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BlackRock: Gewinn und verwaltetes Vermögen brechen ein

Der weltgrößte Vermögensverwalter hat Quartalszahlen vorgelegt. Mitten im Bärenmarkt geht es für BlackRock bei vielen Kennzahlen nach unten. Ausnahme: Die Nettomittelzuflüsse steigen. Zu verdanken ist das hauptsächlich der hohen Nachfrage nach passiven Investmentprodukten.

Der größte Vermögensverwalter der Welt, BlackRock, leidet unter dem aktuell vorherrschenden Bärenmarkt an den weltweiten Börsen. Das geht aus den Quartalszahlen des Asset-Managers hervor, die am 15.07.2022 vorgelegt wurden. Demnach sinkt nicht nur der Unternehmensgewinn, auch die Assets under Management lassen deutlich Federn.

AuM sinken deutlich

Im dritten Quartal 2021 hatte BlackRock noch bekanntgegeben, erstmals die Marke von 10 Bio. US-Dollar an Assets under Management (AuM) geknackt zu haben. Von ihr hat sich der Vermögensverwalter nun wieder deutlich entfernt. Das verwaltete Gesamtvermögen bezifferte sich demnach Ende Juni 2022 nur noch auf knapp 8,5 Bio. US-Dollar. Im Vergleich zum Vorjahresquartal ein Minus von 11%.

Bärenmarkt belastet Vermögensverwalter

Und auch der Nettogewinn des Unternehmens leidet unter dem schlechten Klima an den Märkten. Im Vorjahresquartal betrug er noch 1,6 Mrd. US-Dollar. In diesem Jahr ist mit nur noch 1,1 Mrd. US-Dollar ein Minus von 30% zu verbuchen.

Schlechtester Start seit 50 Jahren

Dass das aktuelle Marktumfeld herausfordernd für den Vermögensverwalter ist, macht CEO Larry Fink im Bericht auch selbst deutlich. Er spricht in diesem Zusammenhang von Umständen für Kapitalanleger, wie sie seit Jahrzehnten nicht bestanden hätten. Beim ersten Halbjahr 2022 habe es sich um den schlechtesten Jahresstart an den Aktien- und Rentenmärkten seit einem halben Jahrhundert gehandelt, so Fink.

Passive Produkte beliebt bei Privatanlegern ...

Doch Teile des Berichts lassen sich auch positiv lesen. So nahmen beispielsweise die Nettomittelzuflüsse gegenüber dem Vorjahr deutlich zu. Knapp 90 Mrd. US-Dollar flossen den BlackRock-Fonds und ETFs netto zu. Im Vorjahresquartal waren es nur knapp 81 Mrd. US-Dollar. Der überwiegende Teil dieser Zuflüsse entstammt dem ETF-Geschäft des Vermögensverwalters. 52 Mrd. US-Dollar an Nettozuflüssen entfielen allein auf das Geschäft mit ETFs. Das Endkundengeschäft mit aktiv gemanagten Fonds hingegen verbuchte netto lediglich Zuflüsse von rund 10 Mrd. US-Dollar.

... ebenso wie bei Institutionellen

Auch beim Geschäft mit institutionellen Anlegern spielen passive Produkte die Hauptrolle für BlackRock. Von den 26 Mrd. US-Dollar an Zuflüssen aus diesem Bereich wanderten 21 Mrd. US-Dollar in Indexfonds des Vermögensverwalters. Lediglich knapp jeder fünfte Dollar von institutionellen Investoren floss derweil in aktiv gemanagte Produkte. (tku)

Bild: © lim_pix – stock.adobe.com

 

Aktive Fondsmanager werden nicht fürs Kuscheln bezahlt

Erfolgreiches aktives Management und „Index-Hugging“ schließen sich gegenseitig aus, meint Florian Koch. Der Experte für den Vergleich von passiven und aktiven Anlagestrategien erläutert im Interview, wieso Fondsmanager etwas riskieren müssen, um ihre Vergütung zu rechtfertigen.

