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Emerging Markets Local Debt: Drei Gründe für aktives Management

Wie schneiden aktive Anlagestrategien im Vergleich zu passiven Produkten ab? Dr. Ricardo Adrogué zeigt auf, dass die Antwort von der betrachteten Anlageklasse abhängt. Der Experte erklärt, weshalb sich gerade in weniger effizienten Märkten ein aktives Management durchaus lohnen kann.

Ein Artikel von Dr. Ricardo Adrogué, Leiter Global Sovereign Debt and Currencies bei Barings

Die Vorstellung, dass „durchschnittliche“ aktive Manager in der Regel schlechter abschneiden als passive Produkte, die lediglich einen Index abbilden, hat in den letzten zehn Jahren viele Anleger veranlasst, sich für passive Anlagen zu entscheiden. Passive Produkte funktionieren aber nicht in allen Anlageklassen gleich gut. Wenn es um Investitionen in weniger effiziente Märkte geht, etwa lokale Schuldtitel in Schwellenländern, gibt es mehrere Gründe, warum die Indexnachbildung häufig sowohl zu höheren Risiken als auch zu verpassten Chancen führt.

 

Emerging Markets Local Debt: Drei Gründe für aktives Management

 

Grafik: Aktives vs. passives Investieren in EM Local Debt

Der Average EM Local Debt Fund umfasst 28 aktiv verwaltete Fonds.

1. Unterschiede bei der Wertentwicklung

Vor dem ohnehin schwierigen Hintergrund einer steigenden Inflation weltweit und einer restriktiven US-Notenbank sowie Sorgen um China und lokale Covid-19-Ausbrüche hat auch der Einmarsch Russlands in die Ukraine die Schwellenländeranleihen in Aufruhr versetzt. Die Performance der lokalen Schwellenländeranleihen im bisherigen Jahresverlauf spiegelt dies wider – auf Indexebene ist die Anlageklasse rückläufig.

Wie so oft verbergen die Renditen auf Indexebene jedoch die enorme Vielfalt, Streuung und Komplexität der Performance von Emittent zu Emittent. Während die allgemeinen Marktbedingungen für Schwellenländeranleihen oft die kurzfristigen Renditen bestimmen, sind es letztlich die länderspezifischen Fundamentaldaten, die langfristig Preise und Performance bestimmen. So liegen etwa die lokalen Schuldtitel der Schwellenländer in diesem Jahr insgesamt im Minus (−6,5% per Ende April), aber die Performance einiger Länder war deutlich besser (oder schlechter) als die anderer.

Ein häufiges Missverständnis ist, dass die größten Länder im Index den größten Beitrag zur Performance leisten. Nicht unbedingt: Unabhängig von der Gewichtung eines Landes kann es einen großen Beitrag zur Gesamtrendite leisten oder diese erheblich beeinträchtigen. Im Bereich der lokalen Anleihen besteht der Index beispielsweise aus weniger Ländern und größeren Gewichtungen pro Land, die von 0 bis etwa 10% reichen. Ein genauerer Blick zeigt jedoch, dass Länder wie Brasilien, Indonesien und Thailand zwar ähnlich gewichtet sind, aber in diesem Jahr ganz unterschiedlich zur Performance beigetragen haben.

2. Die Nachbildung des Index kann schwierig sein – Und teuer

Erfolgreiches passives Management basiert auf der Prämisse, dass ein relevanter Anlageklassenindex genau und kosteneffizient nach­gebildet werden kann. Das ist bei lokalen EM-Schuldtiteln nicht unbedingt der Fall – hier entstehen Kosten nicht nur durch die Nachbildung des Index (Handelskosten), sondern auch in Form von lokalen Steuern auf Staatsanleihen.

Zu beachten ist auch, dass börsengehandelte Fonds für Schwellenländeranleihen (ETFs) wie der Index in der Regel ein geringeres Engagement in einer großen Anzahl von Ländern haben. Das bedeutet, dass sie oft sowohl in die besten als auch in die schlechtesten Länder der Staatsschuldenlandschaft investiert sind ohne die Möglichkeit, risiko­reiche oder sich verschlechternde Länder zu unterscheiden. Und wie erwähnt, können selbst Länder mit geringer Gewichtung einen erheblichen Beitrag zur Gesamtrendite leisten oder sie beeinträchtigen.

Aktive Manager dagegen sind nicht durch den Index beschränkt und haben die Möglichkeit, nicht nur die „faulen Äpfel“ zu meiden, sondern können auch größere Positionen in Ländern eingehen, die positive Trends aufweisen.

3. Passive Strategien verfehlen oft das Ziel

Vor diesem Hintergrund ist es kaum überraschend, dass passive Strategien im Laufe der Zeit tendenziell schlechter liefen als die durchschnittliche aktive Strategie. Im Bereich der lokalen Schuldtitel etwa haben aktiv verwaltete Strategien im Vergleich zum JPMorgan Government Bond Index-Emerging Markets Global Diversified Index auf Ein-, Zwei-, Drei– und Fünfjahressicht besser abgeschnitten – in einigen Fällen sogar deutlich (siehe Grafik).

Das derzeitige Umfeld ist für die Schwellenländer zweifellos eine Her­ausforderung, aber wie in früheren Krisenzeiten ergeben sich in der gesamten Landschaft der Schwellenländeranleihen erste Chancen. Begleiterscheinungen des Krieges in der Ukraine sind etwa höhere Rohstoffpreise. Während importierende Länder unter dem Preisanstieg litten, haben Rohstoffexporteure wie Südafrika und Indonesien davon profitiert.

