Wie könnte es dann gehen?
Aus meiner Sicht ist Aufklärung der deutlich bessere Weg. Wenn Tierhalter verstehen, welche Kosten im Ernstfall entstehen können, entscheiden sich viele freiwillig für eine Absicherung. Und freiwillige Entscheidungen funktionieren in der Regel deutlich besser als staatlich verordnete Pflichtlösungen. Am Ende des Tages muss ich mir einen Hund leisten können. Wir reden hier über ein Lebewesen, das – wenn alles gut läuft – 12 bis 15 Jahre Verantwortung bedeutet. Ein Hund beeinflusst viele Bereiche des Lebens: Urlaub, Freizeit, spontane Verabredungen oder auch den Alltag im Beruf. Wer sich für einen Hund entscheidet, übernimmt langfristige Verantwortung – finanziell, organisatorisch und emotional. Genau deshalb sollte diese Entscheidung niemals spontan getroffen werden.
Welche Tiere oder Rassen sind denn aus Ihrer Erfahrung besonders krankheitsanfällig? Und wie gehen Sie als Makler damit um?
Die größte Herausforderung in der Beratung entsteht meist bei sogenannten „Plattnasen“. Dazu gehören z. B. Mops, Französische Bulldogge, Boxer oder auch Perserkatzen. Sie haben aufgrund ihrer Zuchtmerkmale öfter gesundheitliche Probleme, v. a. im Bereich der Atemwege. Für Makler bedeutet das, dass die Auswahl der Versicherer deutlich eingeschränkter ist. Viele Anbieter schließen typische Erkrankungen dieser Rassen ganz oder teilweise aus.
Neben den Atemwegsproblemen gibt es auch bei anderen Rassen typische Erkrankungen, die statistisch häufiger auftreten, z. B. Hüftdysplasie und Ellbogendysplasie bei großen Hunderassen, Patellaluxation bei kleineren Hunden und Herzerkrankungen bei bestimmten Katzenrassen. Viele Versicherer reagieren darauf mit rassespezifischen Ausschlüssen, besonderen Bedingungen oder längeren Wartezeiten.
Als Makler ist meine Aufgabe, Kunden genau über solche Punkte aufzuklären. Natürlich erkläre ich meinen Kunden, welche Leistungen ein Tarif beinhaltet und was konkret versichert ist. Im Zweifel kann man diese Info aber auch auf der Website des jeweiligen Versicherers nachlesen. Deutlich schwieriger wird es bei den Punkten, die nicht oder nur eingeschränkt versichert sind. Genau hier entstehen in der Praxis die meisten Missverständnisse: Ausschlüsse, Begrenzungen oder rassespezifische Einschränkungen sind in Versicherungsbedingungen oft komplex formuliert und für viele Tierhalter nicht sofort verständlich. Gerade deshalb halte ich diesen Teil der Beratung für mindestens genauso wichtig wie die Erklärung der Leistungen. Ein Kunde muss nicht nur wissen, was eine Versicherung zahlt, sondern auch sehr genau verstehen, wo ihre Grenzen liegen. Nur wenn alles transparent auf dem Tisch liegt, kann ein Tierhalter eine wirklich fundierte Entscheidung treffen. Eine ehrliche Beratung bedeutet deshalb nicht nur, Vorteile zu erklären, sondern auch klar auf mögliche Einschränkungen hinzuweisen.
Als Verbrauchertipp wird manchmal gesagt, Tierversicherungen lohnen sich meist nicht und man solle lieber jeden Monat etwas zurücklegen für Tierarztbesuche. Wie stehen Sie dazu – v. a. mit Blick auf die aktualisierte GOT?
Das sogenannte „Selbstansparen“ klingt auf den ersten Blick logisch. In der Praxis funktioniert es jedoch nur selten. Eine Operation beim Hund kann schnell 3.000 bis 6.000 Euro kosten. Komplexe Behandlungen können sogar noch deutlich teurer werden. Um solche Beträge kurzfristig aus eigener Rücklage zu finanzieren, müssten viele Tierhalter über Jahre hinweg erhebliche Summen zurücklegen. Eine Versicherung ersetzt deshalb nicht das Sparen, sondern das Risiko. Sie sorgt dafür, dass im Ernstfall eine große finanzielle Belastung abgesichert ist.
Was sagen Sie also Ihren Kunden?
Ich empfehle meinen Kunden oft Tarife mit einem Selbstbehalt, z. B. 250 Euro pro Jahr. Das hat für Tierhalter zwei Vorteile: Erstens sinkt der monatliche Beitrag teilweise deutlich. Zweitens sind Tarife mit Selbstbehalt in der Regel weniger anfällig für außerplanmäßige Beitragsanpassungen. Eine Operation wie ein Kreuzbandriss mit Kosten von etwa 2.500 Euro ist für einen Versicherer ein kalkulierbares Risiko. Das eigentliche Problem sind die sogenannten Frequenzschäden. Damit sind viele kleine Rechnungen gemeint, die regelmäßig entstehen und in Summe sehr hohe Kosten verursachen. Genau diese Schäden treiben Verwaltungsaufwand und Kosten bei Versicherern massiv nach oben. Ein interessanter Blick auf die Praxis: Mehr als 85% aller Tierarztrechnungen liegen unter 500 Euro. Ein moderater Selbstbehalt sorgt deshalb dafür, dass viele kleinere Rechnungen weiterhin vom Tierhalter getragen werden, während die Versicherung v. a. bei wirklich teuren Behandlungen einspringt. Genau dieses Prinzip macht Tarife langfristig stabiler.
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