<h5>Interview mit Florian Koch, Senior Investment Analyst bei Scope Analysis</h5><h5>Herr Koch, 2021 haben nur knapp 30% der aktiv gemanagten Fonds ihren Vergleichsindex geschlagen. Das ist einer Studie aus Ihrem Haus zu entnehmen. Können Vermittler ihren Kunden überhaupt noch guten Gewissens aktive Fonds nahelegen?</h5><p>Lassen Sie mich erst kurz darauf hinweisen, dass wir die aktiven Strategien nicht gegen ihre jeweilige Benchmark antreten lassen, sondern, wie Sie richtig sagten, gegen einen Vergleichsindex. Ein bedeutender Unterschied. Wir bei Scope nehmen uns für die Studie die Freiheit zu entscheiden, welcher Vergleichsindex für welche Fonds-Peergroups der passende ist. </p><p>Nun aber zu Ihrer Frage: Zwar schaffte es 2021 nur ein Drittel der Fondsmanager, den Markt zu schlagen, aber das ist nur die halbe Wahrheit. Der Erfolg aktiver Anlagestrategien ist stark vom jeweiligen Markt abhängig, in dem die Fonds tätig sind. Es gibt Kategorien, in denen aktive Ansätze Sinn ergeben, und andere, in denen es kaum ein Fondsmanager schafft, den Vergleichsindex zu schlagen. </p><h5>Sind die Benchmarks, die sich das Fondsmanagement wählt, größtenteils deckungsgleich mit Ihrem Vergleichsindex oder gibt es Abweichungen?</h5><p>Es gibt schon deutliche Abweichungen. Manchmal kommt es sogar vor, dass man sich als Analyst fragt, ob das wirklich die passende Benchmark sein kann. Beispielsweise erinnere ich mich an einen Fonds, der sich mit einer Benchmark von 50% Cash und 50% MSCI World verglichen hat. Und da scheint es dann doch zumindest unwahrscheinlich, dass ein aktiver Fonds wirklich regelmäßig mit einer Cash-Quote von 50% arbeitet.</p><p>Grundsätzlich ist die Transparenz in der Fondsbranche in den letzten Jahren aber weiter gewachsen. Investoren sind heute bereit, über Vergleichsportale wie den Scope Explorer selbst zu recherchieren und nach einem guten Investment Ausschau zu halten. Damit helfen wir bei Scope, den Fondsmarkt durchsichtiger zu machen.</p><h5>Wo lief es denn für aktive Fondsmanager gar nicht gut 2021?</h5><p>Beispielsweise in den USA. Die Vereinigten Staaten weisen einen sehr effizienten Kapitalmarkt auf. Das macht die USA für aktive Fondsmanager zu einem schwierigen Pflaster – besonders bei längerfristigen Zeiträumen. In den letzten Jahren mussten Fondsmanager Technologietitel noch weiter übergewichten, um Benchmarks wie den ohnehin schon technologielastigen S&P 500 zu schlagen. Dazu gehört dann eine gehörige Portion Mut und Überzeugung; aber das ist ja auch der Grund, wofür Anleger einen aktiven Fondsmanager bezahlen. O</p><p>Oder sehen wir uns das Beispiel des MSCI World an. Hier kommen US-Titel auf ein Gewicht von fast 70%. Da die USA aber in den letzten Jahren bombastisch gelaufen sind, hätten global anlegende Fondsmanager die Quote an US-Aktien noch weiter erhöhen müssen, um den MSCI World zu schlagen. Mehr als 70% USA! Ein Risiko, das nur wenige Fondsmanager bereit waren einzugehen. Nur 13,6% der aktiven Anlagestrategien haben hier den Vergleichsindex geschlagen. </p><h5>Sie haben die schlechte Performance der aktiven Fondsmanager gerade mit dem effizienten Kapitalmarkt der USA begründet. In Deutschland konnten aber immerhin 55% der aktiven Fonds den Vergleichsindex schlagen. Ist der deutsche Markt so ineffizient?</h5><p>2021 war für den deutschen Kapitalmarkt ein außergewöhnliches Jahr. Im ersten Halbjahr schlugen sich aktive Fonds nicht besonders gut. Im zweiten Halbjahr hat sich das gedreht. Die Aussicht auf ein Ende der Corona-Pandemie hat gerade die im DAX stark vertretene Old Economy beflügelt. Genau die Titel, die im ersten Halbjahr noch schlecht abgeschnitten hatten. Im Gegensatz zu den Vorjahren sind auch Small Caps im letzten Jahr relativ zu Standardwerten nicht gut gelaufen. </p><p>Aktive Fondsmanager, die die Neuausrichtung zur Jahresmitte weg von Wachstumswerten hin zu Value-Titeln nicht verpasst und gleichzeitig tendenziell auf Large Caps gesetzt haben, hatten dementsprechend gute Chancen, den Vergleichsindex zu schlagen. </p><h5>Grundsätzlich ist aber doch bekannt, dass Small Caps langfristig eine höhere Rendite erwarten lassen. Stichwort: Size-Faktor. Müssten aktive Manager nicht grundsätzlich dazu in der Lage sein, ihren Vergleichsindex zu schlagen, wenn sie Faktorprämien wie Size systematisch ausnutzen?</h5><p>Langfristig laufen in Deutschland Werte aus der zweiten oder dritten Reihe tatsächlich besser als die DAX-Titel. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass gerade in Krisenzeiten kleine Unternehmen oftmals überproportional leiden, da sie meist in Nischen­bereichen tätig sind. Krisenresistenter sind Unternehmen, die ein breiteres Produktangebot aufweisen. Es gibt auch Strategien, die auf Small, Mid und Large Caps setzen und dann je nach wirtschaftlicher Gesamtsituation umschichten. Was da die bessere Strategie ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. </p><!--text-long-pagebreak--><!--sub-title||Wie sieht es denn mit weniger effizienten Märkten wie Emerging oder Frontier Markets aus?--><h5>Wie sieht es denn mit weniger effizienten Märkten wie Emerging oder Frontier Markets aus?</h5><p>Diese Kapitalmärkte sind nicht so effizient und viele dort aktive Unternehmen sind weithin unbekannt. Aktive Manager, die auf der Suche nach Aktien sind, die zwar nicht im Fokus der Aufmerksamkeit stehen, aber dennoch sehr gute Arbeit abliefern, können in den Schwellenländern fündig werden. Das spiegelt sich auch in unserer Studie wider. In der Ostasien-Pazifik-Region ohne das Industrieland Japan haben aktive Strategien besonders gut abgeschnitten.</p><p>Meine Beobachtung ist die, dass sich gerade in multinationalen Kategorien ein aktiver Ansatz besonders lohnen kann.</p><h5>Weshalb ist das so?</h5><p>In einer Kategorie wie Ostasien-Pazifik geht es nicht nur um die Selektion der Unternehmen, sondern auch um die Allokation in einzelnen Regionen dieser Kategorie. Die Königsdisziplin dabei ist abzuschätzen, in welchen Ländern voraussichtlich besonders starkes Wachstum stattfinden wird, und dann auf diese Märkte zu setzen. Ein Fondsmanager, der beispielsweise bullish für Taiwan ist, entscheidet, den Taiwan-Anteil in seinem Portfolio zu erhöhen. Erst im Anschluss macht er sich dann an die Unternehmensselektion. </p><h5>Was wiegt im Hinblick auf die Rendite schwerer: Allokation oder Unternehmensselektion?</h5><p>Die Performance wird über die Allokation gemacht. Im letzten Jahr war es beispielsweise von Vorteil, China nicht überzugewichten. Da China im Vergleichsindex für Ostasien-Pazifik ein enormes Gewicht hat, konnte man den Index mit einem geringeren China-Anteil recht zuverlässig schlagen. </p><p>Genau das sollten Anleger auch von einem aktiven Management erwarten. Es ist die Aufgabe des Fondsmanagers, sich eine Meinung über den Markt zu bilden und dementsprechend auch die Ländergewichtung anzupassen – und zwar nicht nur ein bisschen. Die sogenannten Index-Hugger, die im Vergleich zum Index ein bisschen über- oder untergewichten und sich dadurch eine Outperformance versprechen, können sich kaum Hoffnung auf Erfolg machen. Und das ist auch nicht das, wofür ein aktiver Manager bezahlt wird. </p><h5>Wie sieht es mit noch weniger entwickelten Märkten aus – den sogenannten Frontier Markets?</h5><p>In unserer Studie wurde nicht zwischen Schwellenländern und Frontier Markets unterschieden. Aber es ist tatsächlich so, dass Länder, zu deren Märkten und Unternehmen weniger Analysen vorliegen, sowohl deutlich höhere Risiken als auch deutlich höhere Chancen bieten. Genau in solchen Szenarien können aktive Strategien ihre Vorzüge ausspielen. </p><h5>Macht es auf solchen Märkten einen Unterschied, ob es sich um einen großen Fonds oder eher das Nischenprodukt einer Fonds-Boutique handelt?</h5><p>Da gibt es definitiv eine Volumenbegrenzung. Milliardenfonds tun sich in solchen Märkten schwer. Die ausgewählten Papiere müssen schließlich auch in großem Umfang handelbar sein. Weniger entwickelte Märkte lassen sich nicht mit Handelsplätzen wie Deutschland oder den USA vergleichen. Kleinere Fonds haben oftmals unter solchen Umständen bessere Karten.</p><p>Diesen Artikel lesen Sie auch in AssCompact 06/2022 und in unserem <a href="https://epaper.asscompact.de/de/profiles/53e4066999da-asscompact/editio…; target="_blank" >ePaper</a>.</p><p><i class="font-twelve-italic" >Bild: © Drobot Dean – stock.adobe.com</i></p><div id="bbgreadlog-getimage"><img src="/bbgreadlog/getimage/F8FC3129-E301-49F1-BE90-E7FF1A309C55"></div>