Die Verpflichtung der US-Notenbank, die Inflation aggressiv zu bekämpfen, ist eine weitere Herausforderung. Trotz des steigenden Drucks auf die Zentralbanken, die Zinssätze zu erhöhen, ist eine höhere globale Inflation jedoch nicht zwangsläufig negativ für die Schwellenländer. Sollten die Zentralbanken der Industrieländer weiterhin „hinter der Kurve“ bleiben – was bedeutet, dass sie die Zinssätze nicht schnell genug anheben, um mit der Inflation Schritt zu halten –, werden die Realsätze in den Industrieländern wahrscheinlich niedrig oder negativ bleiben. Im Gegensatz dazu haben die Zentralbanken der Schwellenländer die Zinsen bereits deutlich angehoben, um die höhere Inflation zu bekämpfen, und in den Fällen, in denen die Inflation an ihren Höhepunkt kommt, nähern sie sich womöglich dem Ende ihres Zinserhöhungszyklus. Da die realen Zinssätze in vielen dieser Länder positiv sind, glauben wir, dass bestimmte Wechselkurse angesichts des potenziellen Carrys weiterhin Chancen bieten. Es ist auch bemerkenswert, dass die Leistungsbilanzsalden vieler Schwellenländer heute höher sind als vor Covid-19, was sowohl die Wechselkurse als auch die Zinssätze weiterhin stützen sollte.

Die Auswahl ist zentral

In Anbetracht der großen Unterschiede in der Performance der Schwellenländeranleihen ist die Auswahl zentral und wird auch in Zukunft eine entscheidende Rolle für die Performance spielen. Aktive Manager, die ihre Hausaufgaben machen und das Risiko für jedes einzelne Land genau bewerten, werden am besten in der Lage sein, die Zinssätze und Währungen zu identifizieren, die in Zukunft am meisten profitieren werden – nicht trotz, sondern gerade wegen der anhaltenden Unsicherheit im Markt.

Diesen Artikel lesen Sie auch in AssCompact 06/2022, S. 58 f., und in unserem ePaper.

Bild: © Thomas Reimer – stock.adobe.com

Grafik Quelle: Morningstar, Stand: 31.03.2022

 
Ein Artikel von
Dr. Ricardo Adrogué

Junge Leute: Interesse an fondsbasierten Produkten steigt

YouGov hat im Auftrag der Swiss Life Deutschland untersucht, wie junge Leute gegenüber Finanzanlagen eingestellt sind und wie sie vorsorgen. Für Vermittler relevant: Auch junge Menschen schätzen Beratung bei Vorsorgethemen. Hier gelten insbesondere fondsbasierte Produkte als interessant.

<p>YouGov hat im Auftrag der Swiss Life Deutschland bereits zum zweiten Mal eine Studie durchgeführt, in der es um Finanzen und Vorsorge insbesondere aus Sicht von jungen Menschen in Deutschland geht. An der repräsentativen Studie nahmen mehr als 4.000 Personen teil.</p><h5>Generation Y schreibt sich hohes Finanzverständnis zu</h5><p>Über alle Generationen hinweg behaupten demnach 58% der Deutschen von sich, über ein gutes bis sehr gutes Finanzverständnis zu verfügen. Insbesondere die Generation Y (geboren zwischen 1980 und 1993) zieht den Schnitt nach oben – ihre Selbsteinschätzung liegt bei 61% und ist in den vergangenen zwei Jahren um 4 Prozentpunkte gestiegen. Die Generation Z (geboren zwischen 1994 und 2010) hingegen schätzt ihre Kenntnisse zu 56% gut bis sehr gut ein – immerhin ein Plus von 8 Prozentpunkten im Vergleich zum Jahr 2020. </p><h5>Wichtige Informationsquellen</h5><p>Persönliche Gespräche mit Beratern bzw. Beraterinnen sowie mit Verwandten und Freunden sind für alle Generationen nach wie vor die wichtigsten Informationsquellen, wenngleich Social Media und Finanz-Apps vor allem bei den jungen Befragten immer relevanter werden (+ 5–7% im Vergleich zu 2020). </p><h5>Selbstständig abschließen nur bei einfachen Versicherungen</h5><p>Wirklich eigenständig abschließen möchten die Menschen aber überwiegend nur Kfz-, Reise- oder Haftpflichtversicherungen. Bei komplexen Themen wie Altersvorsorge, Pflege- und BU wird Beratung notwendig. Gerade innerhalb der Generationen Z und Y liegt die Bereitschaft, selbstständig und online abzuschließen, hier bei unter einem Fünftel aller Befragten. </p><h5>Aktien bei den Generationen Y und Z hoch im Kurs</h5><p>Bei Investments hingegen, werden die Deutschen zunehmend mutiger. Gerade seit der Corona-Pandemie ist die Bedeutung der Aktienmärkte für die eigene Geldanlage der Menschen in Deutschland gestiegen. Sahen im Jahr 2020 erst 25% aller Befragten Chancen an den Aktienmärkten, ist dieser Wert nun auf 30% gestiegen – ausschließlich getrieben durch die Generationen Y (44%, +11 Prozentpunkte) und Z (47%, +15 Prozentpunkte). Investmentfonds haben 37% der jungen Leute (Generation Z und Y) im Portfolio. Einzelaktien besitzen indes nur 28% der Generation Z und 29% der Generation Y.</p><h5>Offenheit gegenüber fondsbasierter Rentenversicherung </h5><p>Angesichts von Krieg, Inflation, Klimakrise und Pandemie schätzen junge Leute insbesondere Aktien, Edelmetalle, Immobilien und ETFs als geeignet für die Geldanlage ein. Fest- und Tagesgeldkonten oder Sparbücher werden als gänzlich ungeeignet betrachtet. Mehr als die Hälfte der Generationen Z und Y steht auch fondsbasierten Rentenversicherungen offen gegenüber. Dieser Zustimmungswert ist seit der Vorgängerstudie 2020 um bis zu 13 Prozentpunkte deutlich gestiegen. Als besonders chancenorientiert zeigt sich die Generation Z: Ihre Bereitschaft, sogar deutlich mehr als 20% ihres Vermögens in aktienbasierte Anlagen im Rahmen der privaten Altersvorsorge zu investieren, hat sich binnen zwei Jahren verdoppelt. </p><h5>Garantieprodukte sind out</h5><p>Ebenso wie Sparbücher, sind auch Garantieprodukte in der Altersvorsorge derweil passé. 49% der Generation Z (+18 Prozentpunkte) und 48% der Generation Y (+7 Prozentpunkte) setzen lieber auf fondsbasierte statt klassische Privatrenten. </p><h5>Nachhaltigkeit soll nicht die Rendite schmälern</h5><p>Neben fondsgebundenen Produkten ist auch das Thema nachhaltige Finanzanlagen bei jungen Leuten gefragt. Während im Durchschnitt knapp 38% der Deutschen Nachhaltigkeit beim Abschluss von Finanzanlagen wichtig ist, liegt dieser Wert bei der Generation Y bei 42 % und in der Generationen Z sagt sogar mehr als jeder Zweite, dass ihm Nachhaltigkeit in diesem Kontext wichtig ist. Für Nachhaltigkeit aber auf Rendite zu verzichten – das kommt nur für knapp ein Drittel der jungen Menschen in Frage. (tku)</p><p><i class="font-twelve-italic" >Bild: © Tierney – stock.adobe.com</i></p><div id="bbgreadlog-getimage"><img src="/bbgreadlog/getimage/7579ADBD-E82E-498C-86EE-68E24A861C89"></div>

