Bestand: Schneller verfügbar, besser kalkulierbar
Wenn der Neubau stockt, rückt der Bestand in den Fokus, und das aus guten Gründen. Ein entscheidender Vorteil ist die Verfügbarkeit: Während Neubauten Jahre bis zur Fertigstellung brauchen, kann sanierter Bestand deutlich schneller wieder dem Markt zugeführt werden. In Zeiten akuter Wohnraumnot zählt genau das. Hinzu kommt die Lagequalität: Viele Bestandsobjekte befinden sich in gewachsenen Quartieren mit vorhandener Infrastruktur wie Fernwärme, öffentlichem Nahverkehr oder digitalen Netzen. Hier ist längst Realität, was andernorts erst aufwendig geschaffen werden muss. Nicht zuletzt punktet der Bestand durch seine bessere Kalkulierbarkeit. Substanz, Mietniveau, Modernisierungspotenzial – all das lässt sich deutlich verlässlicher einschätzen als beim Neubau, dessen Wirtschaftlichkeit von vielen Variablen abhängt.
Investieren mit Bodenhaftung
Genau das suchen private Investoren in wirtschaftlich unsicheren Zeiten. Damit rückt der Wohnungsbestand in den Fokus. Vermietete Wohnungen in guten Lagen bieten planbare Mieten, Einstiegspreise unter Neubaukosten und steuerliche Vorteile durch Abschreibungsmöglichkeiten. Die Immobilie selbst ist greifbar, der Standort etabliert, die Nachfrage stabil. Das macht den Bestand für viele Investoren zur überlegenen Alternative – nicht trotz, sondern gerade wegen der aktuellen Herausforderungen auf dem Wohnungsmarkt.
Die Vorliebe für Bestandsimmobilien ist zudem Teil eines breiteren Trends, bei dem Investoren zunehmend auf Solidität statt auf maximale Rendite setzen. In wirtschaftlich volatilen Zeiten sind stabile und langfristige Investments gefragt, und die Bereitschaft, moderate Renditen in Kauf zu nehmen, wächst. Die bessere Planbarkeit und ein geringeres Risiko sind derzeit die stärkeren Argumente.
Infrastruktur als Standortbooster: Transformation wirkt in den Bestand
Auch wenn der klassische Wohnungsbau im neuen Sondervermögen kaum eine Rolle spielt – seine Auswirkungen auf den Wohnimmobilienmarkt werden dennoch spürbar sein. Denn der Investitionsschub in Infrastruktur verändert die Rahmenbedingungen. Zwar indirekt, aber auch nachhaltig. Wo Wärmenetze entstehen, Bahnanschlüsse modernisiert oder digitale Netze ausgebaut werden, steigt die Standortqualität – mit konkreten Folgen für Lagen, die bisher eher unauffällig waren.
Für Kapitalanleger bedeutet das: Wer genau hinschaut, erkennt Chancen jenseits der bekannten Metropolenkarten. Regionen und Städte, die etwa durch Fernwärmeprojekte oder Smart-City-Förderung vom Infrastrukturausbau profitieren, gewinnen an Wert. Der Standort von morgen definiert sich nicht mehr allein durch seine Geschichte, sondern zunehmend über seine Transformationsfähigkeit.
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