Wie nehmen Sie die finanzielle Stabilität von Assekuradeuren und Risikoträgern im Bereich Tierversicherungen aktuell wahr? Hat sich Ihre Beratung dadurch verändert?
Der Markt für Tierversicherungen ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Gleichzeitig hat sich gezeigt, dass das Geschäftsfeld für Versicherer deutlich anspruchsvoller ist, als viele anfangs gedacht haben. In der Praxis war es für viele Anbieter in den vergangenen Jahren nicht einfach, mit Tierversicherungen Geld zu verdienen, insbesondere seit der Anpassung der GOT 2022. Gleichzeitig haben viele Versicherer ihre Tarife in den Jahren davor sehr aggressiv kalkuliert, um schnell Marktanteile zu gewinnen.
Die Folge sieht man heute sehr deutlich: Die Beiträge für viele Tarife haben sich in den letzten Jahren teilweise mehr als verdoppelt. Diese Entwicklung sorgt natürlich bei vielen Tierhaltern für Unmut, ist aus Sicht der Versicherer aber oft die notwendige Korrektur einer zuvor zu optimistischen Kalkulation.
Außerdem haben sich einige Versicherer wieder aus dem Bereich Tierversicherungen zurückgezogen. Teilweise gab es Probleme zwischen Assekuradeuren und ihren Risikoträgern. Meines Erachtens steckt der Markt noch in einer Konsolidierungsphase.
Für mich als Makler bedeutet das, dass ich noch stärker darauf achte, mit welchen Gesellschaften und Risikoträgern ich zusammenarbeite. Neben den Leistungen eines Tarifs spielt die finanzielle Stabilität und langfristige Strategie des Versicherers eine Rolle. Viele Kunden schließen eine Tierkrankenversicherung für viele Jahre ab, meist über die gesamte Lebensdauer des Tieres. Deshalb ist wichtig, dass der Anbieter auch langfristig stabil am Markt bleibt und seine Verpflichtungen erfüllen kann. Diese Aspekte sind ein fester Bestandteil meiner Beratung.
Welches Erlebnis mit einem Tierbesitzer ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?
Mich rief ein älterer Herr an, 76 Jahre alt, nennen wir ihn Hans. Hans hatte sich für einen sechsjährigen Dackelmischling aus dem Tierschutz entschieden. Der Hund hieß Bernie und Hans wollte ihn nun absichern. Er erzählte mir, dass seine Frau zwei Jahre zuvor nach 53 Jahren Ehe verstorben war. Nach dieser schweren Zeit begann er langsam, seinen Alltag zu ordnen. Er sagte, dass er sich Gesellschaft im Alltag wünschte. Einen Freund, um den er sich kümmern kann und mit dem er Zeit verbringt. Ganz bewusst hat er sich deshalb für Bernie entschieden, der zuvor kein besonders gutes Leben hatte und auch nicht mehr zu den jungen Hunden zählte. Hans sagte: „Mein größter Wunsch ist, dass Bernie ein gutes Leben hat – und dass er bis zu seinem letzten Tag bei mir bleiben kann.“ Er wollte unter allen Umständen vermeiden, dass der Hund wieder im Tierheim landet. Während er das erzählte, merkte ich sofort, wie ihn diese Entscheidung verändert hatte. Hans wirkte glücklich, motiviert und voller positiver Energie. Solche Gespräche zeigen, welche Rolle Tiere im Leben von Menschen spielen können. Es geht dabei nicht nur um Versicherungsschutz. Es geht um Begleitung, Verantwortung und manchmal auch darum, einem Leben wieder neue Lebensfreude zu geben.
Bild: Tierversicherungsmakler Martin Markowsky mit seinem Hund Paule
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