 

Multi-Asset-Fonds: Standard Life kooperiert mit Vanguard

Standard Life erweitert seine Fondspalette um fünf neue passive Multi-Asset-Fonds. Die Fonds entstanden in enger Kooperation mit dem Vermögensverwalter Vanguard und ähneln dessen Life-Strategy-Produkten.

Standard Life erweitert seine Fondspalette um fünf neue passive Multi-Asset-Fonds. Die „Standard Life Global Index Fonds“ sind in enger Kooperation mit dem zweitgrößten Vermögensverwalter der Welt und Pionier bei der Anlage in Indexfonds, Vanguard, aufgelegt worden.

Von defensiv bis 100% Aktien

Die Mischfonds zeichnen sich durch eine stufenweise Gewichtung in Aktien und Anleihen aus. Das defensivste Portfolio hält 20% in Aktien, das chancenreichste ist zu 100% in Aktien investiert. Basis der Portfolios sind drei Vanguard-Indexfonds, die weltweit breit diversifiziert anlegen. Die jährliche Verwaltungsgebühr für jedes der fünf Portfolios beträgt 0,15%.

Basis-Investment für die private Altersvorsorge

„Mit den fünf neuen Fonds erhalten unsere Kundinnen und Kunden eine breit diversifizierte Kapitalanlage zu einem sehr günstigen Preis“, sagte Christian Nuschele, Head of Sales & Marketing von Standard Life Deutschland und Österreich, anlässlich der Vorstellung der neuen Produktreihe. „Dass die Kapitalanlage ausschließlich mittels einer fest strukturierten Kombination aus Aktien und Anleihen geschieht, macht es für den Kunden einfach verständlich, nachvollziehbar und transparent. All dies sind Gründe dafür, dass sich die neuen Fonds hervorragend als rein passives Basis-Investment für die private Altersvorsorge eignen.“

Breite Diversifizierung

Die Standard Life Global Index Fonds investieren in ein unterschiedliches Verhältnis von Aktien zu Anleihen mit 20, 40, 60, 80 oder 100% Aktien. Der Aktien-Mix umfasst zwölf Sektoren aus 60 Industrie- und Schwellenländern. Der Anleihe-Bestandteil investiert in Tausende von Staats- sowie Unternehmensanleihen mit „Investment Grade“-Status, also mit einem verhältnismäßig geringen Ausfallrisiko. Die Gewichtungen innerhalb der Portfolios sind fix und bleiben im Zeitverlauf gleich. Ein manuelles Rebalancing durch die Beraterinnern und Berater ist nicht notwendig.

„Bei der privaten Altersvorsorge spielt gerade die Diversifikation über alle wesentlichen Aktien- und Anleihemärkte weltweit eine wichtige Rolle. Und genau das liefern unsere Indexfonds“, sagt Moritz Schüßler, Sales Executive von Vanguard, und in dieser Rolle zuständig für die Betreuung von Finanzberatern und Intermediären in Deutschland und Österreich. So biete beispielsweise der Standard Life Global Index Fund 60 Zugriff auf mehr als 16.000 einzelne Aktien- und Rentenwerte aus 60 Ländern.