 
Ein Interview mit
Florian Koch

Warburg Invest legt Fonds auf neuen Index auf

Warburg Invest hat einen neuen Indexfonds aufgelegt. Der „WI Global Challenges Emerging Marktes Index-Fonds“ bildet einen nachhaltigen Index der Börse Hannover nach, der in enger Zusammenarbeit mit dem Vermögensverwalter erstellt wurde.

Die Kapitalverwaltungsgesellschaft Warburg Invest AG hat mit dem „WI Global Challenges Emerging Markets Index-Fonds“ einen nachhaltigen Indexfonds mit Fokus auf Schwellenländer aufgelegt. Der Fonds hat das Ziel, den zugrunde liegenden Global Challenges Index Emerging Markets möglichst genau abzubilden.

Kooperation mit Indexersteller

Der Index wurde von der Börse Hannover in enger Zusammenarbeit mit Warburg Invest erstellt. Er ergänzt den Global Challenges Index (GCX) um ein Schwesterprodukt, das nach derselben Strategie Unternehmen aus Schwellenländern selektiert, die sich aktiv für die Erreichung von Nachhaltigkeitszielen einsetzen.

Auswahlkriterien des Indexes

Unternehmen müssen mit ihren Produkten, Technologien und der Unternehmensphilosophie einen substanziellen und richtungsweisenden Beitrag zur Bewältigung der großen globalen Herausforderungen aufweisen, um in den Index aufgenommen zu werden. Grundlage für den Auswahlprozess sind die von der UN und der EU zum Thema Nachhaltigkeit definierten sieben Handlungsfelder Armut, Klimawandel, Trinkwasser, Wälder, Artenvielfalt, Bevölkerungsentwicklung und Governance-Strukturen.

Warburg Invest AG ist erste Lizenznehmerin

Mit dem „WI Global Challenges Emerging Markets Index-Fonds“ ist die Warburg Invest AG die erste offizielle Lizenznehmerin des Indexes und damit wie bereits beim Start des Schwesterindexes vor 15 Jahren von Anfang an dabei. (tku)

Bild: © HTGanzo – stock.adobe.com

 

Amundi übernimmt Robo-Advisor-Anbieter

Der Vermögensverwalter Amundi hat sich einen Robo-Advisor-Anbieter aus Österreich einverleibt. Mit der Übernahme des digitalen Vermögensverwalters Savity möchte Amundi dem wachsenden Bedarf nach digitalisierten Finanzdienstleistungen begegnen.

Mehr und mehr Vermögensverwalter bringen neben ihrem traditionellen Geschäft auch eine digitale Vermögensverwaltung an den Start. Nun geht auch der größte Asset-Manager Europas diesen Weg. Amundi hat bereits Ende Juni das österreichische FinTech Finventum komplett übernommen. Damit verleibt sich Amundi Austria auch die von Finventum gegründete Savity Vermögensverwaltung GmbH (Savity) ein. Dabei handelt es sich um eine Robo-Advisory-Plattform, die digitale Asset-Management-Dienstleistungen anbietet.

Robo-Advisor Savity

Savity bietet seinen Kunden an, segregierte Portfolios mit unterschiedlichen Risikoprofilen zu erstellen, die ihre Anlageziele und Nachhaltigkeitspräferenzen berücksichtigen. Derzeit stehen vier Anlageoptionen zur Verfügung.

