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„Wir stehen an einem Kipppunkt, ökologisch und gesellschaftlich“

Grüne Geldanlagen und allgemein grünes Handeln standen für mehrere Jahre hoch im Kurs – und dann kamen diverse Krisen. Jennifer Brockerhoff im Austausch mit AssCompact zur aktuellen Lage beim nachhaltigen Investieren.

Interview mit Jennifer Brockerhoff von Brockerhoff Finanzberatung
Hi, Jennifer, die Nachhaltigkeit hat es aktuell gesellschaftlich schwer – aus verschiedenen Gründen. Merkst du das in deiner Beratung?

Ja, das spüre ich natürlich. Viele Menschen sind zunehmend verunsichert, sei es durch politische Diskussionen, Greenwashing-Vorwürfe oder die Sorge, ob nachhaltige Geldanlagen überhaupt noch rentabel sind. Gleichzeitig spüre ich aber auch eine wachsende Sehnsucht nach Sinnhaftigkeit, gerade in Zeiten multipler Krisen. Meine Aufgabe sehe ich darin, in den Dialog zu gehen und genau über diese Auswirkungen zu sprechen und aufzuklären.

Stellst du unterschiedliche Nachhaltigkeitsbedürfnisse je nach z. B. Geschlecht oder Altersgruppe bei deinen Kundinnen und Kunden fest?

Ja, ganz klar. Jüngere Kunden fragen häufiger explizit nach Impact Investing und wollen wissen, welchen tatsächlichen Unterschied ihr Geld macht. Frauen bringen oft sehr reflektierte Fragen mit, auch zur Wirkung auf soziale Aspekte. Männer dagegen stellen eher die Performance in den Vordergrund, wobei das auch nicht pauschalisiert werden kann. Ich finde diese Vielfalt spannend, denn sie zeigt, dass nachhaltiges Investieren keine Einheitslösung braucht, sondern individuelle Strategien.

Woher kommen diese Unterschiede?

Es sind soziale Prägungen, persönliche Erfahrungen und natürlich auch die jeweilige Lebensphase. Frauen kümmern sich heute früher und intensiver um die eigene finanzielle Bildung und bringen dann ein starkes Bedürfnis nach Transparenz mit. Jüngere Generationen wachsen mit dem Wissen um Klimakrise, Genderfragen und systemische Ungleichheit auf und sind deutlich kritischer zum Beispiel in Bezug auf Greenwashing oder Impactwashing.

Wie definierst du nachhaltiges Investieren in deiner Beratung konkret?

Für mich bedeutet nachhaltiges Investieren, Geld in Einklang mit den eigenen Werten zu bringen unter Berücksichtigung von ökologischen, sozialen und ethischen Kriterien. Es geht nicht nur darum, bestimmte Ausschlusskriterien anzuwenden, sondern um eine ganzheitliche Betrachtung: Was bewirkt mein Geld? Wie transparent ist die Wirkung nachvollziehbar? Welche strukturellen Veränderungen werden angestoßen? Und wie fühlt sich das Investment an: im Herzen und im Kopf? Ich verbinde klassische Finanzanalyse mit Geldpsychologie, und das macht den Unterschied zur klassischen Finanzberatung.

Oft wird bei ESG hauptsächlich über das „E“ gesprochen. Werden das „S“ und das „G“ irgendwann stärker in den Fokus rücken?

Im Moment bleibt das eher eine Wunschvorstellung. Das „S“ steht für das soziale Gefüge: faire Löhne, Diversität, Gleichstellung, Bildung – zentrale Themen, die unsere Gesellschaft zusammenhalten und leider derzeit teilweise auf dem Rückzug sind. Und „G“, also Governance, betrifft die Frage: Wer trifft Entscheidungen? Wie transparent, divers und verantwortlich ist ein Unternehmen geführt? Ich wünsche mir, dass wir ESG nicht als Checkliste, sondern als Haltung begreifen. Denn gute Führung und soziale Gerechtigkeit sind kein Beiwerk, sondern die Basis zukunftsfähiger Wirtschaft.

Aktuell wird viel über die Vereinbarkeit von Rüstung und Nachhaltigkeit diskutiert. Wie stehst du dazu?

Persönlich sehe ich nachhaltige Geldanlagen als einen Beitrag zu einer regenerativen Wirtschaft, Ressourcenschonung und sozialer Gerechtigkeit – Rüstung ist damit schwer vereinbar. Gleichzeitig verstehe ich den politischen Diskurs über Verteidigungsfähigkeit. Jeder Kunde soll dies persönlich entscheiden. Es bedarf meines Erachtens dafür keines Nachhaltigkeitslabels für Rüstung.

Hast du besondere Wünsche an Produktanbieter und Regulatoren, die dir bei der Beratung zu nachhaltigen Geldanlagen helfen könnten?

Na ja, die Regulatoren bestimmen darüber, was die Produktanbieter erstellen. Und bisher war das Ergebnis wenig praktikabel in der Beratung. Daher wünsche ich mir, dass die regulatorischen Anpassungen mehr auf die Realität von Kunden und Berater zugeschnitten werden, damit die Überforderung nachlässt.

Wie siehst du die Zukunft der nachhaltigen Kapitalanlagen?

Wir befinden uns in einer weiteren Bereinigungsphase. Nachhaltige Kapitalanlagen werden nicht verschwinden, im Gegenteil: Sie entwickeln sich laufend weiter. Weg von Marketing-Labels hin zu Transformation und echtem Impact. Wir stehen an einem Kipppunkt, sowohl ökologisch als auch gesellschaftlich. Mein Beitrag ist, weiter Aufklärungsarbeit zu leisten, damit Menschen ihr Geld als Werkzeug für Veränderung verstehen.

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Ein Interview mit
Jennifer Brockerhoff

Sind 30% bis zum Jahr 2030 erreichbar?

Die Zahl 30 steht beim deutschen Ableger des 30% Club im Mittelpunkt. Sein Anliegen: Bis 2030 sollen rund 30% der Vorstandspositionen in Dax-Unternehmen mit qualifizierten Frauen besetzt sein. Halten die Co-Chairs der Initiative das Ziel für machbar? Und wie gehen sie das an?

Interview mit Dr. Antje Stobbe, Head of Stewardship bei Allianz Global Investors, und Sabrina Sanz, Senior ESG Analyst bei Amundi, beide Co-Chairs der Initiative „30% Club“
Frau Dr. Stobbe, Frau Sanz, was ist der 30% Club und welche Ziele verfolgt er?

Antje Stobbe Der 30% Club setzt sich in Deutschland für eine ausgewogenere Vertretung von Frauen und Männern in Aufsichtsräten, Vorständen und im oberen Management deutscher Unternehmen ein. Die Initiative wurde 2010 in Großbritannien ins Leben gerufen und hat inzwischen in vielen Ländern Ableger. Wir stehen im Dialog mit Unternehmen, um ihnen dabei zu helfen, bis 2030 rund ein Drittel der Vorstandspositionen mit qualifizierten Frauen zu besetzen. Wir setzen uns auch für eine stärkere Offenlegung der Zusammensetzung oberer Managements ein. Dabei geht es uns nicht um die Erfüllung einer Quote, sondern vielmehr darum, die vielen hochqualifizierten Frauen in der Wirtschaft als geeignete Kandidatinnen ins Spiel zu bringen.

