Roadmap
Versicherer sollten das knappe Zeitfenster bis 2027 nicht nur für Marktbeobachtung, sondern für belastbare Grundsatzentscheidungen nutzen. Zunächst sollte u. a. die Portfoliologik festgelegt werden, also welche Rolle AVD, GAR und STD im eigenen Haus jeweils spielen, und ein Kostenmodell aufgesetzt werden, mit dem STD als fixen Preisanker.
Im zweiten Quartal sollte man die Produktarchitektur konkretisieren: Zielgruppen, Garantiestufen, Förderlogik und Auszahlungsbausteine sauber definieren. Im Anschluss sollte ein Beratungs- und Vergütungsmodell entwickelt sowie Plattform- und IT-Entscheidungen vorbereitet werden. Im dritten Quartal stünden dann die regulatorische Umsetzung sowie die Vertriebspositionierung an, mit dem AVD als Fokusprodukt, dem GAR als ergänzende Lösungen und dem STD als Benchmarkt im Kundendialog.
Wie laufen die Planungen bei den Versicherern?
Ähnlich wie es die Versicherungsforen darlegen, planen die Versicherer auch schon, wie sich bei den Jahrespressegesprächen der SDK und der Stuttgarter sowie der ALH Gruppe in der vergangenen Woche und außerdem einer AssCompact Nachfrage bei der Allianz herausgestellt hat. Dr. Guido Bader, Vorstandsvorsitzender der Stuttgarter, kündigte beim Pressegespräch klar an, dass man vor allem das Nicht-Standardprodukt in mehreren Ausführungen anbieten werde – ebenso das Standardprodukt, hier liege aber nicht der vertriebliche Schwerpunkt.
Die ALH Gruppe bestätigte in dem Gespräch ebenso, dass man das Depot in verschiedenen Varianten anbieten werden, nicht jedoch in der 100%-Variante, da diese nicht chancenträchtig genug sei. Die VHV Gruppe prüft laut Jahrespressegespräch derzeit noch, was man anbieten könnte, es sei aber unwahrscheinlich, dass es keinen derartigen Vorstoß vonseiten der VHV Gruppe geben wird.
Und auch die Allianz bestätigte gegenüber AssCompact: „Wir werden 2027 mit attraktiven Angeboten am Markt sein, um den Aufbau einer ergänzenden Vorsorge zu ermöglichen. Die Menschen in Deutschland haben unterschiedliche Bedürfnisse und Vorstellungen dazu, welche Balance aus Renditechancen und Stabilität für sie passt oder wie viel Flexibilität sie sich wünschen. Wir werden neben einem Standardprodukt auch weitergehende Lösungen anbieten, die zusätzliche Kundenmehrwerte bieten.“
Die Allianz fand außerdem deutliche Worte zum Standardprodukt, welches auch vom Staat angeboten werden soll. Dieses sei ein „Zielkonflikt“, weil der Staat gleichzeitig Regulierer und Anbieter werde, was „ordnungspolitisch unsinnig und klar abzulehnen“ sei. Wichtiger sei ein fairer Rahmen und ein funktionierender Wettbewerb.
Wie so oft bei Themen, die politisch beeinflusst sind, bleiben noch einige offene Fragen – beispielsweise steht noch die Zustimmung des Bundesrats aus. Auch die Regulatorik bzw. die Zertifizierung ist noch nicht festgeschnürt. Und von Produktgeberseite muss ausgearbeitet werden, wie sich Verwaltungs- und Servicekosten realistisch abbilden lassen. Es bleibt spannend. (mki)
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