Vorbild LifeStrategy-Fonds

In Irland werden die Standard Life Global Index Funds schon seit einem Jahr angeboten. Die neue Fondsreihe ähnelt den sogenannten „LifeStrategy Funds“, die Vanguard in Großbritannien offeriert. Dort zählen sie nach Schüßlers Worten zu einem der erfolgreichsten Anlageangebote, sowohl in Bezug auf die Performance als auch auf den Absatz. Auf dem britischen Finanzmarkt ist das verwaltete Vermögen der LifeStrategy Funds seit Einführung vor über zehn Jahren stetig gewachsen und hat mittlerweile das Volumen von 32 Mrd. Pfund überschritten.

Hohe Nachfrage nach passiven Anlagen

„Wir sehen eine ungebrochene Nachfrage nach passiven Investmentlösungen, die in unserer Fondspalette bislang noch nicht ausreichend vertreten waren. Dies ändern wir jetzt mit der engen Kooperation mit Vanguard“, sagt Nuschele. „Vanguard bringt besondere Expertise im Bereich passiver Investments mit, und wir können auf ein bereits bewährtes Anlagekonzept setzen. Wir freuen uns sehr, dass es uns gelungen ist, dieses Konzept im deutschen und österreichischen Versicherungsmarkt exklusiv über unsere fondsgebundenen Versicherungsprodukte zugänglich zu machen.“ (tku)

Bild: © Nuthawut – stock.adobe.com

 

Moonfare verwaltet pro Kunde rund 700.000 Euro

Das auf Private Equity spezialisierte FinTech Moonfare verwaltet mittlerweile 2 Mrd. Euro an Kundenvermögen. Bei gerade einmal 3.000 Kunden ergibt das einen Durchschnitt von 667.000 Euro pro Kunden an Assets under Management.

Das Berliner FinTech Moonfare hat die Marke von 2 Mrd. Euro an Assets under Management überschritten. Nicht viel, wenn man die Zahlen des Unternehmens mit jenen anderer namhafter Vermögensverwalter vergleicht. Der Unterschied: Das FinTech richtet sich mit dem Angebot auf seiner digitalen Plattform an wohlhabende Kunden, die in Private-Equity investieren möchten. Im Januar 2022 hatten die Assets under Management noch nur 1,5 Mrd. Euro betragen.

Hohes Vermögen pro Kunden

Der Branchendienst finanz-szene.de hat die aktualisierte Zahl von 2 Mrd. Euro an verwaltetem Vermögen durch die grobe Zahl an aktiven Kunden geteilt und festgestellt, dass der durchschnittliche Kunde von Moonfare rund 667.000 Euro bei dem Private-Equity-Spezialisten geparkt hat. (tku)

Bild: © alonesdj – stock.adobe.com

 

Marktausblick 2022: Damit müssen Anleger (noch) rechnen

In einem Ausblick auf das zweite Halbjahr 2022 hat sich JPMorgan AM der Frage gewidmet, wie es um den Zustand der Weltwirtschaft bestellt ist. Das Fazit des Vermögensverwalters dürfte Anlegern Mut machen. Es beinhaltet kein weiteres deutliches Abwärtsrisiko.

JPMorgan Asset Management (AM) hat sich an einen Ausblick auf das zweite Halbjahr 2022 gewagt. Im Zentrum des Investment-Ausblicks der Vermögensverwalter-Tochter von JPMorgan Chase & Co. steht die Beurteilung des drohenden Rezessionsrisikos. Gerade hier macht der Asset Manager Anlegern aber Mut.

Wie viel ist in den Kursen eingepreist?

Denn der Konjunkturausblick habe sich zwar seit Jahresbeginn merklich eingetrübt. Die Gründe sind bekannt: Inflationssorgen, Rohstoffpreise, Lieferkettenprobleme und zuvorderst der Angriff Russlands auf die Ukraine. Doch die Frage laute nun, ob die Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte noch schlechter sein wird, als es der Markt mittlerweile eingepreist hat. Und daran meldet der Asset Manager begründete Zweifel an.

Basisszenario ohne globale Rezession

Das zentrale und somit in den Augen von JP Morgan AM wahrscheinlichste Szenario geht davon aus, dass ein starker globaler Abschwung abgewendet werden könne – dank finanzpolitischer Unterstützung und zurückhaltender geldpolitischer Straffung durch die Notenbanken. Außerdem haben die wichtigsten Märkte bereits Rückgänge im zweistelligen Bereich verzeichnet, was das weitere Abwärtspotenzial für Risikoanlagen begrenze.

Welche Unternehmen sind/werden attraktiv?

Die Unternehmensgewinne in den Industrieländern wiederum, werden nach Ansicht des Vermögensverwalters 2022 zwar leicht zulegen, aber deutlich hinter den aktuellen Erwartungen der Unternehmen zurückbleiben. Für die Entwicklung der Aktienkurse der einzelnen Unternehmen werde die Robustheit der Margen entscheidend sein. Sofern sich die Wirtschaftstätigkeit widerstandsfähig gegenüber höheren Rohstoffpreisen und Zinssätzen erweist, könne auch die Outperformance von Value- gegenüber Growth-Titeln noch eine Weile fortgesetzt werden.

