Wegen PSD2: Gratiskonten droht das Aus | AssCompact – News für Assekuranz und Finanzwirtschaft
AssCompact - Facebook AssCompact - LinkedIN AssCompact - Twitter AssCompact - Xing AssCompact - Youtube

Wegen PSD2: Gratiskonten droht das Aus
05. November 2019

Wegen PSD2: Gratiskonten droht das Aus

Kostenlose Girokonten sind bei Kunden sehr beliebt. Banken wollen damit vor allem Kunden an sich binden. Nun steht diese Praxis vor dem Aus. Grund ist die europäische Zahlungsdienstrichtlinie PSD2. Stattdessen sind sogar Strafzinsen auf Privatkunden zunehmend kein Tabu mehr. Das zeigt eine aktuelle Branchenstudie.


Kostenlose Girokonten sind bei Kunden sehr beliebt. Banken wollen damit vor allem Kunden an sich binden. Nun steht diese Praxis vor dem Aus. Grund ist die europäische Zahlungsdienstrichtlinie PSD2. Stattdessen sind sogar Strafzinsen auf Privatkunden zunehmend kein Tabu mehr. Das zeigt eine aktuelle Branchenstudie.


Wegen PSD2: Gratiskonten droht das Aus

Deutsche Banken denken darüber nach, kostenlose Girokonten abzuschaffen und neue Gebühren einzuführen. Drei von vier Instituten gehen davon aus, dass Gratiskonten vor allem wegen der europäischen Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2) ihre Ankerfunktion verlieren. Weil die Kunden ihren Kontozugang für die Dienste anderer Anbieter freigeben können, spiele es kaum noch eine Rolle, wer das Konto führt. Das geht aus dem „Branchenkompass Banking 2019“ von Sopra Steria Consulting und dem F.A.Z.-Institut hervor. Für die Studie wurden 101 Führungskräfte der Bankenbranche befragt.

Mehrere mögliche Preisschrauben

Der Studie zufolge schwinden die Hemmungen angesichts der angespannten Ertragslage höhere Preise durchzusetzen und auch für bislang kostenfreie Angebote Gebühren zu verlangen. Deutsche Verbraucher in Deutschland müssten sich darauf einstellen, dass ihre Bank sie bald zur Kasse bittet. Etwa 30% der Institute wollen Gebühren für ihre Girokonten einführen oder weiter an der Preisschraube drehen. Jede fünfte Bank will zudem mehr für Giro- und Kreditkarten verlangen. Auch Depots für Wertpapiere sollen teurer werden.

Strafzinsen kein Tabu mehr

Auch mit dem umstrittenen Thema Strafzinsen hat sich die Branchenumfrage beschäftigt. Negative Zinsen sind demnach kein Tabu mehr. Weil sie für jeden Euro zahlen müssen, den sie bei der Europäischen Zentralbank verwahren, geben immer mehr Institute diese Kosten an ihre Kunden weiter. 11% der Befragten planen, damit in nächster Zeit zu beginnen. „Der Widerstand gegen Minuszinsen für private Bankguthaben bröckelt“, sagt Tobias Keser, Business Unit Director Banking bei Sopra Steria Consulting. „Nach den institutionellen Anlegern und Unternehmenskunden kriegen jetzt auch die Privatkunden die Folgen negativer Zinsen zu spüren.“

Gewinne brechen weg

Wirklich kostenlose Konten gebe es aufgrund der schwachen Ertragslage ohnehin kaum noch. Der Überschuss ist branchenweit 2018 um fast 40% eingebrochen, bei Großbanken sogar um mehr als 60%. Immer mehr Anbieter haben daher damit begonnen, ihre Kontomodelle umzustellen und einzelne Dienste mit einer Gebühr zu belegen – zum Beispiel für Papierüberweisungen, Girocard oder Telefonservices. „Komplett kostenlos sind meist nur noch Girokonten, die Kunden vor allem online und ohne persönliche Betreuung in der Filiale nutzen“, erklärt Tobias Keser. (mh)

Bild: © Steidi – stock.adobe.com




Ähnliche News

Die Sparkassen kündigen derzeit massenhaft Sparverträge. Mit der Kündigungswelle ruinieren sie endgültig ihren über Jahrhunderte aufgebauten Ruf als Bank des kleinen Mannes. Das ist nicht nur für Verbraucherschützer, sondern auch für Vermittler eine Steilvorlage – meint AssCompact-Redakteur Michael Herrmann. weiterlesen
Scalable Capital hat eine Kooperation mit raisin gestartet. Der Robo Advisor erweitert dadurch sein Angebot um Tages- und Festgeld. Die Zinsplattform weitet mit der Integrationspartnerschaft wiederum das B2B-Geschäft aus. weiterlesen
Der Maklerpool Fonds Finanz verbucht weiter hohe Wachstumsraten bei Baufinanzierungen & Bankprodukten. Sie bleiben die am stärksten wachsenden Sparten des Münchner Maklerpools. Bei Ratenkrediten hat sich das Wachstum im ersten Halbjahr 2019 hingegen etwas gelegt. weiterlesen


AssCompact Abonnement

Sie wollen das AssComapct Magazin und/oder den AssCompact Newsletter abonnieren? Klicken Sie hier

Sie sind bereits Leser des AssCompact Magazins und möchten Ihre Daten ändern? Klicken Sie hier

Empfohlener Artikel

Die Finanz- und Versicherungsbranche ist bei Nachwuchskräften alles andere als beliebt. Von 14 Branchen landet sie im aktuellen „Young Professionals Barometer“ von Trendence auf dem vorletzten Platz. Welche Versicherer in der Liste der Wunscharbeitgeber ganz vorne liegen, zeigt AssCompact in einer Bildergalerie.