Inwiefern beschäftigt Sie die Vorstellung, dass ein KI-Anbieter, zum Beispiel aus dem angloamerikanischen Raum, das Versicherungsgeschäft völlig neu aufstellen könnte?
OS Wir als Versicherungsbranche sind regulatorisch gut geschützt. Und diese Rahmenbedingungen haben ihren Sinn. Denn unsere Branche hat auch in den großen Krisen der letzten 20 Jahre – von „9/11“ im Jahr 2001 über die Finanzkrise bis hin zu Flutkatastrophen und Inflation – Stabilität bewiesen und stets die Leistungen für Kunden erbracht. Die entscheidende KI-Disruption in der Versicherungsbranche hat bislang nicht stattgefunden.
Das heißt aber nicht, dass wir unaufmerksam sind. Wichtig ist nicht die Sorge, dass ein externer Player alles übernimmt, sondern dass wir verstehen, wie KI einzelne Wertschöpfungsketten verändert – beispielsweise in der Kundeninteraktion. Plattformen wie TikTok könnten hier das Potenzial eines Disruptors haben. Das erfordert Wachsamkeit, Geschwindigkeit und die Bereitschaft, Chancen aktiv zu nutzen.
In welchen Bereichen schafft KI bereits heute einen messbaren Mehrwert bei der BarmeniaGothaer?
AE Wir setzen KI heute in vielen Bereichen ein. Besonders sichtbar wird das im Service, in der Telefonie, bei der Kundensteuerung oder in der Dokumentenbearbeitung. Dort hilft KI dabei, Prozesse schneller, effizienter und qualitativ stabiler zu gestalten. Kundenanliegen können gezielter zugeordnet und Standardanfragen automatisierter bearbeitet werden. Auch bei technologischen Migrationen sehen wir große Vorteile. Projekte, die früher deutlich mehr Zeit und Ressourcen benötigt hätten, lassen sich heute wesentlich effizienter umsetzen.
Eingebettet in all diese Veränderung ist die Strategie 2030 der BarmeniaGothaer. Diese formuliert ambitionierte Ziele. Welche Meilensteine stehen jetzt im Fokus?
AE Ein zentraler Meilenstein bleibt unser Wachstumskurs. Strategisch haben wir uns vorgenommen, spätestens 2028 die Marke von 10 Mrd. Euro Beitragseinnahmen zu überschreiten. Nach der aktuellen Entwicklung sieht das sehr erreichbar aus.
Gleichzeitig geht es aber nicht nur um Größe. Entscheidend ist, dass Wachstum, Profitabilität und Stabilität zusammenpassen. Deshalb gehören auch ein Jahresüberschuss von rund 200 Mio. Euro sowie eine dauerhaft starke Kapitalausstattung zu unseren strategischen Zielgrößen.
OS Darüber hinaus steht weiterhin die Integration des Unternehmens im Mittelpunkt. Unser Anspruch war von Anfang an, nicht zwei Häuser langfristig nebeneinanderlaufen zu lassen, sondern möglichst schnell ein gemeinsames Unternehmen zu formen.
Deshalb investieren wir stark in gemeinsame Plattformen, Prozesse und technologische Infrastruktur. Besonders wichtig ist dabei unser marktorientierter Ansatz. Wir bauen das Unternehmen konsequent vom Vertrieb und von den Kundenbedürfnissen her weiter auf.
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Seite 1 Neue Größe, neue Chancen: So stärkt BarmeniaGothaer Makler
Seite 2 Die Branche ist bei der Verbesserung der Situation auch abhängig von der Politik. Wie kann die BarmeniaGothaer als Versicherer auf individueller Ebene positiv Einfluss nehmen?
Seite 3 Das heißt, der Zusammenschluss von Barmenia und Gothaer war gerade jetzt der richtige Schritt?
Seite 4 Inwiefern beschäftigt Sie die Vorstellung, dass ein KI-Anbieter, zum Beispiel aus dem angloamerikanischen Raum, das Versicherungsgeschäft völlig neu aufstellen könnte?
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