Und schaffen wir die 30% bis 2030? Sind Sie optimistisch?

AS Im Herbst 2024 waren 24,7% der Vorstandspositionen bei Dax-40-Unternehmen weiblich besetzt. Dies sind 1,5 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Setzt sich dieser Trend fort, werden wir bis 2030 bei rund einem Drittel sein. Bis dahin bleibt allerdings dennoch viel zu tun, um die Pipeline weiblicher Führungskräfte zu stärken.

Warum eigentlich genau 30%?

Sabrina Sanz Studien zeigen, dass eine derartige Marke ein kritischer Wert ist, ab dem die Stimmen einer Minderheit wahrgenommen und beachtet werden, um Einfluss auf den Entscheidungsprozess in der Unternehmensleitung zu nehmen. Dabei geht es nicht um einen fixen Wert, sondern um den relevanten Anteil. Das Erreichen einer derartigen Marke im Vorstand ist daher ein wichtiger Meilenstein. Zudem sendet eine höhere Beteiligung von Frauen in Führungsgremien ein wichtiges Signal an die unteren Führungsebenen. Wir konzentrieren uns darauf, die Chancengleichheit aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Unternehmen zu fördern.

Welche Hindernisse für die Berufung von Frauen in Vorstandspositionen können Sie denn ausmachen? Und wie können gezielt Möglichkeiten zum Aufstieg von Frauen in die höheren Ebenen geschaffen werden?

SaS In unseren Gesprächen mit Dax-Unternehmen haben wir festgestellt, dass Unternehmen oft keine systematische Auswertung vornehmen, was Beförderungen konkret hemmt. Das ist ein wesentliches Hindernis. Als fortschrittlich haben wir hingegen eine Transparenz bei Beförderungskriterien wahrgenommen.

Des Weiteren beobachten wir, dass das deutsche zweistufige Führungssystem die Beförderung von Frauen in den Vorstand erschweren kann. Aufsichtsräten mangelt es häufig an einem Überblick über mögliche weibliche Kandidaten. Wir empfehlen Dax-Unternehmen, einen regulären Dialog zwischen dem Aufsichtsrat und Führungskräften im Unternehmen zu etablieren, um die Sichtbarkeit von Talenten zu verbessern. Unter den beobachteten Best Practices haben wir identifiziert, dass weibliche und männliche Talente gleichermaßen regelmäßig auf Vorstandsebene und/oder der oberen Führungsebene präsentieren.

Schließlich ist die geschlechtsspezifische Versorgungslücke (Gender Care Gap) in Deutschland nach wie vor ein Karrierehindernis. Einige Unternehmen wirken dem durch den Ausbau unterstützender Initiativen wie Jobsharing, flexible Arbeitszeiten und gezielte Förderung von z. B. Vaterschaftsurlaub entgegen.

Sie gehen mit Unternehmen, in die investiert wird, ins Gespräch zum Thema Frauen in Führungspositionen. Was heißt das konkret? Werden z. B. feste Ziel­vorgaben gesteckt?

AS Wir haben einen vergleichenden Ansatz entwickelt, mit dessen Hilfe das Vorgehen der Unternehmen analysiert und verglichen werden kann. Dies diente zur Vorbereitung von Gesprächen mit Unternehmen. Dabei geht es uns vor allem um den Austausch über Strategien und Best Practices. Im kommenden Jahr werden wir die Fortschritte zu den Verbesserungsvorschlägen bewerten und weiterverfolgen. Wir verfolgen einen kooperativen Ansatz mit Unternehmen, diskutieren aktuelle Herangehensweisen und schaffen Anreize für Peer Learning.

Und wie wählen Sie die Unternehmen aus, auf die Sie zugehen?

SaS In erster Linie treten wir mit ausgewählten Unternehmen im Dax und MDax in Dialog, in denen wir ein Investment-Interesse haben. Darüber hinaus priorisieren wir Unternehmen innerhalb des Dax– und MDax-Universums, bei denen der Vorstand oder die Ebene darunter einen geringen Anteil an Frauen aufweisen. Im ersten Jahr standen wir aber auch mit Vorreiter-Unternehmen im Austausch, um Best-Practice-Beispiele zu sammeln und von deren Unternehmenspraktiken potenziell zu lernen.

Inwiefern verändern sich Unternehmen, wenn sie Frauen in Führungspositionen mehr unterstützen und ihnen allgemein Wege ebnen?

AS Der 30% Club Deutschland ist der Ansicht, dass ein ausgewogenes Verhältnis von Frauen und Männern in leitenden Positionen die Führung und Governance von Unternehmen verbessert. Denn eine inklusive Kultur sowie das Einbringen unterschiedlicher Perspektiven trägt zu einer besseren Leistung von Vorständen bei und schafft dadurch letztlich Mehrwert für Unternehmen und ihre Aktionäre. Studien zeigen, dass Unternehmen, die Wert auf eine ausgewogenere Vorstandszusammensetzung legen, aus einem größeren Kandidatenpool wählen können und somit die Wahrscheinlichkeit erhöhen, die besten Talente für jede Position zu finden. Unternehmen, die an einer internen weiblichen Talent-Pipeline arbeiten, weisen häufig auch verbesserte Recruitment-Prozesse und ein breiteres Spektrum an Fähigkeiten und Perspektiven auf.

Treffen Sie denn in Ihrer Arbeit meistens auf offene Ohren und was sind die Konsequenzen für (Port­folio-)Unternehmen, wenn nicht?

SaS Die Unternehmen, mit denen wir gesprochen haben, haben die Initiative sehr begrüßt, und wir haben konstruktive Gespräche geführt. Es gab nur vereinzelte Unternehmen, die auf unsere Anfrage nicht reagiert haben – hier werden wir in diesem Jahr nachfassen. Über die Konsequenzen entscheiden die Asset-Manager, nicht zuletzt aus regulatorischen Gründen, selbst.

Direkt gefragt: Heißen Sie ab 2030 dann 50% Club und setzen sich für 50% Frauen in Vorstands­positionen bis 2050 ein?

AS Wie gesagt, 30% im Jahr 2030 sind erreichbar, wenngleich ambitioniert. Wir werden uns die Entwicklung genau ansehen und dann über Weiteres entscheiden.

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Ein Interview mit
Dr. Antje Stobbe
Sabrina Sanz

Mit Technologie wird die Kapitalanlage so individuell wie die Lunch Bowl

Was bei vielen Lebensaspekten selbstverständlich ist, danach wird nun auch in der Geldanlage immer mehr verlangt: Individualisierung. Dank moderner Technologien werden maßgeschneiderte Investmentlösungen für alle Realität.