Negative Anlegerstimmung dürfte anhalten

Da die Sorge der Anleger vor einer Stagflation aber noch anhalten dürfte, bis die Inflation abklingt, erachtet JP Morgan AM aktuell gerade alternative Anlagen wie Kerninfrastrukturwerte und Immobilien sowie Aktien mit robusten hohen Dividenden als relativ attraktiv. Zur Diversifikation des Portfolios gerade im Hinblick auf extremere Negativszenarien (z.B. Eskalation im Ukraine-Krieg) sind laut Marktausblick auch Staatsanleihen zunehmend geeignet. (tku)

Bild: © Lewis Tse Pui Lung – stock.adobe.com

 

Die nachhaltigsten Fondsgesellschaften 2022

Die Rating-Agentur Scope hat analysiert, welche Fondsgesellschaften in puncto Nachhaltigkeit wirklich überzeugen können. Bittere Pille für die deutsche Fondswirtschaft: Unter den Top-Ten findet sich lediglich ein Asset Manager aus Deutschland.

Das Analysehaus Scope hat untersucht, welche Fondsgesellschaften in Sachen Nachhaltigkeit besonders positiv auffallen. Dazu hat die Ratingagentur Berichte der Vereinten Nationen (UN PRI) und weitere Materialien, in denen die Anbieter über ihre Nachhaltigkeitsbemühungen Auskunft geben, ausgewertet. Analysiert wurden die Angaben von 30 großen internationalen Fondsgesellschaften und zwölf großen deutschen, die zusammen knapp 44 Bio. Euro verwalten.

Nachhaltigkeit des Fondshauses selbst entscheidend

Für die Studie wurden insgesamt 58 Themenkomplexe betrachtet. Sie betreffen den Investmentprozess und die Unternehmensführung genauso wie die Einflussnahme auf Portfolio-Unternehmen, um diese zu einem nachhaltigeren Handeln zu bewegen (Engagement). Abhängig vom Umfang der ESG-Bemühungen wurden Punkte vergeben, die umso höher ausfielen, je mehr Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigt wurden. Maximal waren 116 Punkte erreichbar (für jeden Themenkomplex zwei Punkte).

Um Missverständnisse zu vermeiden: In der Auswertung ging es ausdrücklich nicht um einzelne Fonds, sondern um die Fondshäuser als Ganzes. Die Analyse hat zum Ziel aufzuzeigen, wie stark das Thema Nachhaltigkeit die Gesellschaften durchzieht.

Top-Ergebnis für Federated Hermes

Das beste Ergebnis erzielte der US-Anbieter Federated Hermes. Er konnte in den meisten der 58 Themenkomplexe überzeugen. Eine hohe Punktzahl erreichte auch Candriam auf Platz 2. Die weiteren Gesellschaften, die in Sachen ESG-Integration vorbildlich auftreten, liegen eng beieinander. Mit einem knappen Vorsprung auf Rang 4 sichert sich das Fondshaus Neuberger Berman den 3. Podestplatz.

Nur Geno-Fondshaus top

Nur ein deutscher Vermögensverwalter schaffte es in die Top-Ten der nachhaltigsten Gesellschaften: Union Investment. Das Fondshaus des Geno-Sektors erzielte 82 von 116 möglichen Punkten und landet damit auf Platz 9. Die kompletten Studienergebnisse gibt es hier auf der Seite von Scope. (tku)

Bild: © Dancing Man – stock.adobe.com

 

Wohin geht die Reise, Frau Lagarde?

Christine Lagarde hat auf der letzten planmäßigen EZB-Ratssitzung von einer langen Reise gesprochen, die nun beginnt. Gemeint war damit die Zinswende, die der galoppierenden Inflation Einhalt gebieten soll. Doch hinsichtlich der Reiseplanung bleiben viele Fragen offen.

Ein Kommentar von Tom Kufner, AssCompact

Auf der planmäßigen EZB-Sitzung im Juni wurde endlich die erste Etappe des Weges vorgestellt. Im Juli will die EZB die Anhebung des Leitzinses um 0,25 Prozentpunkte beschließen. Im August könnte dieser Zinsschritt wirksam werden. Bis es so weit ist, beendet die EZB aber schon einmal das Anleihekaufprogramm APP.

Fakt ist aber auch: Entlang des Weges auslaufende Anleihen werden weiterhin ersetzt. Über diese Reinvestitionen möchte die EZB nun verstärkt jenen Ländern unter die Arme greifen, denen aktuell die Puste ausgeht, weil sie zunehmend höhere Renditen für ihre Anleihen bieten müssen. Das hatte man auf einer außerplanmäßigen EZB-Sitzung beschlossen, die nur wenige Tage nach der planmäßigen nötig geworden war. Klingt ein wenig nach einer Reise in die Vergangenheit. Stichwort: Eurokrise.

Und dieser Eindruck kommt nicht von ungefähr. Lauscht man dieser Tage Direktoriumsmitglied Isabell Schnabel, meint man einen Hauch von „Whatever it takes“ in ihren Durchhalteparolen zu hören. Schnabel hatte kürzlich gesagt, dass das Engagement der EZB keine Grenzen kenne, wenn es darum ginge, eine Fragmentierung des Euroraums zu verhindern. Man könnte auch sagen: Keiner wird zurückgelassen. Angesichts dessen wird zunehmend deutlich, was Christine Lagarde gemeint hat, als sie sagte: „Es ist nicht nur ein Schritt, den wir gehen, es ist eine Reise, die wir antreten.“ Beunruhigend nur: Auch wenn das Ziel feststeht (Inflationsquote von ca. 2%), hat die EZB anscheinend noch keine Ahnung davon, wie steinig der Weg dorthin werden könnte. Für Reue ist es nun aber zu spät: Im vergangenen Jahr wäre die Zinswende noch vor dem Hintergrund eines überhitzenden Markts möglich gewesen. Nun aber steht für die EZB eine Gratwanderung zwischen Inflation und Rezession an.

