Das heißt, der Zusammenschluss von Barmenia und Gothaer war gerade jetzt der richtige Schritt?
OS Die Versicherungswirtschaft steht derzeit vor mehreren tiefgreifenden Veränderungen gleichzeitig. Digitalisierung, KI, steigende regulatorische Anforderungen und eine veränderte Risikolandschaft erhöhen den Investitionsbedarf erheblich. Gleichzeitig erwarten Kunden und Vertriebspartner immer schnellere Prozesse und leistungsfähigere Lösungen. Vor diesem Hintergrund war der Zusammenschluss ein konsequenter strategischer Schritt.
AE Aus unserer Sicht hat die Gruppe deutlich an Investitionskraft gewonnen, was besonders in den technologiegetriebenen Märkten eine große Rolle spielt. Wir wollen in allen Segmenten zu den drei größten Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit zählen und damit eine neue Wahrnehmung im Markt erzielen. Das merken wir zum Beispiel auch mit Blick auf den Talentpool. Die wahrgenommene Attraktivität der Unternehmensgruppe ist deutlich gestiegen. Wir haben eine neue Employer Brand gelauncht und unser Karriereportal überarbeitet. Diese Dynamik wirkt sich direkt darauf aus, wie erfolgreich wir Talente in einem herausfordernden Umfeld gewinnen können. Die neue Größe gibt uns die Möglichkeit, schneller zu investieren, Talente zu gewinnen und neue Themen konsequenter voranzutreiben. Unsere Zahlen für 2025 bestätigen diesen Pfad.
Welche konkreten Vorteile bringt die neue Größe Vertriebspartnern?
OS Die neue Größe schafft zunächst einmal mehr Leistungsfähigkeit. Das betrifft Investitionen in Technologie, KI, Prozesse und Produktentwicklung genauso wie unsere Underwriting-Kompetenz im Gewerbe- und Industriesegment.
Gerade dort erwarten Makler heute verlässliche Risikoträger mit hoher fachlicher Expertise und langfristiger Stabilität. Genau diese Rolle wollen wir ausfüllen. Gleichzeitig ermöglicht uns die neue Größe, schneller auf Marktveränderungen zu reagieren.
AE Für Vertriebspartner ist außerdem wichtig, dass wir trotz unserer Größe nahbar bleiben wollen. Persönliche Betreuung und regionale Präsenz bleiben zentrale Bestandteile unseres Geschäftsmodells. Wir halten weiterhin an einer flächendeckenden Betreuungsstruktur fest. Das ist für uns kein Auslaufmodell, sondern ein wichtiger Wettbewerbsfaktor.
Das heißt, Makler können auch künftig auf ihre Direktanbindung an die BarmeniaGothaer zählen?
OS Für uns bleibt der mittelständische Maklermarkt essenziell. Diese Häuser können weiter auf die direkte Anbindung zählen. Entscheidend ist, dass die Zusammenarbeit für beide Seiten wirtschaftlich tragfähig ist. Aber es gibt aus unserer Sicht keinen Grund, Regionalmakler oder mittelständische Maklerhäuser aus der Betreuung herausfallen zu lassen.
Und dennoch: Der Maklermarkt im Bereich Gewerbe/Industrie konsolidiert sich, größere Einheiten entstehen. Wie verändert das die Zusammenarbeit mit den Vermittlern?
OS Viele Maklerhäuser stehen unter erheblichem Druck – technologisch, regulatorisch und auch personell. Gerade im Gewerbe- und Industriesegment steigen die Anforderungen an Spezialisierung und Beratungstiefe deutlich.
Deshalb ist nachvollziehbar, dass sich Makler zusammenschließen oder größere Einheiten entstehen. Für uns als Versicherer bedeutet das aber nicht automatisch weniger Partnerschaften, sondern andere Anforderungen an Zusammenarbeit, Geschwindigkeit und Kompetenz.
AE Gerade Regionalmakler spielen weiterhin eine wichtige Rolle, weil sie oft sehr nah an ihren Kunden sind. Entscheidend ist, dass wir beide Welten gut bedienen: große, professionell organisierte Maklergruppen ebenso wie mittelständische Häuser.
Wie grundlegend verändert künstliche Intelligenz derzeit das Versicherungsgeschäft?
OS KI verändert derzeit nicht nur einzelne Prozesse, sondern zunehmend die Struktur des gesamten Geschäftsmodells. Deshalb wäre es aus unserer Sicht falsch, KI nur als weiteres Effizienzwerkzeug zu betrachten.
Die Technologie hat das Potenzial, Wertschöpfungsketten fundamental zu verändern – von der Kundenkommunikation über Underwriting und Schadenbearbeitung bis hin zur Interaktion mit Vertriebspartnern. Deshalb beschäftigen wir uns nicht nur mit der Frage, wo KI-Einsatz Arbeit erleichtert, sondern auch damit, wie sich dadurch das Versicherungsgeschäft insgesamt verändert.
AE Dabei geht es längst nicht mehr nur um Versicherer selbst. Auch Makler bauen eigene KI-Lösungen auf, und perspektivisch werden Kunden mit KI-basierten Assistenten arbeiten. Darauf muss sich die Branche einstellen.
Seite 1 Neue Größe, neue Chancen: So stärkt BarmeniaGothaer Makler
Seite 2 Die Branche ist bei der Verbesserung der Situation auch abhängig von der Politik. Wie kann die BarmeniaGothaer als Versicherer auf individueller Ebene positiv Einfluss nehmen?
Seite 3 Das heißt, der Zusammenschluss von Barmenia und Gothaer war gerade jetzt der richtige Schritt?
Seite 4 Inwiefern beschäftigt Sie die Vorstellung, dass ein KI-Anbieter, zum Beispiel aus dem angloamerikanischen Raum, das Versicherungsgeschäft völlig neu aufstellen könnte?
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