Ein Artikel von Stefan Vollmer, Leiter Wholesale Deutschland bei der DWS

Individualisierte Investmentlösungen gehören im institutionellen Segment und bei Privatkunden mit sehr hohen Vermögen zum Standard. Mit zunehmender finanzieller Bildung und digitaler Affinität – auch bei Finanzfragen – über alle Kundensegmente hinweg wird die Personalisierung und Individualisierung der Kapitalanlage auch bei Privatkunden im Retail- und Affluent-Segment ein immer wichtigeres und von den Kunden erwartetes Thema. Und warum auch nicht? Wir personalisieren heute auch unsere Sneaker, die Lunch Bowl und die Urlaubsreise. Die Finanzanlage sollte dann doch bitte auch personalisiert daherkommen und sich unserem nicht mehr ausschließlich linear verlaufenden Leben anpassen. Bisher war das allerdings noch sehr teuer und hatte hohe Eintrittsbarrieren. Dank technologischer Entwicklungen lassen sich Finanzanlagen für jeden Kunden – unabhängig vom Volumen – jetzt aber so maßschneidern, wie es bisher nur im gehobenen Privatkunden- und institutionellen Geschäft möglich war. Die Kunden entscheiden, ob sie das Ganze selbst gestalten wollen wie im Web­store eines schwedischen Möbelhauses oder durch die Inanspruchnahme von Beratung durch den Finanzberater des Vertrauens, bei der Hausbank, dem unabhängigen Beraternetzwerk oder der Versicherung.

Von der Maßanfertigung zum Massenphänomen

Hinzu kommt, dass infolge eines höheren Anteils an Selbstentscheidern, der vor allem in den vergangenen Jahren gestiegenen Nachfrage nach passiven Investmentbausteinen sowie regulatorischer Unsicherheiten bezüglich der Nachhaltigkeit aktueller Vergütungsmodelle viele Vertriebskanäle vermehrt ihre Geschäftsmodelle hinterfragen und nach neuen Absatzmöglichkeiten für ihre Lösungen Ausschau halten. Auch Neobroker und Neobanken werden ihre Angebotspalette verbreitern und mehr an der einzelnen Kundenbeziehung verdienen müssen, denn exponentielles Kundenwachstum ist und bleibt endlich.

Bausteine für individuelle Investmentlösungen

Die Kombination aus notwendiger Adaption vieler Vertriebsgesellschaften und dem verstärkten Wunsch der Kunden nach Individualisierung schafft also einen entsprechenden Trend. Und um diesem Trend gerecht zu werden, benötigen lösungsorientierte Asset-Manager neben moderner API-Technologie – so wie sie heute jedes Smartphone in der Kommunikation mit installierten Apps nutzt – verschiedene Komponenten, die im Zusammenspiel eine individualisierte Investmentlösung für den jeweiligen Kunden generieren. Die Kunden können sich dabei aus einer definierten Palette an Investment-Bausteinen bedienen:

  • die strategische Asset-Allokation, die auf das individuelle Chance-Risiko-Profil sowie das gewünschte Anlageuniversum abgestimmt werden kann,
  • die taktische Asset-Allokation, basierend auf dem DWS CIO View, um von kurzfristigen Opportunitäten am Markt zu profitieren, und mit der Möglichkeit, Themen je nach Kundenpräferenz zu individualisieren,
  • eine große Auswahl an Selektionsbausteinen wie aktive Fonds, ETFs oder, um einen noch höheren Grad an Individualisierung zu ermöglichen, Aktien- und Anleihen-Einzeltitelmodule.
  • Zu guter Letzt kann je nach Bedarf und mit Blick auf die persönlichen Lebensumstände und -ziele ein individueller Anlagelebenszyklus genau passend zur persönlichen Anspar- und Entsparphase zum Einsatz kommen.
Technologie als Enabler und Erfolgsfaktor

Diese individualisierten Investmentlösungen werden künftig über ein digitales Frontend zur Verfügung gestellt werden, das entweder bei den Vertriebspartnern selbst entwickelt oder zusammen mit einem Drittpartner integriert wird. Dabei wird auch das jeweilige Vertriebsmodell berücksichtigt, sodass entweder die jeweiligen Berater die Individualisierung für ihre Kundinnen und Kunden vornehmen oder die Kunden die Bausteine in Eigenregie zusammenstellen – ebenso wie bei Sneakern, Lunch-Bowls oder Urlaubsreisen.

Um ihre Kunden bei dieser wesentlichen Entwicklung zu unterstützen, hat die DWS als „One-Stop-Shop“ ein breites Spektrum an Lösungen etabliert. Diese umfassen neben aktiven, passiven und alternativen Anlagestrategien vor allem auch die Fähigkeit, individuelle Lösungen zu strukturieren. Hervorzuheben sind hier zum Beispiel komplexere Investment-Lebenszyklusmodelle. Bereits anlässlich des Kapitalmarkttags 2022 hat die DWS angekündigt, einen starken Fokus auf die Modularisierung der Investmentprozesse zu legen, um diese breiten Investmentkompetenzen noch besser und effizienter nutzen zu können. Was bisher vornehmlich eingesetzt wird, um im Fondsmantel maßgeschneiderte Investmentlösungen zum Beispiel für institutionelle Kunden zu produzieren, wird in Zukunft durch digitale modulare DPM-Lösungen, mit oder ohne Lebenszykluskomponenten, einem deutlich breiteren Publikum im Affluent- und Retail-Segment zugänglich gemacht werden können.

Diese Fähigkeiten und technologischen Komponenten werden zunehmend über APIs mit den Beratungsstrecken unserer Vertriebspartner verknüpft. Durch die Skalierbarkeit der dabei entstehenden Lösungen sind diese auch für kleinere Volumina vollständig digital oder im hybriden Beratungsmodell einsetzbar und bauen auf einer offenen Architektur auf.

Erwartungen an die Zukunft

Die DWS geht davon aus, dass über die kommenden drei Jahre viele ihrer Vertriebspartner solche Lösungen umsetzen werden. Die dadurch gesammelten Erfahrungen werden weitere Entwicklungen ermöglichen und mittelfristig das Geschäftsmodell weiter unterstützen. Daher blickt das Unternehmen mit Interesse, Enthusiasmus und einer großen Portion Neugier auf diesen Trend. Dafür hat die DWS eigene Teams über alle Bereiche aufgestellt, die sich genau mit dieser Entwicklung beschäftigen. Deren Aufgabe ist, die entsprechenden Lösungen gemeinsam mit den Vertriebs- und Technologiepartnern zu entwickeln und umzusetzen sowie je nach Bedarf für die Kunden zu optimieren.

Lesen Sie auch: DWS steigert Konzerngewinn im Jahr 2024

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Ein Artikel von
Stefan Vollmer

BlackRock knackt 12-Billionen-Marke

Der größte Asset-Manager der Welt, BlackRock, hat zum Halbjahr 2025 ein Rekordvermögen von 12,53 Bio. US-Dollar zu verbuchen. Das entspricht rund 11,5 Bio. Euro und ist ein Anstieg von 18% zum Vorjahr. BlackRock überschreitet damit als erster Vermögensverwalter der Welt die 12-Billionen-Marke

Wie mehrere Medien berichten, teilte der Vermögensverwalter BlackRock am Dienstag in New York mit, verwaltet das Unternehmen mit dem Ende des zweiten Quartals 2025 12,53 Bio. US-Dollar (rund 11,5 Bio. Euro) – 18% mehr als im Vorjahr.

Die Nettozuflüsse im zweiten Quartal beliefen sich auf knapp 68 Mrd. US-Dollar, im Vorjahreszeitraum betrugen diese noch 81,6 Mrd. US-Dollar. Als Hauptgrund hierfür nannte BlackRock den teilweisen Rückzug eines institutionellen Kunden aus einem kostengünstigen Indexmandat in Höhe von 52 Mrd. US-Dollar.