Bedarf nach digitalen Finanzdienstleistungen steigt

Amundi gibt an, mit dem Robo-Advisor Savity dem wachsenden Bedarf nach digitalisierten Finanzdienstleistungen in Österreich begegnen zu wollen, insbesondere im Bereich der digitalen Vermögensverwaltung. Savity füge sich perfekt in das Angebot von Amundi Technology, der Technologiesparte von Amundi, ein.

Amundi integriert Savity-Technologie

„Das Ziel von Amundi ist, unsere Vertriebspartner über das Produktangebot hinaus zu unterstützen, damit sie den wachsenden Bedarf ihrer Kunden an Anlageberatung und innovativen, maßgeschneiderten und kostengünstigen Technologielösungen besser erfüllen können“, sagt Guillaume Lesage, Chief Operating Officer bei Amundi. „Savity bietet genau diese Voraussetzungen und trägt dazu bei, die Position von Amundi Technology im B2B-Segment zu stärken. Die leistungsstarke Savity-Technologie, kombiniert mit unserer Expertise im Bereich Robo-Advising und den umfassenden Portfoliomanagement-Kapazitäten von Amundi, wird die Entwicklung von Savity weiter vorantreiben.“ (tku)

Bild: © fotogestoeber – stock.adobe.com

 

Marktausblick: Europa wird abgehängt

Die anstehenden Berichtssaison dürfte für europäische Unternehmen problematisch werden, prognostiziert der Vermögensverwalter BlackRock. Und das, obwohl der Abstand zum US-Aktienmarkt aktuell bereits stattliche 17 Prozentpunkte beträgt. Die Schwäche Europas wäre demnach noch nicht voll eingepreist.

Die Gräben zwischen dem alten Kontinent und den USA werden tiefer. Nicht bezogen auf die Bewertung des Ukraine-Kriegs sondern vielmehr im Hinblick auf die Bewertung des Aktienmarkts. Seit Jahresanfang ist der Performance-Unterschied zwischen den USA und dem Euroraum auf 7 Prozentpunkte angewachsen. Das gibt Dr. Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie bei BlackRock zu bedenken.

Abstand zu den USA wächst weiter

Doch für den Euroraum kommt es noch härter. Rechnet man zusätzlich die aktuelle Schwäche des Euros mit ein, der am Dienstagvormittag die Parität zum US-Dollar erreicht hatte, beträgt der Abstand des europäischen zum US-Aktienmarkt sogar 17,5 Prozentpunkte.

Europa birgt mehr Risiken

Verantwortlich für die Euro-Schwäche ist laut Lück neben der zögerlichen EZB-Reaktion zur Eindämmung der Inflation auch die Sicht auf die jeweilige Konjunkturentwicklung. In den USA seien die Sorgen vor einer Rezession hauptsächlich durch das Handeln der Notenbank getrieben, während in Europa der Ukraine-Krieg und die damit einhergehenden Sanktionen und Gegenmaßnahmen die Wirtschaft bremsten. Dementsprechend gehe man in den USA eher von einer kurzen, flachen Rezession aus – in Europa könne sie hingegen drastischer ausfallen.

Noch nicht vollständig eingepreist

Lück prognostiziert des Weiteren, dass diese Konjunktursorgen – gerade auch die Gewinnerwartung der europäischen Unternehmen betreffend – noch nicht in den Marktpreisen enthalten sind. Die Berichtssaison könnte für Anleger, die in europäischen Titeln investiert sind, dementsprechend noch schlechte Nachrichten bereithalten.

Goldpreis leidet unter anziehenden Zinsen

Und auch der Goldpreis steht unter Druck. Ebenso wie der Euro, ist das Edelmetall ein Kollateralschaden des starken US-Dollars. Eigentlich dürfe man ja erwarten, dass Gold in Zeiten hoher Inflation und großer Verunsicherung an den Finanzmärkten als Stabilisator gefragt sei. Eine entsprechende Outperformance des Edelmetalls hätten in diesem Jahr aber der stärker werdende US-Dollar sowie die Zinsentwicklung verhindert. Immerhin hatten die Negativzinsen im Euroraum die Opportunitätskosten der Goldhaltung sogar über lange Zeit hinweg in einem Opportunitätsgewinn verwandelt. Der Anstieg bei der Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe um 147 Basispunkte seit Jahresbeginn bedeute nun jedoch ein Ende dieses Regimes.

Zeit der Goldanleger könnte bald kommen

Lück ist für Gold deshalb keinesfalls pessimistisch. Sofern später im Jahr noch der Punkt komme, an dem die Fed den Fuß von der Bremse nimmt, brächen für Goldanleger erfreulichere Zeiten an. Zumindest dann, wenn damit auch die Aufwertung des Dollars ein Ende fände. Denn es sieht so aus, meint Lück, dass sich weder die Inflation noch die hohe Volatilität auf absehbare Zeit abschütteln ließen. (tku)

Bild: © Tada Images – stock.adobe.com

 

Sind Artikel-9-Aktienfonds eine Mogelpackung?

Scope hat sich die sogenannten Impact-Fonds zur Brust genommen und untersucht, in welche Unternehmen die dunkelgrünen Artikel-9-Aktienfonds investieren. Das Fazit: In Impact-Fonds stecken ganz konventionelle Unternehmen, die lediglich nicht direkt an klimaschädlicher Produktion beteiligt sind.