Die Eurozone betritt unbekanntes Terrain. Reiseführerin Lagarde und ihr Team können zwar nicht mit einem ausgeprägten Orientierungssinn oder einschlägigen Ortskenntnissen glänzen, aber immerhin bringen sie grenzenloses Engagement mit.

Wer hat Lust mitzukommen?

Contra?

Sie sind anderer Meinung? Schreiben Sie an kufner@asscompact.de.

Diesen Kommentar lesen Sie auch in AssCompact 07/2022 und in unserem ePaper.

Bild: © andreiuc88 – stock.adobe.com

 

Deutsche Zweitmarkt verschmilzt mit Muttergesellschaft

Die Deutsche Zweitmarkt AG wird mit ihrer Muttergesellschaft Fondsbörse Deutschland Beteiligungsmakler AG verschmolzen. Als Marke wird die Deutsche Zweitmarkt aber erhalten bleiben und sich künftig auf das Geschäftsfeld Kaufofferten konzentrieren.

<p>Voraussichtlich mit Wirkung zum 01.10.2022 wird die Deutsche Zweitmarkt AG (DZ) mit ihrer Muttergesellschaft Fondsbörse Deutschland Beteiligungsmakler AG (FDB) verschmelzen. Die DZ bleibt als eigenständige Marke bestehen. Alle Mitarbeitenden werden von der FDB übernommen. Für Endkunden ergeben sich daraus keine Veränderungen.</p><h5>Wachstumstreiber Kaufofferten</h5><p>Nach der Verschmelzung soll sich die DZ auf das in den letzten Jahren stark gewachsene Geschäftsfeld der Kaufofferten konzentrieren. Das umfasst die direkte Ansprache von Fondsinhabern zur Unterbreitung eines konkreten Kaufangebots im Auftrag von zumeist professionellen Investoren. Der bisherige Vorstand der DZ, Jan-Peter Schmidt, wird als Bereichsvorstand der FDB diesen in den vergangenen Jahren stark gewachsenen Geschäftszweig verantworten. </p><h5>Regulatorische Aufwände minimieren</h5><p>Während sich die DZ auf das Geschäft mit professionellen Investoren konzentriert, ist geplant, den öffentliche Plattformhandel zukünftig nur noch über das Portal der FDB abzuwickeln. Bislang handelten beide Unternehmen über eigene Handelsportale an der Fondsbörse Deutschland. (tku)</p><p><i class="font-twelve-italic" >Bild: © Luka – stock.adobe.com</i></p><div id="bbgreadlog-getimage"><img src="/bbgreadlog/getimage/8E4DC716-997A-42F3-B6BF-FF25C6BC6FF3"></div>

 

Netfonds übernimmt VB Select

Die Netfonds AG übernimmt die Mehrheit am Beraternetzwerk VB Select. VB Select war zuvor bereits zum größten Partner im Haftungsdach der Netfonds Financial Services GmbH herangewachsen. Im Zuge einer Überkreuzbeteiligung erhält auch VB Select Aktien der Netfonds AG.

Die Netfonds AG und die VB Select AG haben zum 01.07.2022 eine Überkreuzbeteiligung beschlossen. Dabei werden 50,1% der Aktien der VB Select AG im Zuge einer Sachkapitalerhöhung in die Netfonds AG eingebracht. Die VB Select erhält im Gegenzug Aktien an der Netfonds AG.

Wichtiger Kooperationspartner

Die Kooperation der beiden Unternehmen im Bereich der Wertpapieranlagen besteht bereits seit mehr als zwölf Jahren. Mittlerweile sind die VB Select-Berater laut Unternehmensangaben zum größten Partner im Haftungsdach der NFS Netfonds Financial Services GmbH (NFS) geworden.

Überkreuzbeteiligung

Im Zuge der Überkreuzbeteiligung soll die Zusammenarbeit auf weitere Dienstleistungsbereiche unter Nutzung der finfire Plattform ausgebaut werden. In einem ersten Schritt werde die Netfonds Gruppe hierfür mit der neuen Tochtergesellschaft NCS Netfonds Credit Service GmbH (NCS) ein zusätzliches Dienstleistungsangebot im Bereich der Finanzierungsservices anbieten.

Über die beteiligten Unternehmen

Die VB Select AG ist ein auf Berater zugeschnittenes Netzwerk von rechtlich und wirtschaftlich selbstständigen Investment- und Wertpapierspezialisten, Finanzmaklern sowie Finanzierungsberatern.

Die Netfonds Gruppe ist eine führende Plattform für Administration, Beratung und Regulierung für die deutsche Finanzindustrie. Unter der Marke finfire stellt das Unternehmen seinen Kunden und Partnern eine cloudbasierte Technologieplattform zur kompletten Abwicklung und Administration der Geschäftsvorgänge zur Verfügung. (tku)

Bild: © RRF – stock.adobe.com

 

Das magische Renditedreieck mithilfe der Blockchain aushebeln

FINEXITY hat es sich zum Ziel gemacht, Investments in alternative Kapitalanlagen für Privatanleger investierbar zu machen. Dazu bedient sich das Unternehmen der Blockchain-Technologie. Wie Sachwerte handelbar gemacht werden und wie das magische Renditedreieck gesprengt werden kann, erläutert Paul Huelsmann.

