Ein Wertpapierdepot, das ausschließlich auf deutsche Aktien setzt, entspricht heute kaum mehr den Grundsätzen guter Vermögensberatung. Deutsche Titel stehen für nur rund 2% der weltweiten Marktkapitalisierung – eine Konzentration darauf gilt zu Recht als Klumpenrisiko, und der Home Bias im Depot wird in der Beratung seit Jahren aktiv abgebaut. Beim Immobilienvermögen derselben Kunden gilt eine völlig andere Logik: Eigenheim, vermietete Wohnungen, vielleicht ein kleineres Gewerbeobjekt – fast alles in Deutschland, häufig sogar in einer einzigen Region. Was im Depot als Anlagefehler korrigiert würde, wird beim größten Vermögensbaustein stillschweigend akzeptiert. Genau hier liegt der blinde Fleck vieler Beratungsgespräche.
Der größte Baustein ist der am wenigsten diversifizierte
Die Vermögensbefragung der Bundesbank zeigt seit Jahren dasselbe Bild: Bei vermögenden Haushalten dominieren Immobilien- und Betriebsvermögen die Vermögensstruktur – nicht das Wertpapierdepot. Umso schwerer wiegt, dass ausgerechnet dieser Baustein praktisch vollständig einem einzigen wirtschaftlichen und regulatorischen Rahmen unterliegt. Zinsen, Steuerrecht, Mietrecht, energetische Sanierungspflichten, regionale Konjunktur: Jede Veränderung trifft den gesamten Bestand gleichzeitig. Hinzu kommt, dass gerade die vermietete Wohnimmobilie im Inland politische und regulatorische Risiken trägt, die im Kaufpreis selten eingepreist sind – und die der Anleger nicht diversifizieren kann, weil sein übriges Vermögen, sein Einkommen und sein Lebensmittelpunkt denselben Rahmenbedingungen unterliegen. Historisch ist diese Konzentration nachvollziehbar: Gekauft wurde, wo Marktkenntnis vorhanden war. Nähe schuf Vertrauen. Nur ist Vertrautheit kein Risikomanagement. Während Depots regelmäßig überprüft und angepasst werden, bleibt der Immobilienbestand oft über Jahrzehnte unverändert – nicht aus Strategie, sondern aus Gewohnheit.
Rückenwind ist keine Strategie
Dass diese Gewohnheit so lange nicht auffiel, hat einen einfachen Grund: Sie wurde belohnt. Die Wertsteigerungen deutscher Immobilien zwischen 2010 und 2021 waren jedoch in erster Linie kein Ausweis von Anlegergeschick, sondern ein Zinsgeschenk. Sinkende Zinsen drückten die Renditeanforderungen und trieben die Bewertungen nahezu aller Objekte – unabhängig von Lage, Qualität oder Mieterstruktur. Wer sein Immobilienvermögen weiter nach dieser Logik führt, verwechselt Rückenwind mit Strategie. Mit der Zinswende ist dieser Rückenwind entfallen, und damit rückt die Frage in den Mittelpunkt, die in der Niedrigzinsphase kaum jemand stellte: Woraus entstehen die Erträge eigentlich?
Seite 1 Immobilienvermögen und das übersehene Klumpenrisiko
Seite 2 Entscheidend ist die Herkunft der Erträge
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