<p>Das Analysehaus Scope hat untersucht, in welche Titel als besonders nachhaltig geltende Aktienfonds häufig investieren. Scope analysierte zu diesem Zweck die Top-10-Positionen von Fonds, die nach Artikel 9 der EU-Offenlegungsverordnung klassifiziert und damit einem konkreten, nachhaltigkeitsbezogenen Anlageziel verpflichtet sind – sogenannte Impact-Fonds. </p><p>Die Fonds wurden aus vier gängigen marktbreiten Peergroups ausgewählt: </p><ul><li>Aktien Welt</li><li>Aktien Nachhaltigkeit/Ethik Welt</li><li>Aktien Europa</li><li>Aktien Nachhaltigkeit/Ethik Europa</li></ul><h5>Microsoft – Nachhaltigkeits-Champion bei den Blue Chips</h5><p>Am häufigsten in den global investierenden Portfolios vertreten, ist Microsoft. Die Aktie des Software-Pioniers aus Redmond gehört bei 76 Fonds zu den zehn größten Positionen. Damit halten knapp zwei Drittel der 117 Artikel-9-Aktienfonds aus den untersuchten globalen Peergroups die Aktie als eine der zehn größten Positionen. Kein Wunder. Microsoft hat sich zum Ziel gesetzt, all das CO2 zu kompensieren, das seit der Firmengründung 1975 emittiert wurde. </p><h5>Alphabet und Apple ebenfalls häufig vertreten</h5><p>Ebenfalls häufig vertreten unter den Top-Positionen der Impact-Fonds ist auch die Aktie der Google-Mutter Alphabet, die bei etwas mehr als jedem zweiten Fonds in den Top-10 auftaucht. Apple auf Platz 3 wiederum, findet sich in jedem dritten Portfolio unter den zehn größten Werten. </p><h5>In Europa ist ASML besonders beliebt</h5><p>Noch dichter ist die Konzentration der ESG-Lieblinge in Artikel-9-Fonds mit regionalem Fokus auf Europa. In 45 der insgesamt 59 Artikel-9-Fonds aus den beiden betrachteten europäischen Peergroups gehört das niederländische Halbleiterunternehmen ASML zu den Top-Positionen. Das entspricht einem Anteil von mehr als 75%. Die Aktie des französischen Unternehmens Schneider Electric ist 42-mal in den Top-10 vertreten, der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk taucht 33-mal auf. </p><h5>Große Tech-Titel dominieren das Feld</h5><p>Die Scope-Auswertung zeigt, dass die Top-Fondsbestandteile nachhaltiger Fonds häufig Titel umfassen, die auch in konventionellen Portfolios stark vertreten sind. Zwar befinden sich unter den am höchsten gewichteten Positionen keine Unternehmen aus „schmutzigen“ Branchen wie beispielsweise Ölkonzerne, doch ansonsten liest sich die Rangliste wie eine Ansammlung konventioneller Konzerne, die auf den ersten Blick nicht besonders nachhaltig wirkt.</p><h5>Keine klimaschädliche Produktion – zumindest nicht direkt</h5><p>Doch es gibt Gründe dafür, dass gerade in diese Unternehmen so häufig investiert wird. Viele der Top-10-Aktien sind unter Klima-Gesichtspunkten attraktiv bewertet, da sie nicht direkt zu einer klimaschädlichen Produktion beitragen und gleichzeitig großen Wert auf umfangreiche Nachhaltigkeitsberichterstattung und die Betonung von Transformationszielen legen. Diese Kombination führt regelmäßig zu guten bis sehr guten ESG-Ratings von Anbietern wie MSCI, S&P Trucost, Sustainalytics oder ISS.</p><h5>Breites Angebot an Impact-Fonds</h5><p>Die Scope-Analyse zeigt des Weiteren aber auch, dass das Segment der Artikel-9-Aktienfonds mit globalem bzw. europäischem Fokus sehr heterogen ist und es diverse Möglichkeiten gibt, die Vorgaben der EU-Offenlegungsverordnung zu erfüllen. Kunden mit Nachhaltigkeitspräferenz können unter anderem zwischen Klimafonds, Produkten mit sozialem Fokus oder mit mehr oder weniger umfangreichen Ausschlusskriterien wählen. </p><h5>Anleger müssen sich informieren</h5><p>Anleger dürften nicht davon ausgehen, dass ein solcher Fonds ausschließlich in typisch nachhaltige Bereiche wie Erneuerbare Energien oder Gesundheit & Wohlbefinden investiert, merken die Scope-Analysten an. Anleger sollten sich vor einer Investition detailliert über die Anlagestrategie und die angewendeten Ausschlusskriterien informieren und mindestens einen Blick auf die Top-10-Holdings werfen, die im Fact Sheet aufgeführt sind. (tku)</p><p><i class="font-twelve-italic" >Bild: © J.M. Image Factory – stock.adobe.com</i></p><div id="bbgreadlog-getimage"><img src="/bbgreadlog/getimage/FC5D629F-2B97-4360-B00D-0916AC04BCFC"></div>

 

CCPM heißt nun LeanVal Asset Management

Der Vermögensverwalter CCPM firmiert zu LeanVal Asset Management um. Damit soll der Markenauftritt des Spezialisten für Volatilitäts- und Multi-Asset-Strategien an die Muttergesellschaft angepasst werden. Für Kunden soll sich derweil nichts ändern.

Der Vermögensverwalter Conservative Concept Portfolio Management (CCPM) AG firmiert um und tritt künftig unter dem Markennamen LeanVal Asset Management auf. Der 1991 gegründete Anbieter ist spezialisiert auf alternative optionsbasierte Volatilitäts- sowie Multi-Asset-Strategien.

Anpassung an Muttergesellschaft

Mit der Umbenennung soll der Markenauftritt an den Namen des Mutterkonzerns angepasst werden. Die LeanVal Asset Management (LVAM) AG ist Teil der LeanVal Gruppe – eines bankenunabhängigen Finanzdienstleisters für professionelle und institutionelle Investoren.