Die meisten Zuflüsse bei ETFs

Das ETF-Geschäft trug mit fast 85 Mrd. US-Dollar erneut am stärksten zu den Zuflüssen bei, gefolgt von 22 Mrd. US-Dollar im Bereich Cash-Management. In den aktiven institutionellen Strategien flossen 6,7 Mrd. US-Dollar zu, während das Privatkundengeschäft knapp 2 Mrd. US-Dollar beisteuerte. Demgegenüber standen Indexabflüsse von insgesamt 47,8 Mrd. US-Dollar.

Regional verzeichnete BlackRock Zuflüsse von 69 Mrd. US-Dollar aus Amerika sowie 29 Mrd. US-Dollar aus Europa, dem Nahen Osten und Afrika. In der Asien-Pazifik-Region kam es zu Nettoabflüssen von 52 Mrd. US-Dollar.

Anstieg bei privaten Märkten

Im Bereich der privaten Märkte stiegen die verwalteten Vermögen leicht auf 215,2 Mrd. US-Dollar. Auch die Übernahme der Private-Markets-Gesellschaft HPS Investment Partners, die am 01.07.2025 abgeschlossen wurde, sorgte für einen weiteren Schub in diesem Segment. Mit dem Deal kamen zusätzliche Kundenvermögen in Höhe von 165 Mrd. US-Dollar hinzu. In der zweiten Jahreshälfte rechne man mit einem saisonal bedingten Anstieg der Geschäftsdynamik, so BlackRock.

Zukunftspotenzial sieht das Unternehmen insbesondere im Bereich Altersvorsorge mit privaten Marktanlagen. Für das kommende Jahr plant man die Einführung sogenannter Zielaltersfonds (Target-Date-Funds) mit privaten Vermögenswerten. Weitere Wachstumschancen sieht BlackRock auch in aktiven ETFs, digitalen Vermögenswerten, tokenisierten Immobilienanlagen sowie beim Ausbau der Geschäftstätigkeit in Indien und in der Zusammenarbeit mit Versicherungen. (mki)

 

Interesse an nachhaltigen Geldanlagen lässt weiter nach

Laut einer Umfrage des Vergleichsportals Verivox verlieren die Deutschen das Interesse an nachhaltigen Geldanlagen. Vor allem bei den älteren Generationen ist der Anteil rückläufig. Insgesamt ist das Interesse in den letzten drei Jahren um 15 Prozentpunkte gesunken.

Die Nachhaltigkeit hat es in der Gesellschaft immer schwerer. Das bestätigt jetzt auch eine repräsentative Umfrage des Vergleichsportals Verivox. Nach eigenen Angaben investiert nur noch jeder Sechste in nachhaltige Finanzprodukte, 64% haben daran immerhin generelles Interesse. Damit ist die Beliebtheit nachhaltiger Investments das zweite Jahr in Folge deutlich rückläufig, so Verivox.

Interesse um 15 Prozentpunkte gesunken

Der Abwärtstrend aus den Vorjahren hat sich weiter verschärft. Im letzten Jahr interessierten sich nach eigenen Angaben noch 69% für sogenannte ESG-Anlagen, also für Anlageprodukte, die ökologischen, sozialen und ethischen Mindeststandards genügen. 2022 waren es sogar 79% – jetzt sind es lediglich noch 64%.

Und nicht nur das generelle Interesse schwindet, sondern auch die Nutzung nachhaltiger Finanzprodukte ist Verivox zufolge rückläufig. Vor drei Jahren hatte noch fast jeder vierte Befragte (24%) nach eigenen Angaben Geld in nachhaltigen Anlageprodukten investiert. Vor einem Jahr waren es noch 21% und in der aktuellen Umfrage sind es nur noch 16% – also rund jeder Sechste.

Junge haben das meiste Interesse an Nachhaltigkeit

Am größten ist die Aufgeschlossenheit gegenüber nachhaltigen Finanzprodukten bei jungen Erwachsenen unter 30 Jahren. In dieser Gruppe bekunden 81% der Befragten in der Verivox-Studie ein generelles Interesse an ökologisch und ethisch einwandfreien Geldanlagen. Mit zunehmendem Alter wird dieser Anteil immer geringer. In der höchsten Altersgruppe der Über-70-Jährigen interessiert sich nur noch die Hälfte aller Befragten für ESG-Anlagen.

Ebenfalls auffällig: Wer in kinderlosen Haushalten lebt, hat etwa doppelt so häufig (40%) kein Interesse an nachhaltigen Geldanlagen wie Personen aus einer Familie mit Kindern (21%).

Viele würden Renditeabstriche in Kauf nehmen

Laut Verivox würde auch mehr als die Hälfte der Befragten (55%) mit Interesse an nachhaltigen Geldanlagen Abstriche bei der Rendite in Kauf nehmen, wenn ihr Geld dafür ausschließlich in Unternehmen und Projekte fließt, die wichtige Nachhaltigkeitsstandards einhalten. Für gut ein Drittel (34%) käme das hingegen nicht infrage.

Besonders wichtig: Faire Arbeitsbedingungen und Tierschutz

Nach den drei wichtigsten von insgesamt zwölf vorgegebenen Nachhaltigkeitskriterien befragt, nennen jeweils 37% der Umfrageteilnehmer den Verzicht auf ausbeuterische Arbeitsbedingungen und den Verzicht auf Tierversuche. Darüber hinaus verteilt sich die Prioritätensetzung der Menschen recht regelmäßig: Immerhin für mehr als jeden Vierten sind ein schonender Umgang mit den natürlichen Ressourcen des Planeten (29%) und Investitionen in erneuerbare Energien (27%) besonders wichtig. Gut jeder Fünfte möchte kontroverse Wirtschaftszweige wie die Glücksspielbranche (22%) oder die Rüstungsindustrie (20%) ausgeschlossen wissen.

Für jeweils 16% der Befragten haben der Ausschluss von Produzenten gentechnisch veränderter Lebensmittel und Abfallvermeidung Priorität. Der Verzicht auf fossile Energieträger wie Kohle, Öl und Gas ist für 15% besonders wichtig – ebenso viele wollen ausschließlich in Unternehmen investieren, die besonders CO2-sparsam oder sogar CO2-neutral wirtschaften. Investitionen in Atomkraft sind für 14% und Anlagen in der Alkohol- oder Tabak-Branche für 13% ein Tabu. (mki)

Über die Studie

Im Auftrag von Verivox hat das Meinungsforschungsinstitut Innofact im Mai 2025 insgesamt 1.012 Personen im Alter von 18 bis 79 Jahren befragt. Die Befragten entstammen einem ISO-zertifizierten Online-Panel mit rund 500.000 Teilnehmenden. Die Umfrage ist bevölkerungsrepräsentativ in Bezug auf Alter, Geschlecht und Bundeslandzugehörigkeit.

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ELTIF im Beratungsgespräch: Chancen nutzen, Hürden einordnen

Private Equity ist unter Investment-Geschulten eine häufig diskutierte Anlageklasse. Doch im Privatkundenbereich ist die Beratung dazu nicht die einfachste, auch weil es leichter verständliche und zugänglichere Asset-Klassen gibt. Mit der ELTIF-2.0-Regulierung tun sich jedoch auch für Berater Türen auf.