<h5>Ein Interview mit Paul Huelsmann, CEO und Gründer der FINEXITY AG</h5><h5>Herr Huelsmann, wie kam es dazu, dass Sie gemeinsam mit Ihrem Co-Gründer, Henning Wagner, FINEXITY an den Start gebracht haben?</h5><p>Henning und ich haben uns damals bei einem großen Konzern kennengelernt, bei dem wir gemeinsam einen globalen Inkubator aufgebaut haben. Das heißt: Wir haben aus dem Unternehmen heraus Start-ups gegründet. Das waren damals 14 Unternehmungen, von denen sechs bereits im Blockchain-Bereich angesiedelt waren. Wir waren also recht früh in der ganzen Thematik Blockchain drin und lernten schnell, wie wir Business Cases schaffen, durch die am Ende auch ein Mehrwert für den Kunden generiert wird. Bei vielen Projekten mussten wir aber feststellen, dass die Transaktionen über die Blockchain zwar effizient gestaltet wurden, der Business Case am Ende aber nicht mehr funktionierte. Deshalb haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, beides zu vereinen: einerseits schlanke, effiziente Transaktionen über die Blockchain und andererseits für Privatanleger passende Assets, die zum kontinuierlichen Vermögensaufbau beitragen.</p><h5>Und wie haben Sie die Ihrer Meinung nach passenden Assets identifiziert?</h5><p>Wir haben uns die Portfoliostruktur von Ultrareichen – also von Personen mit einem freien Vermögen von 30 Mio. US-Dollar oder mehr – angesehen. Diese Ultrareichen allokieren durchschnittlich knapp 50% ihres gesamten Portfolios in alternativen Kapitalanlagen. Daraus ergeben sich aber vier Probleme.</p><h5>Welche sind das?</h5><p>Erstens: extrem hohe Eigenkapitalanforderungen. Wer heute eine Immobilie kaufen möchte, braucht mindestens 10% Eigenkapital, selbst bei einer 100%-igen Finanzierung. Immerhin machen die Nebenkosten allein schon 10% aus. Wenn es sich dann noch um eine Immobilie handelt, die in einer Stadt wie Hamburg liegt, kommen bei einer 50-Quadratmeter-Wohnung schnell 50.000 Euro Eigenkapital zusammen. Diese 50.000 Euro sind dann bereits nötig, um überhaupt die Finanzierung zu erhalten. </p><p>Zweitens: Informationsasymmetrien zwischen Käufern und Verkäufern. Nehmen wir beispielsweise den Kunstmarkt. Der Kunstmarkt ist ein sehr, sehr intransparenter Markt für Nicht-Experten. Für diejenigen, die aber in der Thematik drin sind, lassen sich gute Deals machen. Das sind zum Beispiel Auktionshäuser, große Galeristen oder auch Kunst-Broker, die am Markt agieren. Als Privatanleger habe ich aber weder die Möglichkeit, tief genug in den Markt einzusteigen, noch verfüge ich über das finanzielle Volumen, ab dem beispielsweise ein Family Office für mich interessant wäre. </p><p>Der dritte Punkt ist der Verwaltungsaufwand. Das heißt: Wer sich heute einen Oldtimer kauft, der muss sich morgen um die Wartung kümmern. Weiter geht es mit einem Wirtschaftsplan, dann muss dafür gesorgt werden, dass die Reparaturen ordentlich durchgeführt werden usw. Der Aufwand, das Gut ordentlich zu verwalten, ist also groß. </p><p>Und der vierte Punkt, weshalb Privatanleger heute eine ganz andere Portfoliostruktur haben als die Ultrareichen: Privatanleger brauchen die Flexibilität bzw. die Liquidität. Sie müssen in der Lage sein, ihre Vermögenswerte schnell zu verkaufen, falls sie in Geldnot kommen.</p><!--text-long-pagebreak--><!--sub-title||Und wie lösen Sie diese Probleme?--><h5>Und wie lösen Sie diese Probleme?</h5><p>Wir machen all diese illiquiden Vermögenswerte für Privatanleger zugänglich. Über unseren Marktplatz hat der Anleger die Möglichkeit, seine digitalen Anteile jederzeit zu verkaufen, und das Ganze kosteneffizient. Dank der Blockchain-Nutzung sparen wir knapp 80% der Gesamtkosten im Vergleich zu einer konventionellen Verbriefung.</p><h5>Was ist mit einer konventionellen Verbriefung gemeint?</h5><p>Das hieße, ein Wertpapier aufzusetzen und über die Börse anzubieten. Wir hingegen verbriefen ein digitales Wertpapier mithilfe der Blockchain. Im Vergleich zu offenen Fonds oder Ähnlichem können wir die Kosten sehr niedrig halten. Gleichzeitig ist der Kunde selbst Entscheider und hat somit immer die volle Kontrolle darüber, was er sich in sein Portfolio holt.</p><h5>Ich kann auf Ihrer Plattform also digitale Anteile eines Oldtimers, eines Diamanten oder einer Immobilie kaufen. Wem gehört der angebotene Wertgegenstand eigentlich zum Zeitpunkt, wenn er auf Ihrer Plattform angeboten wird? Wem kaufe ich die Anteile ab?</h5><p>Wir haben verschiedene Zweckgesellschaften, die Teil der FINEXITY Gruppe sind. Diese Gesellschaften kaufen die einzelnen Assets an. </p><!