Kein Strategiewechsel

Für die Kunden des Vermögensverwalters bleibt alles beim Alten. Sowohl das Team, als auch die Investmentstrategien und das operative Geschäft bleiben von der Umfirmierung unberührt. (tku)

Bild: © Nuthawut – stock.adobe.com

 

Größeres Fondsvolumen – Bessere Performance

Große Fonds können eine bessere Performance erzielen als ihre kleineren Pendants. Das hat eine aktuelle Morningstar-Studie ergeben. Von entscheidender Bedeutung ist dabei die Höhe der Verwaltungsgebühren. Das Zauberwort lautet: Skaleneffekte.

Das Analysehaus Morningstar hat sich im Rahmen einer Studie mit dem Zusammenhang zwischen Volumen und Performance von aktiv gemanagten Investmentfonds beschäftigt. Das Ergebnis: Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen der Vermögensbasis eines Fonds und seiner risikobereinigten Nettoperformance.

Effekt über mehrere Asset-Klassen nachweisbar

Die Morningstar-Studie mit dem Titel „When Small Isn’t Beautiful“ hat in Europa domizilierte aktive Fonds untersucht und festgestellt, dass kleinere Fonds aufgrund der vergleichsweise höheren Gebühren schlechter performen als größere. Diese Beziehung ist laut Morningstar-Analyse für Aktienfonds besonders ausgeprägt, gilt aber in geringerem Maße auch für Renten- und Multi-Asset-Fonds.

Mehr Personal und niedrigere Gebühren

„Da die meisten Fonds feste Gebühren erheben, führen die Größenunterschiede zu enormen Unterschieden bei den Einnahmensströmen“, gibt Studienautor Matias Mötölä zu bedenken. „Große Fonds können mit den von ihnen generierten Gebühren eine größere Anzahl von Portfoliomanagern, Analysten und weiterem Personal unterhalten. Darüber hinaus bieten größere Fonds den Fondsgesellschaften Spielraum, niedrigere Gebühren zu erheben, was den Anlegern zugute kommen kann.“

Goliath schlägt David

In allen drei Anlageklassen (Aktien, festverzinsliche Wertpapiere und Multi-Asset) und in allen in dieser Studie berücksichtigten Fünfjahreszeiträumen zwischen 2007 und 2021 schlugen die größten Fonds die kleinsten.

Großes Gefälle innerhalb Europas

Die Studie deckt aber auch große Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern auf, in denen die jeweiligen Fonds domiziliert sind. So weist der durchschnittliche Fonds (Median) in Spanien nur 8,7 Mio. Euro an Vermögenswerten auf – ein Wettbewerbsnachteil für den Fondsstandort. Der typische schwedische Fonds verfügte Ende 2021 hingegen über ein Volumen von 289 Mio. Euro.

Deutschland rangiert unter Durchschnitt

In den drei untersuchten Anlageklassen lag der Median der Fondsgröße Ende Dezember 2021 europaweit bei nur 76 Mio. Euro. Deutschland liegt mit einem Median von 51,5 Mio. Euro an Volumen noch darunter.

Viele Fonds kaum überlebensfähig

Jeder vierte untersuchte Fonds wies ein Vermögen von weniger als 20 Mio. Euro auf. „Eine typische Verwaltungsgebühr von 1% würde für einen solchen Fonds jährliche Bruttoeinnahmen von 200.000 Euro bedeuten“, gibt Mötölä zu bedenken. „Dies reicht eindeutig nicht aus, um die Kosten für die Einstellung eines starken Teams von Portfoliomanagern, Analysten, Kundenverantwortlichen, Back-Office-Personal usw. zu decken und darüber hinaus für Daten und andere Dienstleistungen Dritter zu bezahlen.“

Große Fonds mit zahlreichen Vorteilen

Zusammenfassend hätten große Fonds laut Morningstar-Analyse gleich mehrere Wettbewerbsvorteile: Ihr Fondsmanagement befindet sich beim Buhlen um Talente in einer besseren Verhandlungsposition. Außerdem seien große Fonds weniger gefährdet, geschlossen oder fusioniert zu werden. Wichtig sei des Weiteren, dass die Asset-Management-Gesellschaften für größere Fonds weniger Gebühren verlangen könnten, da sie in der Lage sind, Skaleneffekte zu erzielen. (tku)

Bild: © hbrh – stock.adobe.com

 

Emerging Markets Local Debt: Drei Gründe für aktives Management

Wie schneiden aktive Anlagestrategien im Vergleich zu passiven Produkten ab? Dr. Ricardo Adrogué zeigt auf, dass die Antwort von der betrachteten Anlageklasse abhängt. Der Experte erklärt, weshalb sich gerade in weniger effizienten Märkten ein aktives Management durchaus lohnen kann.

Ein Artikel von Dr. Ricardo Adrogué, Leiter Global Sovereign Debt and Currencies bei Barings

Die Vorstellung, dass „durchschnittliche“ aktive Manager in der Regel schlechter abschneiden als passive Produkte, die lediglich einen Index abbilden, hat in den letzten zehn Jahren viele Anleger veranlasst, sich für passive Anlagen zu entscheiden. Passive Produkte funktionieren aber nicht in allen Anlageklassen gleich gut. Wenn es um Investitionen in weniger effiziente Märkte geht, etwa lokale Schuldtitel in Schwellenländern, gibt es mehrere Gründe, warum die Indexnachbildung häufig sowohl zu höheren Risiken als auch zu verpassten Chancen führt.

 

Emerging Markets Local Debt: Drei Gründe für aktives Management

 

Grafik: Aktives vs. passives Investieren in EM Local Debt

Der Average EM Local Debt Fund umfasst 28 aktiv verwaltete Fonds.