Ein Artikel von Nico Auel, Vorstand bei Munich Private Equity

Private Equity ist seit jeher ein wichtiger Baustein in Portfolios institutioneller Investoren. Was viele nicht wissen: Für Privatanleger gab es über spezialisierte Anbieter schon seit Jahren einen Zugang. Allerdings ist das Thema erst durch ELTIF 2.0 auch in der breiten Masse angekommen. Die Neuregulierung des European Long-Term Investment Fund (ELTIF) bringt neue Anbieter und Produkte auf den Markt. Das öffnet nicht nur neue Anlagechancen, sondern bringt auch Bewegung in die Beratungslandschaft.

Denn mit wachsender Produktauswahl steigt zugleich der Anspruch an Beraterinnen und Berater: Welche Private-Equity-Strategie steckt hinter dem ELTIF? Welche Struktur passt zum jeweiligen Kundenprofil? Und wie lassen sich Laufzeit, Illiquidität und Rückgabeoptionen realistisch und verständlich erklären?

Was wirklich im Fonds steckt – und warum das entscheidend ist

Private Equity ist eine Anlageform mit langfristigem Charakter, aber eben keine homogene. Hinter dem Begriff verbergen sich unterschiedliche Strategien, Märkte und Risikoprofile. Für die Beratung bedeutet das: Wer Private Equity empfehlen möchte, sollte genau schauen, welche Strategie zum Risiko-Rendite-Profil und zum Investmentziel des Kunden passt.

Für ein stabiles Basisinvestment etwa können sich Investitionen in den Mittelstand anbieten – genauer: den Lower Mid-Market (LMM). Dabei handelt es sich um etablierte, profitable Unternehmen, die nicht an der Börse notiert sind, aber noch erhebliche Entwicklungspotenziale besitzen. Anders als bei Start-ups steht das Geschäftsmodell hier auf solider Grundlage. Gleichzeitig bestehen zahlreiche Möglichkeiten zur Wertsteigerung – etwa durch Internationalisierung, Digitalisierung oder Nachfolgekonzepte.

Für Privatanleger bietet dieses Segment eine attraktive Balance: weniger Risiko als im Venture-Bereich, aber mehr Wachstumspotenzial als bei großen, bereits internationalen Konzernen. Private-Equity-Fonds, die in diesem Marktsegment aktiv sind, agieren in der Regel sehr operativ, mit starker Einbindung in die Unternehmensführung. Damit ist der Wertzuwachs nicht nur eine Frage von Marktbewegungen, sondern auch von gezieltem Management – ein Vorteil, der sich langfristig in der Performance niederschlagen kann. In der Praxis bedeutet das: Der LMM ist kein Nischenmarkt, sondern ein wirtschaftlich tragfähiges Segment mit hoher Relevanz, gerade für Anleger, die Stabilität mit Entwicklungschancen verbinden möchten.

Für Berater ist wichtig, zu prüfen, ob ein ELTIF eine Strategie verfolgt, die zum jeweiligen Kunden passt. Je nach Sicherheitsbedürfnis spielt daher auch die Streuung eine wichtige Rolle. Wer nach einem Satelliten-Investment sucht, setzt vielleicht gezielt auf wenige Beteiligungen aus einer Branche. Das kann zu einer hohen Rendite führen, erhöht allerdings auch das Verlustrisiko. Ein stabilisierender Baustein hingegen streut mehrdimensional über eine Vielzahl von Investitionsobjekten über verschiedene Branchen, Länder, Investitionszeitpunkte und Manager hinweg.

Illiquidität als Merkmal, nicht als Mangel

Eine der häufigsten Hürden in der Beratung ist die lange Kapitalbindung. Private Equity ist keine täglich handelbare Anlageform. Das investierte Kapital ist über Jahre gebunden – Rückgaben während der Laufzeit sind in geschlossenen Fondsstrukturen ausgeschlossen. Für viele Berater stellt dies eine kommunikative Herausforderung dar.

Doch gerade hier liegt auch eine Stärke. Denn die Illiquidität ist kein Nachteil, sondern Ausdruck des unternehmerischen Charakters von Private Equity. Nur wer langfristig Kapital zur Verfügung hat, kann Unternehmen entwickeln – ohne Exit-Druck oder Marktzwang. Genau das schafft den Raum für gezielte Wertsteigerung und antizyklische Investitionen.

Wir empfehlen, dies im Beratungsgespräch offen anzusprechen – nicht als Einschränkung, sondern als bewusste Entscheidung für eine andere Logik. Weg vom Tageskurs hin zur langfristigen Beteiligung. Anleger, die dies verstehen, werden nicht nur geduldiger und vor Panikverkäufen geschützt, sie erreichen am Ende dadurch auch die Marktrenditen der Anlageklasse. Bei offenen Aktienfonds ist das nur wenigen sehr geduldigen und disziplinierten Privatanlegern vorbehalten.

ELTIF: Regulierter Zugang mit neuen Möglichkeiten

Mit dem ELTIF wurde ein regulatorischer Rahmen auf europäischer Basis geschaffen, der Private Equity für Privatanleger EU-weit zugänglich macht. Die neue Version, oft als „ELTIF 2.0“ bezeichnet, erlaubt es Anbietern, unterschiedlichste Anlagestrategien in einem neu regulierten Rahmen zu bündeln – von Private Equity über Infrastruktur bis hin zu Private Debt.

Für Berater ist der ELTIF interessant, weil er viele Anforderungen erfüllt: Er ist als reguliertes Produkt mit EU-weitem Vertriebsrecht ausgestattet, hat klar definierte Vorgaben zur Diversifikation und wird von professionellen Kapitalverwaltungsgesellschaften gemanagt. Zudem ermöglichen viele ELTIFs einen Einstieg bereits ab 5.000 Euro, was die Schwelle zur Beteiligung deutlich senkt.

Neu hinzugekommen sind sogenannte semiliquide Varianten, die unter bestimmten Voraussetzungen Rückgabemöglichkeiten innerhalb der Laufzeit vorsehen. Doch hier ist Vorsicht geboten: Die Rückgabe ist nicht garantiert, sondern hängt von verfügbaren Rückflüssen und der Liquidität des Fonds ab. Für Berater heißt das: genaue Prüfung der Struktur – und eine klare, ehrliche Kommunikation gegenüber dem Kunden.

Fazit: Ein strategischer Baustein für langfristige Kundenbeziehungen

Private Equity über einen ELTIF ist kein Produkt für den kurzfristigen Renditefokus. Es ist ein strategisches Investment – und genau darin liegt seine Stärke. Für Beraterinnen und Berater bietet es die Möglichkeit, Kunden auf einem neuen Niveau zu begleiten: mit einer Beteiligungsklasse, die langfristiges Denken belohnt, echte unternehmerische Substanz bietet und zugleich zu einer engeren Kundenbindung beiträgt.

Wer die Produkte versteht, die Zielgruppen sauber einordnet und transparent kommuniziert, wird mit Vertrauen belohnt – und mit einem Platz im wachsenden Markt der Private Markets. Denn eines ist klar: Die Nachfrage nach stabilen, langfristigen Anlageformen jenseits des Börsenparketts wird nicht weniger – im Gegenteil. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um sich als kompetenter Ansprechpartner dafür zu positionieren.

