd. Euro jährliches Sparvolumen

Der angehobenen Prognose liegt unter anderem zugrunde, dass die durchschnittliche Sparrate weiter steigt. Um dem gerecht zu werden, gehen die Experten nun von einer durchschnittlichen monatlichen Sparrate von 165 Euro aus, statt zuvor 150 Euro. Das jährliche Sparvolumen soll im gleichen Zeitraum von aktuell 3,6 auf 15,7 Mrd. Euro steigen. Pro Jahr würde somit das Volumen in ETF-Sparplänen um 34% wachsen.

Immer mehr Privatanleger werden sich der Vorteile bewusst

„ETF-Sparpläne sind intuitiv verständlich, kostengünstig, transparent und flexibel einsetzbar – ebenso wie börsengehandelte Indexfonds selbst. Verbraucherzentralen, Verbraucherportale, Finanzblogger und Fachmedien bestätigen dies schon seit geraumer Zeit. Nun werden sich auch immer mehr Privatanleger dieser Vorteile bewusst und nutzen ETF-Sparpläne im Rahmen ihrer Geldanlage und des langfristigen Vermögensaufbaus“, begründet Christian Bimüller, Co-Head Digital Distribution in der Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA) bei BlackRock, das zunehmende Wachstum. „Wir haben unsere bisherigen Erwartungen nach oben angepasst, weil die Nachfrage nach ETF-Sparplänen anzieht und zudem die durchschnittliche Sparplanrate steigt“, ergänzt Markus Jordan, Betreiber des Anlegerportals extraETF.com sowie Gründer und Herausgeber des Fachmagazins Extra-Magazin. (mh)

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Wirecard-Skandal: So erklärt die BaFin das Leerverkaufsverbot

Im Februar 2019 hat die BaFin zum ersten Mal in ihrer Geschichte ein Leerverkaufsverbot ausgesprochen – und damit reichlich Kritik auf sich gezogen. Schließlich ging es dabei um den Skandalkonzern Wirecard. Nun wurden die Verantwortlichen der BaFin dazu in den Untersuchungsausschuss geladen.

Mit dem Leerverkaufsverbot auf die Aktien von Wirecard wollte die BaFin im Februar 2019 ein Exempel statuieren. Damit zog die Finanzaufsicht schon damals Kritik auf sich. Damals war Wirecard noch der aufstrebende Star der deutschen Finanzwirtschaft. Heute steht der Name für einen der größten Finanzskandale der vergangenen Jahre. Und damit ist auch die Maßnahme der BaFin stärker in die Kritik geraten. Am vergangenen Freitag musste sich die Führungsspitze der Finanzaufsicht dem 3. Untersuchungsausschuss zu Wirecard stellen.

Staatsanwaltschaft schlug bei der BaFin auf

Geladen war zunächst die scheidende Exekutivdirektorin Wertpapieraufsicht, Elisabeth Roegele. Sie stand den Abgeordneten insgesamt sechs Stunden Rede und Antwort. Laut Roegele hat sich die Staatsanwaltschaft München am 15.02.2019 bei der BaFin mit Hinweisen des Wirecard-Anwalts gemeldet, dass Wirecard erpresst und eine Short-Attacke möglicherweise bevorstehen werde. „Erstmals in der Geschichte der BaFin haben wir von einer bevorstehenden Short-Attacke erfahren“, berichtete Roegele.

Übermittelten Informationen nicht weiter nachgegangen

Den von der Staatsanwaltschaft übermittelten Informationen sei die BaFin nicht weiter nachgegangen, so Roegele, sondern habe diese sehr ernst genommen und sich einem hohen Erwartungsdruck ausgesetzt gesehen. Dem Untersuchungsausschuss zufolge ist die Finanzaufsicht in einer bisher nicht dagewesenen Weise von der Staatsanwaltschaft dazu gedrängt worden, präventiv von dem Instrument des Leerverkaufsverbots Gebrauch zu machen.

Anlegerschutz statt Unternehmensschutz

Die Entscheidung für das umstrittene Leerverkaufsverbot habe Roegele getroffen, zuvor aber das Finanzministerium und die Bundesbank in Kenntnis gesetzt sowie die Meinung der europäischen ESMA abgewartet. Die scheidende Exekutivdirektorin widersprach vor dem Ausschuss vehement dem in der Öffentlichkeit verbreiteten Eindruck, dass die BaFin mit dem Leerverkaufsverbot das Unternehmen Wirecard habe schützen wollen. Ziel der Maßnahme sei allein gewesen, den Anlegerschutz und das Marktvertrauen zu gewährleisten. Um das sicherzustellen sei es darum gegangen, eine Marktmanipulation abzuwenden.