1. Unterschiede bei der Wertentwicklung

Vor dem ohnehin schwierigen Hintergrund einer steigenden Inflation weltweit und einer restriktiven US-Notenbank sowie Sorgen um China und lokale Covid-19-Ausbrüche hat auch der Einmarsch Russlands in die Ukraine die Schwellenländeranleihen in Aufruhr versetzt. Die Performance der lokalen Schwellenländeranleihen im bisherigen Jahresverlauf spiegelt dies wider – auf Indexebene ist die Anlageklasse rückläufig.

Wie so oft verbergen die Renditen auf Indexebene jedoch die enorme Vielfalt, Streuung und Komplexität der Performance von Emittent zu Emittent. Während die allgemeinen Marktbedingungen für Schwellenländeranleihen oft die kurzfristigen Renditen bestimmen, sind es letztlich die länderspezifischen Fundamentaldaten, die langfristig Preise und Performance bestimmen. So liegen etwa die lokalen Schuldtitel der Schwellenländer in diesem Jahr insgesamt im Minus (−6,5% per Ende April), aber die Performance einiger Länder war deutlich besser (oder schlechter) als die anderer.

Ein häufiges Missverständnis ist, dass die größten Länder im Index den größten Beitrag zur Performance leisten. Nicht unbedingt: Unabhängig von der Gewichtung eines Landes kann es einen großen Beitrag zur Gesamtrendite leisten oder diese erheblich beeinträchtigen. Im Bereich der lokalen Anleihen besteht der Index beispielsweise aus weniger Ländern und größeren Gewichtungen pro Land, die von 0 bis etwa 10% reichen. Ein genauerer Blick zeigt jedoch, dass Länder wie Brasilien, Indonesien und Thailand zwar ähnlich gewichtet sind, aber in diesem Jahr ganz unterschiedlich zur Performance beigetragen haben.

2. Die Nachbildung des Index kann schwierig sein – Und teuer

Erfolgreiches passives Management basiert auf der Prämisse, dass ein relevanter Anlageklassenindex genau und kosteneffizient nach­gebildet werden kann. Das ist bei lokalen EM-Schuldtiteln nicht unbedingt der Fall – hier entstehen Kosten nicht nur durch die Nachbildung des Index (Handelskosten), sondern auch in Form von lokalen Steuern auf Staatsanleihen.

Zu beachten ist auch, dass börsengehandelte Fonds für Schwellenländeranleihen (ETFs) wie der Index in der Regel ein geringeres Engagement in einer großen Anzahl von Ländern haben. Das bedeutet, dass sie oft sowohl in die besten als auch in die schlechtesten Länder der Staatsschuldenlandschaft investiert sind ohne die Möglichkeit, risiko­reiche oder sich verschlechternde Länder zu unterscheiden. Und wie erwähnt, können selbst Länder mit geringer Gewichtung einen erheblichen Beitrag zur Gesamtrendite leisten oder sie beeinträchtigen.

Aktive Manager dagegen sind nicht durch den Index beschränkt und haben die Möglichkeit, nicht nur die „faulen Äpfel“ zu meiden, sondern können auch größere Positionen in Ländern eingehen, die positive Trends aufweisen.

3. Passive Strategien verfehlen oft das Ziel

Vor diesem Hintergrund ist es kaum überraschend, dass passive Strategien im Laufe der Zeit tendenziell schlechter liefen als die durchschnittliche aktive Strategie. Im Bereich der lokalen Schuldtitel etwa haben aktiv verwaltete Strategien im Vergleich zum JPMorgan Government Bond Index-Emerging Markets Global Diversified Index auf Ein-, Zwei-, Drei– und Fünfjahressicht besser abgeschnitten – in einigen Fällen sogar deutlich (siehe Grafik).

Das derzeitige Umfeld ist für die Schwellenländer zweifellos eine Her­ausforderung, aber wie in früheren Krisenzeiten ergeben sich in der gesamten Landschaft der Schwellenländeranleihen erste Chancen. Begleiterscheinungen des Krieges in der Ukraine sind etwa höhere Rohstoffpreise. Während importierende Länder unter dem Preisanstieg litten, haben Rohstoffexporteure wie Südafrika und Indonesien davon profitiert.

Die Verpflichtung der US-Notenbank, die Inflation aggressiv zu bekämpfen, ist eine weitere Herausforderung. Trotz des steigenden Drucks auf die Zentralbanken, die Zinssätze zu erhöhen, ist eine höhere globale Inflation jedoch nicht zwangsläufig negativ für die Schwellenländer. Sollten die Zentralbanken der Industrieländer weiterhin „hinter der Kurve“ bleiben – was bedeutet, dass sie die Zinssätze nicht schnell genug anheben, um mit der Inflation Schritt zu halten –, werden die Realsätze in den Industrieländern wahrscheinlich niedrig oder negativ bleiben. Im Gegensatz dazu haben die Zentralbanken der Schwellenländer die Zinsen bereits deutlich angehoben, um die höhere Inflation zu bekämpfen, und in den Fällen, in denen die Inflation an ihren Höhepunkt kommt, nähern sie sich womöglich dem Ende ihres Zinserhöhungszyklus. Da die realen Zinssätze in vielen dieser Länder positiv sind, glauben wir, dass bestimmte Wechselkurse angesichts des potenziellen Carrys weiterhin Chancen bieten. Es ist auch bemerkenswert, dass die Leistungsbilanzsalden vieler Schwellenländer heute höher sind als vor Covid-19, was sowohl die Wechselkurse als auch die Zinssätze weiterhin stützen sollte.

Die Auswahl ist zentral

In Anbetracht der großen Unterschiede in der Performance der Schwellenländeranleihen ist die Auswahl zentral und wird auch in Zukunft eine entscheidende Rolle für die Performance spielen. Aktive Manager, die ihre Hausaufgaben machen und das Risiko für jedes einzelne Land genau bewerten, werden am besten in der Lage sein, die Zinssätze und Währungen zu identifizieren, die in Zukunft am meisten profitieren werden – nicht trotz, sondern gerade wegen der anhaltenden Unsicherheit im Markt.