--text-long-pagebreak--><!--sub-title||Sie haben vorher aber die Informationsasymmetrie zwischen Experten und Privatanlegern als Problem genannt. Woher kommt Ihre Expertise?--><h5>Sie haben vorher aber die Informationsasymmetrie zwischen Experten und Privatanlegern als Problem genannt. Woher kommt Ihre Expertise?</h5><p>Wir haben da ein starkes Netzwerk von Partnern, die ihre Expertise einbringen. Das können sowohl strategische Aktionäre der FINEXITY AG sein, aber auch ganz normale Sourcing-Partner, die uns Produkte anbieten. Neue Produkte durchlaufen immer zuerst einen Prüfungsprozess. Nehmen wir mal den angesprochenen Oldtimer. Erstmal brauchen wir ein Gutachten. Wir schauen uns das Auto also vor Ort an, dafür haben wir auch intern erfahrene Experten. Wenn die Zahlen stimmen, die potenzielle Wertentwicklung passt und wir mit den Vorbesitzern zufrieden sind, wandert die Sache zum Investment-Komitee. Gibt das Komitee grünes Licht, kaufen wir das Asset an und haben es dann in den eigenen Büchern. </p><h5>FINEXITY hat im Endeffekt bis hierhin ein Auto gekauft. Wie wird das jetzt für Ihre Kunden investierbar?</h5><p>Jetzt kommt die Blockchain ins Spiel. Die zuvor angesprochene Zweckgesellschaft emittiert ein digitales Wertpapier. Dieses Wertpapier wird auf unserer Plattform gelistet und kann dann an Anleger vermittelt werden. Der Anleger wiederum partizipiert an der kompletten Wertentwicklung. Wenn es sich bei dem Asset beispielsweise um eine Immobilie handelt, profitiert man wie ein Eigentümer von allen Faktoren – auch von potenziellen Mieteinnahmen. </p><h5>Wie ein Eigentümer? Die Anleger erwerben also kein Eigentum?</h5><p>Eigentümer des Assets und auch Emittent des digitalen Wertpapiers bleibt die gegründete Zweckgesellschaft. </p><!--text-long-pagebreak--><!--sub-title||Sie gehen beim Ankauf des Investments also in Vorleistung? Wie häufig sind denn solche Platzierungen auf Ihrer Plattform bisher gescheitert?--><h5>Sie gehen beim Ankauf des Investments also in Vorleistung? Wie häufig sind denn solche Platzierungen auf Ihrer Plattform bisher gescheitert?</h5><p>Alle Platzierungen sind bisher erfolgreich verlaufen. Und sollte es mal länger dauern, wäre das überhaupt nicht schlimm. Wir glauben an die Assets und ihre Wertentwicklung. Unter diesen Umständen würden wir die Anteile als FINEXITY AG einfach eine Weile selbst halten. Außerdem hätten wir noch einige Anker-Investoren in der Hinterhand, die das Produkt notfalls schließen würden. Eine Rückabwicklung haben Anleger dementsprechend nicht zu befürchten. </p><h5>Und wie lange dauert so eine Platzierung?</h5><p>Letztes Jahr haben wir die Platzierung aus dem Immobilienbereich im Wert von 1,5 Mio. Euro innerhalb von fünf Werktagen abgeschlossen. Bei anderen Assets wie Oldtimern kann es aber auch mal zwei, drei Wochen dauern. </p><h5>Zum Abschluss: Sie behaupten, dass FINEXITY das Zeug dazu hat, das magische Dreieck der Vermögensanlage aufzuheben. Wie ist das gemeint?</h5><p>Beim magischen Dreieck geht es um Liquidität, Rendite und Risiko bzw. Sicherheit. Sie können üblicherweise aber maximal zwei von drei haben. Das heißt: Die Stiftung der Eliteuniversität Yale hat in den letzten Jahren eine Überperformance im Vergleich zu allen relevanten Indizes hingelegt. Das Kapital der Stiftung ist aber zu um die 90% in alternativen Vermögenswerten investiert. Rendite und Sicherheit sind also gegeben, aber bei der Liquidität muss man signifikante Abstriche machen. </p><p>Durch die Tokenisierung des jeweiligen Assets hebeln wir dieses Gesetz aus. Anleger können ihre Anteile stets frei auf dem Sekundärmarkt handeln. Wer sein Investment abstoßen möchte, weil er die Liquidität braucht, muss im Falle eines Kunstwerks im Gegenwert von 100.000 Euro nicht eine Person finden, die ihm 100.000 Euro bietet. 100 Personen mit jeweils 1.000 Euro funktionieren ebenso gut. Die potenzielle Nachfrage wird also erhöht, während das Angebot unverändert bleibt. Langfristig könnte der Marktwert einzelner Güter durch diese Evolution im Finanzmarkt sogar deutlich steigen.</p><p>Dieses Interview lesen Sie auch in AssCompact 06/2022, S. 44 f., und in unserem <a href="https://epaper.asscompact.de/asscompact-06-2022/66961363&quot; target="_blank" >ePaper</a>.</p><p><i class="font-twelve-italic" >Bild: © Jo Panuwat D – stock.adobe.com</i></p><div id="bbgreadlog-getimage"><img src="/bbgreadlog/getimage/B034D6F4-3413-4C64-B476-BE3884814CEC"></div>

 
Ein Interview mit
Paul Huelsmann