Kritische Medienberichterstattung sehr ernst genommen

Die kritische Medienberichterstattung über Wirecard habe man in der BaFin seinerzeit sehr ernst genommen. Diese habe einerseits glaubhaft das Bild komplettiert, dass es im Marktumfeld und am Markt gegen Wirecard gerichtete Aktivitäten gab, so die Zeugin. Andererseits habe ihr Haus bereits vor dem Leerverkaufsverbot eine Bilanzprüfung der Wirecard AG bei der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) beauftragt. Die beiden Tatorte – kriminelle Energie gegen Wirecard und kriminelle Energie bei Wirecard – schlössen einander ja nicht aus.

So erklärt Felix Hufeld das Wirecard-Leerverkaufsverbot

Auch der scheidende BaFin-Präsident Felix Hufeld musste im Ausschuss aussagen. Unter den damals gegebenen Umständen und unter Berücksichtigung der damaligen Informationen sei die Entscheidung richtig gewesen. Man habe sich keinesfalls nur auf die Hinweise der Staatsanwaltschaft München gestützt und schon gar nicht auf Zuruf der Strafverfolgungsbehörde gehandelt, sondern sich ein Gesamtbild gemacht. Die BaFin habe die Wirecard-Kursbewegungen beobachtet sowie eine hohe Volatilität und einen starken Anstieg von Short-Positionen im Vorfeld gesehen. Zudem haben man eine zustimmende Meinung der ESMA eingeholt.

Richtige Entscheidung zur damaligen Faktenlage …

Im Lichte all dieser Faktoren sei es richtig gewesen, diese Entscheidung zu treffen. „Hundertprozent ja: Wir hatten es mit aggressiven Short-Attacken zu tun. In den Wochen vor unserer Maßnahme haben sich Short-Positionen in dramatischer Weise aufgebaut“, so Hufeld. Die mit einem Grundton der Seriosität und Dringlichkeit übermittelten Hinweise der Staatsanwaltschaft habe man daher absolut glaubhaft entgegengenommen. Gegenüber der Staatsanwaltschaft schwinge man sich nicht als Ermittler auf, der den zugestellten Hinweisen noch nachspüre. Das sei eine Frage des Umgangs zwischen Behörden in Deutschland. Man müsse sich aufeinander verlassen können.

… und ein wenig Selbstkritik

Hufeld gestand aber zumindest eine gewisse operative Hast in seiner Behörde an jenem Wochenende vom 16. und 17.02.2019 zu. Zudem hätte man in der Verfügung der Maßnahme besser kommunizieren müssen, dass die BaFin mit dem Leerverkaufsverbot keinesfalls das Unternehmen Wirecard habe schützen wollen und dass dies keine Parteinahme gewesen sei. Vielmehr sagte er wie schon zuvor Roegele, dass die Gewährleistung des Marktvertrauens und des Anlegerschutzes für seine Behörde im Mittelpunkt gestanden sei.

Geforderter Kulturwandel

Nicht zuletzt die Politik habe ja von der BaFin immer wieder einen „Kulturwandel“ verlangt, in dem Sinne, bei Verstößen, die das Marktvertrauen gefährdeten, energischer, aggressiver und couragierter vorzugehen. Und dann habe sich plötzlich im Februar 2019 die Chance aufgetan, eine kriminelle Handlung sogar im Vorfeld vereiteln zu können. Man habe also gehandelt, um auf diese Weise einer Straftat im Bereich des Short-Selling vorzubeugen. „Aber das hat uns nicht blind gemacht. Die Kollegen haben sich Mühe gemacht, die Sache in alle Richtungen abzuklopfen“, schränkte Hufeld aber ein. Das ganze Wochenende sei in der BaFin an dieser Entscheidung gearbeitet worden. Auch Hufeld verwies zudem auf die Einschaltung der DPR zur Bilanzprüfung. Diese sei der Schlüssel dafür gewesen, um gegebenenfalls „auch mal eine Marktmanipulationsanzeige gegen Wirecard selbst stellen zu können“.

Opferrolle schon Anfang 2019 unrealistisch

An die Erzählung, die Wirecard in der Opferrolle gesehen hat, habe er bereits spätestens seit Anfang 2019 nicht mehr geglaubt. Seitdem habe die BaFin in alle Richtungen, auch gegen Wirecard, ermittelt. Es gehöre leider zur Tragik des Falls Wirecard, dass bestimmte Verfahren wie die gegen Insider und zwei Journalisten im April 2019 schneller vorwärtsgekommen seien als die Verfahren gegen Kriminelle bei Wirecard selbst. Von Gesetzes wegen habe die BaFin da Strafanzeige stellen müssen, während in anderen Fällen damals noch entscheidende rechtliche Bausteine fehlten. (mh)

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