Lesen Sie auch: Munich Private Equity legt ersten deutschen ELTIF auf

Diesen Beitrag lesen Sie auch in AssCompact 07/2025 und in unserem ePaper.

 
Ein Artikel von
Nico Auel

Trumps Handelszölle auf EU-Waren: Was bedeuten sie für die Märkte?

Für den 01.08.2025 sind Handelszölle für EU-Waren in den Vereinigten Staaten angekündigt – dank Präsident Donald Trump. Wie könnte sich das auf die Kapitalmärkte und auf die Wirtschaft auswirken? Das sagen Experten.

Die 90-Tage-Frist, die US-Präsident Donald Trump nach seiner ursprünglichen Ankündigung Anfang April ausgesprochen hatte, ist vergangene Woche ausgelaufen. Jetzt schlägt es erneut 13 und der Mann im Weißen Haus hat neue Zölle für Waren aus der Europäischen Union (EU) angekündigt. 30% sollen diese betragen, Stichtag: 01.08.2025.

Generell hat man in den letzten Monaten die Erfahrung gemacht, dass derartige Ankündigungen vor allem kurzfristig ihre Wirkung am Kapitalmarkt hinterlassen. Längerfristig betrachtet aber erholte sich die Börse dann. Wie wird es diesmal laufen? Einmal ganz abgesehen davon, dass Trump morgen schließlich schon wieder ganz andere Vorstellungen für seine Außenpolitik haben könnte – soll ja gelegentlich vorkommen. Und auch wie die Europäische Union reagieren wird, steht noch aus.

Wie steht es um die Börse?

Schaut man sich die europäischen und die deutschen Börsen an, so ist am Montagnachmittag durchaus ein Absinken zu verzeichnen. Der Dax bspw. steht bei knapp über 24.000 Punkten, hat diese Grenze jedoch im Laufe des Tages schon unterschritten – insgesamt ein Minus von knapp 1% zum Freitag und noch etwas mehr Verlust, wenn man sich die Bestmarke von 24.639 Punkten vom Donnerstag vor Augen führt.

Etwas abgeschwächter sind die Rückgänge beim EURO STOXX 50 und beim STOXX Europe 600. Letzterer hat im Vergleich zum Freitag lediglich ein Minus von rund 0,4% einstecken müssen, der EURO STOXX 50 von etwa 0,7% (Stand: 15:33 Uhr am Montag).

Investmentexperten sehen Bedrohung für Wirtschaft

Matthias Hoppe von Franklin Templeton Investment Solutions sieht die Drohung der 30%-Zölle als eine harte Probe für die Widerstandsfähigkeit des Aktienmarkts. Trump hatte die Frist zunächst vom 09.07. auf den 01.08.2025 verschoben, wodurch es zu einer Erholung kam, in der Hoffnung auf ein Zollabkommen. Doch ein tatsächlicher Anstieg der Zölle auf 30% würde das Risiko eines Abschwungs beim Wirtschaftswachstum deutlich erhöhen, so Hoppe. Sollten die Verhandlungen keine besseren Bedingungen für die EU bringen, wären Vergeltungsmaßnahmen seitens der EU wahrscheinlich. Und ein umfassender Handelskrieg könnte die Finanzmärkte an die Entwicklungen unmittelbar nach dem „Liberation Day“ erinnern.

Dass Zölle dauerhaft auf diesem Niveau verharren, halte Hoppe jedoch für unwahrscheinlich. Die Toleranz der US-Regierung gegenüber Stress an den Aktien- und Anleihemärkten – und damit gegenüber wirtschaftlichem Schmerz in den USA – scheine begrenzt zu sein, zumindest gemessen an den jüngsten politischen Kehrtwendungen. Zudem signalisiere die EU mit der Verlängerung der Aussetzung eigener Gegenmaßnahmen ihre Verhandlungsbereitschaft und setze damit eher auf Deeskalation als auf Konfrontation.

„Ungemach“ an den Börsen?

Auch tagesschau.de hat einen Blick auf Expertenmeinung zu den Handelszöllen für EU-Waren geworfen und kam zu dem Fazit: „Knickt Trump nicht ein, droht den Börsen Ungemach.“ ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski kommentiert, dass der Brief von Donald Trump an die EU kein Liebes-, aber auch kein Hassbrief sei, sondern ein Brief, der den Druck in den laufenden Verhandlungen erhöhen soll. Und auch Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege bei RoboMarkets ist überzeugt: „Die 30% werden sicherlich nicht das Ende der Diskussion sein.“ Kurzfristig solle man als Anleger keine falschen Entscheidungen treffen.

Die deutsche Wirtschaft sehen die Experten allerdings bei derartigen US-Zöllen durchaus in Gefahr. Laut Commerzbank-Ökonom Vincent Stamer könnten die Zölle das deutsche BIP innerhalb von zwei Jahren um 0,7% reduzieren und ein Teil des durch die höheren staatlichen Investitionen erhofften Aufschwungs würde verpuffen. (mki)

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Privatanleger gehen stärker auf aktive ETFs

Laut einer Untersuchung des Anlegerportals extraETF im Auftrag von J.P. Morgan AM interessieren sich immer mehr Privatanleger für aktive ETFs. Innerhalb nur eines Jahres hat sich demnach das in Deutschland in aktive ETFs investierte Volumen verdoppelt.

Aktive ETFs scheinen immer mehr im Kommen zu sein. J.P. Morgan AM ist einer der auf dem Gebiet aktivsten Produktanbieter und hat nun beim Anlegerportal extraETF eine Studie unter Privatanlegern in Auftrag gegeben, um zu untersuchen, wie sich bei diesen die Nachfrage an aktiven ETFs entwickelt hat.

Die Befragung unter 1.000 Personen auf extraETF.com zeigt: Die Bedeutung aktiver ETFs im strategischen Vermögensaufbau nimmt zu.

Interesse an aktiven ETFs steigt

Die große Mehrheit, nämlich 91,3%, der von extraETF befragten Personen kennen aktive ETFs als Anlageprodukt. Hiervon sind 40,5% bereits investiert. 34,3% sind noch nicht investiert, denken allerdings über ein Investment nach. Lediglich 25,1% der befragten Privatanleger sind an aktiven ETFs nicht interessiert.

Volumen aktiver ETFs verdoppelt

Die zunehmende Bedeutung dieser Produkte lässt sich in Deutschland ach an den investierten Volumina ablesen. Mittlerweile sind etwa 44 Mrd. Euro in aktiven ETFs angelegt. Dies bedeutet eine Verdopplung innerhalb nur eines Jahres.

Parallel zur dynamisch ansteigenden Nachfrage reagieren die Fondsgesellschaften und Finanzdienstleister mit einer hohen Emissionstätigkeit. Kamen im Jahr 0223 noch 34 neue aktive ETFs an den Markt, waren es im Jahr 2024 mit 85 Produkten mehr als doppelt so viele. Zur Jahreshälfte 2025 zählt extraETF Research bereits 74 neue Produkte. Somit ist mit dem Erreichen einer neuen Rekordmarke bei den Neuemissionen noch im laufenden Jahr zu rechnen.