Diesen Artikel lesen Sie auch in AssCompact 06/2022, S. 58 f., und in unserem ePaper.

Bild: © Thomas Reimer – stock.adobe.com

Grafik Quelle: Morningstar, Stand: 31.03.2022

 
Ein Artikel von
Dr. Ricardo Adrogué

Junge Leute: Interesse an fondsbasierten Produkten steigt

YouGov hat im Auftrag der Swiss Life Deutschland untersucht, wie junge Leute gegenüber Finanzanlagen eingestellt sind und wie sie vorsorgen. Für Vermittler relevant: Auch junge Menschen schätzen Beratung bei Vorsorgethemen. Hier gelten insbesondere fondsbasierte Produkte als interessant.

<p>YouGov hat im Auftrag der Swiss Life Deutschland bereits zum zweiten Mal eine Studie durchgeführt, in der es um Finanzen und Vorsorge insbesondere aus Sicht von jungen Menschen in Deutschland geht. An der repräsentativen Studie nahmen mehr als 4.000 Personen teil.</p><h5>Generation Y schreibt sich hohes Finanzverständnis zu</h5><p>Über alle Generationen hinweg behaupten demnach 58% der Deutschen von sich, über ein gutes bis sehr gutes Finanzverständnis zu verfügen. Insbesondere die Generation Y (geboren zwischen 1980 und 1993) zieht den Schnitt nach oben – ihre Selbsteinschätzung liegt bei 61% und ist in den vergangenen zwei Jahren um 4 Prozentpunkte gestiegen. Die Generation Z (geboren zwischen 1994 und 2010) hingegen schätzt ihre Kenntnisse zu 56% gut bis sehr gut ein – immerhin ein Plus von 8 Prozentpunkten im Vergleich zum Jahr 2020. </p><h5>Wichtige Informationsquellen</h5><p>Persönliche Gespräche mit Beratern bzw. Beraterinnen sowie mit Verwandten und Freunden sind für alle Generationen nach wie vor die wichtigsten Informationsquellen, wenngleich Social Media und Finanz-Apps vor allem bei den jungen Befragten immer relevanter werden (+ 5–7% im Vergleich zu 2020). </p><h5>Selbstständig abschließen nur bei einfachen Versicherungen</h5><p>Wirklich eigenständig abschließen möchten die Menschen aber überwiegend nur Kfz-, Reise- oder Haftpflichtversicherungen. Bei komplexen Themen wie Altersvorsorge, Pflege- und BU wird Beratung notwendig. Gerade innerhalb der Generationen Z und Y liegt die Bereitschaft, selbstständig und online abzuschließen, hier bei unter einem Fünftel aller Befragten. </p><h5>Aktien bei den Generationen Y und Z hoch im Kurs</h5><p>Bei Investments hingegen, werden die Deutschen zunehmend mutiger. Gerade seit der Corona-Pandemie ist die Bedeutung der Aktienmärkte für die eigene Geldanlage der Menschen in Deutschland gestiegen. Sahen im Jahr 2020 erst 25% aller Befragten Chancen an den Aktienmärkten, ist dieser Wert nun auf 30% gestiegen – ausschließlich getrieben durch die Generationen Y (44%, +11 Prozentpunkte) und Z (47%, +15 Prozentpunkte). Investmentfonds haben 37% der jungen Leute (Generation Z und Y) im Portfolio. Einzelaktien besitzen indes nur 28% der Generation Z und 29% der Generation Y.</p><h5>Offenheit gegenüber fondsbasierter Rentenversicherung </h5><p>Angesichts von Krieg, Inflation, Klimakrise und Pandemie schätzen junge Leute insbesondere Aktien, Edelmetalle, Immobilien und ETFs als geeignet für die Geldanlage ein. Fest- und Tagesgeldkonten oder Sparbücher werden als gänzlich ungeeignet betrachtet. Mehr als die Hälfte der Generationen Z und Y steht auch fondsbasierten Rentenversicherungen offen gegenüber. Dieser Zustimmungswert ist seit der Vorgängerstudie 2020 um bis zu 13 Prozentpunkte deutlich gestiegen. Als besonders chancenorientiert zeigt sich die Generation Z: Ihre Bereitschaft, sogar deutlich mehr als 20% ihres Vermögens in aktienbasierte Anlagen im Rahmen der privaten Altersvorsorge zu investieren, hat sich binnen zwei Jahren verdoppelt. </p><h5>Garantieprodukte sind out</h5><p>Ebenso wie Sparbücher, sind auch Garantieprodukte in der Altersvorsorge derweil passé. 49% der Generation Z (+18 Prozentpunkte) und 48% der Generation Y (+7 Prozentpunkte) setzen lieber auf fondsbasierte statt klassische Privatrenten. </p><h5>Nachhaltigkeit soll nicht die Rendite schmälern</h5><p>Neben fondsgebundenen Produkten ist auch das Thema nachhaltige Finanzanlagen bei jungen Leuten gefragt. Während im Durchschnitt knapp 38% der Deutschen Nachhaltigkeit beim Abschluss von Finanzanlagen wichtig ist, liegt dieser Wert bei der Generation Y bei 42 % und in der Generationen Z sagt sogar mehr als jeder Zweite, dass ihm Nachhaltigkeit in diesem Kontext wichtig ist. Für Nachhaltigkeit aber auf Rendite zu verzichten – das kommt nur für knapp ein Drittel der jungen Menschen in Frage. (tku)</p><p><i class="font-twelve-italic" >Bild: © Tierney – stock.adobe.com</i></p><div id="bbgreadlog-getimage"><img src="/bbgreadlog/getimage/7579ADBD-E82E-498C-86EE-68E24A861C89"></div>