Aktive ETFs als Beimischung

Anleger, die sich für aktive ETFs im Vermögensaufbau entscheiden, haben klare Anforderungen an die Produkte. Mehr als drei Viertel der Nutzer setzen aktive ETFs als Beimischung im Depot ein. 55,3% schätzen vor allem das aktive Management zu vergleichsweise günstigen Konditionen. 45,2% der befragten Personen wollen die Chance ergreifen, mit aktiven ETFs den breiten Markt zu schlagen. 41,2% verfolgen eine bestimmte Strategie (Mehrfachnennungen waren möglich).

Weiterhin nutzen knapp zwei Drittel der befragten Anleger aktive ETFs, um regelmäßige Ausschüttungen zu generieren (Income). 45,2% interessieren sich für Aktieninvestments und etwas mehr als ein Drittel möchte in bestimmte Ländermärkte investieren.

Investment-Hürde: Gebühren und fehlendes Wissen

Obwohl das Interesse steigt und aktive ETFs bereits mehr als 20 Jahren verfügbar sind, herrscht in der Community teilweise noch Skepsis, teilen extraETF und J.P. Morgan AM mit. Befragt nach den Einstiegshürden gaben 35,9% der befragten Nicht-Anleger in aktive ETFs an, dass ihnen aktive ETFs (noch) zu teuer seien. Einem Viertel von ihnen fehlt nach eigener Aussage das notwendige Produktwissen und wiederum knapp einem Viertel ist die Produktgattung noch zu jung. (mki)

 

Der „Anti-Trend USA“: Wie ernst zu nehmen ist er?

Die USA werden vermehrt als Anlageregion infrage gestellt. Wie beeinflusst dies breit gestreute ETFs auf den MSCI World und Co.? Markus Schmidt-Ott ist Chefredakteur bei Finanzfluss, einem der anerkanntesten deutschen YouTube-Kanäle für Finanzthemen, und erläutert, wie die Situation einzuschätzen ist.

Ein Interview mit Markus Schmidt-Ott, Chefredakteur bei Finanzfluss
Markus, die Märkte sind aktuell, vor allem von US-Seite, sehr volatil. Betrachtet ihr die Lage dennoch „entspannt“?

Ja, wir sehen die aktuelle Lage am Markt grundsätzlich entspannt. An den Börsen wird es immer wieder turbulente Phasen geben, das ist vollkommen normal und gehört zum Investieren dazu. Wer langfristig investiert, muss damit rechnen und sollte sich nicht von kurzfristigen Schwankungen oder negativen Nachrichten verunsichern lassen, sondern im Zweifel einfach mal herauszoomen und die langfristige Perspektive in den Blick nehmen.

Außerdem sind doch Krisen gerade für Anleger, die am Anfang ihrer Ansparphase stehen und regelmäßig per Sparplan investieren, eine Chance. Die niedrigeren Einstiegskurse können langfristig zu höheren Renditen und im Ruhestand zu einem größeren Vermögen führen.

Ihr glaubt selbst stark ans prognosefreie Investieren mit ETFs. Ist das jetzt noch, angesichts der hohen USA-Gewichtung in bspw. dem MSCI World, zeitgemäß?

Absolut. Man kann auf sehr unterschiedliche Arten prognosefrei investieren. Wer sein weltweit gestreutes Portfolio nach Marktkapitalisierung gewichtet, muss einen hohen US-Anteil in Kauf nehmen. Es gibt gute Argumente dafür und auch gute dagegen, diese Gewichtung einfach so hinzunehmen: Auf der einen Seite haben US-Aktien, insbesondere Technologieaktien, in den letzten Jahren phänomenale Renditen gebracht, und die größten US-Unternehmen sind ohnehin global tätig und nicht ausschließlich von der US-Wirtschaft abhängig. Auf der anderen Seite ist dieses überproportionale Wachstum in Zukunft nicht garantiert und man hat einen großen Klumpen sowohl auf Länderebene als auch bei den Top-Unternehmen im Portfolio.

Wem das nicht gefällt, der kann sein Portfolio anders gewichten. Es gibt unzählige alternative Methoden und Portfolio-Ideen, die das US-Gewicht reduzieren, beispielsweise durch die Ergänzung einer BIP-gewichteten Komponente oder durch die Beimischung von Schwellenländern oder zusätzlichen Europa-ETFs.

Aber die Grundidee, passiv, breit gestreut und langfristig zu investieren, bleibt unserer Ansicht nach weiter die sinnvollste und zeitgemäße Strategie, egal, wie man im Detail gewichtet.

6 oder 7% p. a. gelten als durchschnittliche Rendite beim Investment in solche World-ETFs. Müsste man das nach unten korrigieren?

Das kann man meiner Meinung nach nicht seriös prognostizieren. Einerseits könnte man argumentieren, dass wir in der Vergangenheit, insbesondere in den letzten zehn Jahren, von besonders guten Renditen, vor allem in den USA, verwöhnt wurden und man lieber nicht von der Vergangenheit auf die Zukunft schließen sollte. Andererseits wurden zukünftige Renditen schon so oft totgesagt, der Markt für überbewertet erklärt, und dann gingen die Bewertungen doch noch höher. Ich rechne lieber ein wenig pessimistischer, freue mich aber, wenn ich damit falsch liege.

Wegen der geopolitischen Schwankungen sprechen manche auch von einer „Deglobalisierung“. Könnte diese die Grundannahme hinter breit gestreuten ETFs (dass die Gesamtwirtschaft wächst) infrage stellen?

Auch in einem weniger stark globalisierten Szenario gibt es weiterhin wirtschaftliche Aktivität, Innovation und Wachstum, auch wenn es vielleicht regional anders verteilt ist. Wer breit gestreut investiert, kann trotzdem an dieser Wertschöpfung partizipieren, unabhängig davon, wo genau sie stattfindet oder wie stark sie global vernetzt ist. Sollten sich Regionen unterschiedlich entwickeln, passt sich die Gewichtung in einem nach Marktkapitalisierung gewichteten Index ohnehin automatisch an.

Beim passiven Investieren ist die Grundannahme, dass es über lange Sicht wirtschaftliches Wachstum gibt. Das wird es auch in Zukunft meiner Meinung nach geben.

Viele Anleger, auch ETF-Anleger, legen ihren Schwerpunkt aktuell eher auf Europa – weg von den Staaten. Haltet ihr das „aus gegebenem Anlass“ für sinnvoll?

Wir raten generell davon ab, seine Anlagestrategie aufgrund aktueller Nachrichten oder kurzfristiger Entwicklungen zu ändern. Wenn ein Anleger grundsätzlich eine andere regionale Gewichtung wünscht, beispielsweise weil er die USA für übergewichtet hält und Europa mehr in den Fokus nehmen möchte, dann kann eine Anpassung sinnvoll sein. Aber das sollte langfristig angelegt sein, nicht als Reaktion auf die aktuelle Marktlage.

Ihr habt in der Vergangenheit ETF-Portfolio-Varianten vorgestellt, mit denen man sein Risiko mehr streuen kann. Haltet ihr derartige Überlegungen jetzt für sinnvoller als nur „(All-)World-ETF und gut ist“?

Zunächst bin ich der Meinung, dass das Risiko optimal ist, wenn das Portfolio maximal breit diversifiziert ist. Ob es jetzt aber besser ist, eine bestimmte Region eher stärker oder eher schwächer zu gewichten, darüber kann man sich streiten. Die Überlegungen hinter den alternativen Portfolio-Varianten, z.B. Gerd Kommers Ansatz der Mischgewichtung aus Marktkapitalisierung und BIP oder ein 70/30-Portfolio mit einem 30%-igen Schwellenländeranteil, sind legitime Ansätze. Es sind aber keine Reaktionen auf die aktuelle Marktlage, sondern alternative langfristige Strategien zur Diversifikation.

Ich halte einen nach Marktkapitalisierung gewichteten World-ETF mit einem starken US-Gewicht weiterhin für einen guten und sinnvollen Ansatz. Genauso kann es aber auch sinnvoll sein, eine Gewichtung zu wählen, die Europa oder Schwellenländer stärker berücksichtigt, wenn das den eigenen Überzeugungen und Zielen entspricht. Wer am Ende mit welcher Gewichtung richtig lag, wissen wir leider erst hinterher.

Ihr habt auch viele jüngere Zuschauer bei Finanzfluss. Bekommt ihr bei diesen eine gewisse Nervosität ob der Marktlage mit?

Mein Eindruck ist, dass ein großer Teil unserer Community gut informiert ist und weiß, dass Schwankungen und auch mal ein Crash dazugehören. Die Fragen, die uns während Markteinbrüchen erreichen, gehen teilweise sogar in die Richtung, ob es sinnvoll ist, jetzt noch einmal mehr zu investieren und von den günstigen Kursen zu profitieren. Manche möchten dafür sogar ihren Notgroschen anzapfen. Also: Ich glaube, viele unserer Zuschauer sind nicht nur verunsichert, sondern es gibt auch einen Teil, der ziemlich mutig ist und die Chancen sieht.

Aber natürlich sind auch vor allem Menschen, die gerade erst mit dem Investieren angefangen haben, verunsichert.

Wie reagiert ihr darauf?

Wir versuchen, darauf zu reagieren, indem wir die Situation einordnen und betonen, dass Investieren etwas Langfristiges ist. Wir erklären immer wieder, dass Schwankungen normal sind, dass Krisen zum Investieren dazugehören und langfristig gute Einstiegschancen bieten. Wir raten dazu, nicht in Panik zu verfallen, nicht blindlings die Strategie zu ändern und sich nicht von negativen Nachrichten zu sehr beeinflussen zu lassen. Aber wir erklären auch, dass eine Krise ein guter Test für die eigene Risikotragfähigkeit ist. Wer in einem Börsencrash nicht mehr ruhig schlafen kann, sollte seine Aktienquote lieber etwas reduzieren und risikoärmer investieren, um mehr Seelenfrieden zu haben. Es geht darum, eine Balance zu finden, die zur eigenen Person passt.

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Diesen Beitrag lesen Sie auch in AssCompact 07/2025 und in unserem ePaper.

 
Ein Interview mit
Markus Schmidt-Ott

Deutscher Markt für Venture Capital nimmt Fahrt auf

Deutsche Start-ups sammeln in letzter Zeit zunehmend mehr Geld ein. Die Investitionen sind laut einer KfW-Auswertung das dritte Halbjahr in Folge gestiegen. Vor allem im ersten Halbjahr 2025 sei dies erfreulich, da die Rahmenbedingungen eher herausfordernd gewesen seien.

Nach einem ruhigen ersten Quartal hat der deutsche Markt für Wagniskapital bzw. Venture Capital (VC) im zweiten Quartal wieder Fahrt aufgenommen. Das meldet die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in ihrem KfW-Venture-Capital-Dashboards, in dem KfW Research quartalsweise Zahlen zum deutschen VC-Markt veröffentlicht. Demnach sammelten deutsche Start-ups im zweiten Quartal 2025 2,4 Mrd. Euro frisches Kapital ein – das waren 45% mehr als im Vorquartal. Im ersten Halbjahr lag das Transaktionsvolumen damit bei insgesamt knapp 4 Mrd. Euro. Die Investitionen in deutsche Start-ups stiegen das dritte Halbjahr in Folge.

Mehr Kapital in deutsche Start-ups

„Diese Entwicklung erscheint besonders erfreulich, weil die Rahmenbedingungen im ersten Halbjahr 2025 eher herausfordernd waren. Insbesondere die Verwerfungen an den Kapitalmärkten im Zuge der US-Zollpolitik belasteten das Investitionsumfeld“, kommentiert KfW-Chefvolkswirt Dr. Dirk Schumacher die Auswertung. Insgesamt gab es im zweiten Quartal 208 Finanzierungsrunden von Start-ups in Deutschland, davon 98 mit einem Volumen von 1 Mio. Euro und mehr. Auf sechs Monate gesehen waren es 735 Finanzierungsrunden, davon 198 über der Millionengrenze.

Rekord bei den „Einhörnern“

Anfang Mai rückten zwei deutsche Unternehmen in die „Liga der Einhörner“ auf. Unter Einhörnern versteht man Start-ups mit einer Bewertung durch Investoren von mindestens 1 Mrd. US-Dollar. Ende des zweiten Quartals gab es hierzulande insgesamt 32 Einhörner. Das ist laut KfW ein Rekord.

Prägend für die Marktentwicklung im zweiten Quartal waren einzelne große Finanzierungsrunden im sogenannten Scale-up-Segment. Dazu zählen Unternehmen, die bereits ein funktionierendes Geschäftsmodell entwickelt haben und nun expandieren wollen. Scale-up-Finanzierungen machten 57% der in Deutschland investierten Mittel aus, es gab einzelne Megadeals von 100 Mio. Euro und mehr. Da bei großen Transaktionen im Scale-up-Bereich häufig Investoren aus den USA mit vertreten sind, war auch ihr Anteil an den Investitionen in deutsche Start-ups mit über 30% wieder deutlich höher als noch im Vorquartal.

Investoren aus dem Ausland

Bislang könne man keine Auswirkungen der Wirtschafts- und Handelspolitik von US-Präsident Trump auf die Auslandsinvestitionen von US-Wagniskapitalgebern in Deutschland feststellen, so Schumacher. 

In den vergangenen Jahren hatten Investoren aus dem Ausland und dabei vor allem aus den USA starkes Interesse an deutsche Start-ups, wie eine weitere aktuelle Studie von KfW Research zu Trends in der grenzüberschreitenden Venture-Capital-Finanzierung in Deutschland und Europa zeigt. Zwischen 2020 und 2024 investierten ausländische Wagniskapitalgeber etwa 37 Mrd. Euro in junge deutsche Unternehmen. Zugleich verteilten deutsche Investoren etwa 21 Mrd. Euro an Start-ups im Ausland.

Die hohen Kapitalzuflüsse in den deutschen VC-Markt seien allerdings ein zweischneidiges Schwert. Denn damit einher gehe eine im europäischen Vergleich hohe Abhängigkeit von Kapital aus dem Ausland. Dies könne insbesondere in Krisenzeiten zu einer höheren Volatilität mit Blick auf das Finanzierungsangebot für Start-ups führen. Zudem könne die Abwanderung von Start-ups, Talenten und Know-how eine Begleiterscheinung sein. Andererseits eröffne die Beteiligung ausländischer Investoren neben Kapitalangebot auch wichtige Zugänge zu Netzwerken und Fachwissen. (mki)